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Cigarettes and movies, man. That’s a combination.

Ob zwischen Zeige- und Mittelfinger, im Mundwinkel, hinter dem Ohr oder
gar aufreizend zwischen den Zähnen eingeklemmt. Ob Drama-, Action-,
Horror-, Kriminal-, Liebes- oder Abenteuerfilm. Eines schien jahrelang
immer dabei: die Zigarette.

Als ich vor einiger Zeit Herbert Veselys DAS BROT DER FRÜHEN JAHRE (DE 1962) – nach der gleichnamigen Erzählung von Heinrich Böll – im Kino sah, wurde meinen Begleitern und mir ein weiteres Mal bewusst, welche immense Symbolkraft und ästhetische Wirkung der Glimmstängel in den Händen der Hauptfiguren, Walter Fendrich und Hedwig Muller, mit sich bringt.

Es sind vor allem die Szenen, in denen die Kamera langsam und gezielt auf das Gesicht des Protagonisten zugleitet. Gezeigt wird der Moment des Ziehens: ein Zeitpunkt der bewussten, nach innen gerichteten Atmung, der zugleich Augenblick der Reflexion, der Ruhe oder des Aufbruchs, der Rebellion, sein kann.

Es gibt keinen klassischen Raucher-Typus im Film. Solange rauchen im
Film en vogue war, geschätzt bis Ende der 1990er Jahre, konnten alle
rauchen, ob Hausfrau, Anwältin, Femme fatale, Geschäftsfrau, Kassiererin
oder Geliebte, ob Staatsdiener, Bandit, Exzentriker oder  Normalo:
Jede/r rauchte und beinahe an jedem Ort.

Die Zigarette ist sogar thematische Grundidee ganzer Filme. Man denke an Jim Jarmuschs COFFEE AND CIGARETTES (US 2003), Jason Reitmans THANK YOU FOR SMOKING (US 2005) und Wayne Wangs SMOKE (US 1995). Alle kreisen sie um das eingewickelte Tabakröllchen. Alle thematisieren sie das Rauchen – oder daran anknüpfende Details – aus unterschiedlichen Blickwinkeln
 

Selbst wenn dem Rauchen nur eine  ritualisierende Funktion zukommt, ist es oft Handlungsträger und Medium der Selbstdarstellung. Und die Zigarette daher elementarer Bestandteil vieler berühmter Filmszenen. Etwa  als Humphrey Bogart in TO HAVE AND HAVE NOT (US 1944, R: Howard Hawks) der schönen Lauren Bacall das Feuerzeug zuwirft und man als Zuschauer von der erotischen Spannung beinahe erschlagen wird. Oder als Sean Connery in DR. NO (UK 1962, R: Terence Young) in legendärer Coolness seinen Namen am Pokertisch preisgibt. In der Hand: die Zigarette.

Eigentlich schade, dass sie – zumindest aus dem Mainstreamkino – weitgehend von der Leinwand verschwunden ist. Die ikonographischen Bilder, die die Kinogeschichte mit der Zigarette hervorgebracht hat, lassen den Cineasten – und passionierten Raucher – ganz wehmütig werden. Aber es gibt Hoffnung. In jüngeren deutschen Produktionen wie VICTORIA (DE 2015, R: Sebastian Schipper), OH BOY (DE 2012, R: Jan-Ole Gerster) oder MAGICAL MYSTERY (DE 2017, R: Arne Feldhusen) wagen die Regisseure durchaus wieder Bilder mit Zigarette. So sitzt Frederick Lau rauchend neben Laia Costa über den Dächern Berlins und Tom Schilling kompensiert seine Kaffeelust mit einer Zigarette am Fenster.

Die verschwenderische und gleichzeitig genüssliche Anziehungskraft der Zigarette scheint für Filmemacher wieder von einem gewissen Reiz zu sein. Vielleicht entwickelt sich da ja gerade ein neuer Trend? Wenn man an Audrey Hepburn, an John Wayne oder James Dean denkt, wäre das doch ganz schön, oder?

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