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Psychologin über Frühlingsgefühle und Beziehungsarbeit: Christine Backhaus: "Sex wird auf jeden Fall überschätzt"

Von Der Frühling und das Erwachen der Natur haben die Dichter aller Zeiten inspiriert. Was macht der Frühling mit Menschen und Paaren? Was sind "Frühlingsgefühle"? Anlässlich des Frühlingsanfangs haben wir mit der Diplom-Psychologin Christine Backhaus gesprochen.
Eine Frau und ihr Freund genießen an einem schönen Frühlingstag das Glück ihrer jungen Liebe. Foto: dpa / Symbolbild Eine Frau und ihr Freund genießen an einem schönen Frühlingstag das Glück ihrer jungen Liebe.

Über Frühlingsgefühle wird gern geredet und geschrieben, wenn die warme Jahreszeit beginnt. Was verstehen Sie als Psychologin und Beziehungsexpertin darunter?

CHRISTINE BACKHAUS: Frühlingsgefühle sind erst einmal Gefühle von Leichtigkeit. Dass die Welt mit der erwachenden Natur wieder wärmer und bunter wird, beschwingt viele Menschen. Nach dem langen, dunklen Winter, gibt es nun einen neuen Anfang. Und jedem Anfang wohnt ja bekanntlich ein Zauber inne.

Und welche Rolle spielen die Frühlingsgefühle im Hinblick auf Paarbeziehungen?

BACKHAUS: Was für die meisten Menschen gilt, gilt auch für Paare: Im Frühling ändert sich ihr Alltag, weil sie wieder mehr rausgehen. Es gibt mehr Möglichkeiten für gemeinsame Aktivitäten im Freien. Das Lebensgefühl verändert sich einfach.

Eine offensichtliche Veränderung im Frühling ist, dass die Menschen ihre Mäntel, Schals und Pullis von sich werfen. Die leichtere Kleidung bringt die Körper wieder stärker zur Geltung, mehr Haut ist zu sehen. Wie wirkt sich das aus?

Diplom-Psychologin Christine Backhaus rät Paaren, den Frühling für Reflexion und das Schmieden neuer Pläne zu nutzen. Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Diplom-Psychologin Christine Backhaus rät Paaren, den Frühling für Reflexion und das Schmieden neuer Pläne zu nutzen.
BACKHAUS: Das Auge kriegt im Frühling tatsächlich wieder mehr geboten, es gibt somit auch mehr Verführungen. Gedanklich und vielleicht auch ganz konkret. Wenn bei langjährigen Paaren die Sexualität eingeschlafen ist, können diese optischen Reize auch zum vertieften Nachdenken über die eigene Beziehung und zur Unzufriedenheit führen.

Auch die hormonellen Veränderungen im Frühling führen dazu, dass Frauen und Männer empfänglicher für die Reize des jeweils anderen Geschlechts sind. Da kann sich die Lust und der Sexualtrieb schon vergrößern.

Ist das vielleicht schon das ganze Geheimnis der Frühlingsgefühle?

BACKHAUS: So pauschal würde ich es nicht formulieren. Der Frühling und die erwachende Natur wecken auch Erinnerungen an die Kindheit und Jugend, an die Dinge, die früher schön waren, aber irgendwann im Hamsterrad des Alltags verlorengegangen sind. Die schönen Erinnerungen können in einen inneren Konflikt führen, weil man die aktuelle Situation mit der früheren vergleicht und vielleicht zu einem negativen Fazit kommt. Frühlingsgefühle müssen nicht immer positiv sein.

„Die ganze Welt ist wie verhext, Veronika der Spargel wächst“ sangen die „Comedian Harmonists“ über das Erwachen der Natur und Libido im Frühling. Ist die sexuelle Lust in der warmen Jahreszeit wirklich größer als in der kalten?

BACKHAUS: Das könnte schon sein, zum Beispiel wegen der optischen Reize. Aber auch, weil die Leute mehr Sport an der frischen Luft treiben und sich danach besser, vitaler fühlen. Sport hebt die Stimmung, und wenn man gut drauf ist, steigt auch das Selbstbewusstsein. Grüblerische Gedanken, die vielleicht im Winter noch das Flirten verhinderten, können dadurch verschwinden.

Zur Person Aus der freien Wirtschaft ins eigene Institut

Christine Backhaus, 53 Jahre alt, wurde in Arnstadt geboren, wuchs in Mühlhausen auf und machte dort auch ihr Abitur. Sie wollte zunächst Ärztin werden, nach dem Mauerfall studierte sie dann aber Psychologie an der Universität in Oldenburg und machte dort auch ihr Diplom.

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Die Gesellschaft erscheint sehr sexualisiert, in den Medien und der Werbung werden die Menschen ständig mit Sexualität konfrontiert. Welche Auswirkungen hat das?

BACKHAUS: Möglicherweise steigt dadurch das gesamtgesellschaftliche Anspruchsniveau, also die allgemeine Vorstellung davon, was normal sein sollte. Das kann den Menschen so nahe gehen, dass sie am Ende gar nicht mehr wissen, was sie wirklich selbst brauchen und was ihnen als Anspruch vorgesetzt wird. Es gibt bestimmt viele Menschen, die irritiert oder unzufrieden sind – und es ohne die öffentliche Dauerberieselung mit Sexualität nicht wären.

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