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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Vor 200 Jahren vereinten sich die Protestanten im Taunus. Was heute normal erscheint, war damals bahnbrechend.

Die nassauische Union

In meinem letzten Blog-Beitrag (http://www.taunus-zeitung.de/frankfurterstimmen/gregormaier/art2850,2510320) hatte ich mich mit dem Jubiläum des Wittenberger Thesenanschlags beschäftigt und darauf hingewiesen, dass wir im Taunus erst in etlichen Jahren „500 Jahre Reformation“ feiern können, weil es einige Zeit dauerte, bis sich das Luthertum in unserem Raum bemerkbar machte.

An ein anderes großes Jubiläum der Kirchengeschichte können wir aber getrost in diesem Jahr erinnern: an die sogenannte Nassauische Union von 1817. Damals, zum 300. Jubiläum des Thesenanschlags, berief der Herzog von Nassau eine Synode ein, auf der sich Vertreter der lutherischen sowie der reformierten nassauischen Landeskirche in Idstein trafen.

An deren Ende stand die Vereinigung der beiden Kirchen zur „Evangelisch-christlichen Kirche“ im Herzogtum Nassau, die im 20. Jahrhundert schließlich in der heutigen Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau aufgegangen ist.

Die Nassauische Union von 1817 war die erste Kirchenunion in einem deutschen Flächenstaat – noch vor der Preußischen Union, die ebenfalls noch 1817 verkündet wurde. Die Nassauische Union, die Überwindung der konfessionellen Spaltung des Protestantismus, war ein grundlegendes Ereignis, das mit großem Aufwand im gesamten Herzogtum gefeiert wurde.

Für uns Heutige mutet das, was die Menschen vor 200 Jahren umgetrieben hat, oft fremdartig an, und in unserer profanierten Welt tun wir uns schwer zu verstehen, wie wichtig kirchliche Fragen damals waren. Es scheint uns kurios, dass erbittert darum gerungen wurde, ob zum Abendmahl Brot (und wenn ja, in welcher Form) oder Hostien verwendet werden sollten, ob man „Vater unser“ oder „Unser Vater“ beten sollte.

Als der reformierte Erbprinz Wilhelm von Nassau 1813 eine lutherische Prinzessin heiratete, wurde eigens ein theologisches Gutachten angefertigt, um zu klären, ob der Bräutigam bei der Trauung vor dem Altar niederknieen dürfe, ohne dadurch sein Bekenntnis zu verleugnen (Ergebnis: Er durfte).

Tatsächlich haben wir es seit der Reformationszeit bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts mit zwei scharf voneinander getrennten – und sich vielfach bekämpfenden – evangelischen Konfessionen zu tun. Konkrete Auswirkungen im Taunus hatte die Union beispielsweise auf die Stadt Usingen, wo sowohl eine lutherische als auch eine reformierte Kirchengemeinde bestanden hatte. Mit der Union verlor die reformierte Kirche, bis heute ein barockes Kleinod der Usinger Neustadt, ihre Funktion und wurde in der Folgezeit zum Schulhaus umgebaut.

Jenseits der Landesgrenze im benachbarten Homburg blieben dagegen Lutheraner und Reformierte säuberlich getrennt; hier kam es erst 1901 zu einer Kirchenunion. Dass heute kaum noch jemand zwischen „reformiert“ und „lutherisch“ zu unterscheiden weiß, spricht für den Erfolg der Union – und leider auch ein wenig für das Schwinden theologischer Allgemeinbildung. Dennoch aber ist die Nassauische Union von 1817 ist ein wichtiges Datum in der Geschichte unserer Region – und vielleicht auch ein Anlass, einen Ausflug nach Idstein zu unternehmen, wo zum 200. Jahrestag der Vereinigungssynode die dortige prachtvolle Unionskirche nach aufwendiger Sanierung in neuem Glanz erstrahlen wird.

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