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Kolumne: Die Woche im Römer: Ungeliebte Kandidatin

Von Anders als Feldmann, könnte die schwarze OB-Anwärterin Bernadette Weyland an der Rathausspitze versuchen, eigene politische Vorstellungen durchzusetzen. Klar, dass das nicht jedem CDU-ler schmeckt.
Bernadette Weyland bei ihrer Rede in der Unionhalle. Foto: Rainer Rüffer Bernadette Weyland bei ihrer Rede in der Unionhalle.

Was für eine Überraschung! In dieser Woche postete der CDU-Kreisvorsitzende und Baudezernent Jan Schneider auf Facebook, dass er am 25. Februar die Oberbürgermeisterkandidatin seiner Partei, Bernadette Weyland, wählen werde. Das musste einmal gesagt werden, weil es nicht selbstverständlich ist. Noch im November hatte Schneider nämlich einen Parteitag abgehalten, der keineswegs die CDU-Oberbürgermeisterkandidatin in den Mittelpunkt stellte. Nein, der Parteitag beschäftigte sich mit der Digitalisierung. Die findet weltweit auch ohne Zutun der Frankfurter CDU statt. Die SPD dagegen gestaltete ihren Parteitag als ergreifende Krönungsmesse für ihren amtierenden Oberbürgermeister Peter Feldmann.

Thomas Remlein Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Thomas Remlein

Auch die anderen CDU-Magistratsmitglieder wollen sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, plötzlich unter einer Oberbürgermeisterin Weyland zu arbeiten. Sie denken: Wie ist’s in Frankfurt doch vordem mit Feldmännchen ach so bequem! Parteigrenzen verhindern, dass sich Feldmann in die Arbeit des Bürgermeisters und Kämmerers Uwe Becker, der Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld, des Baudezernenten Schneider und des Ordnungsdezernenten Markus Frank (alle CDU) einmischt. Bürgermeister Becker ist zudem Chef der CDU-Magistratsgruppe. Den Titel ist er bei einer Oberbürgermeisterin Weyland los. Anders als der rote Peter versucht die schwarze Bernadette an der Rathausspitze möglicherweise sogar, eigene politische Vorstellungen durchzusetzen, und pfuscht den eigenen Dezernenten ins Handwerk. Im schlimmsten Fall könnte sie dem in der Kritik stehenden Ordnungsdezernenten Frank andere Zuständigkeiten zuweisen. Den CDU-Dezernenten ist es ein Greul, neue Aufgaben zu übernehmen. Das zeigte sich bereits bei den Koalitionsverhandlungen nach der Kommunalwahl 2016. Außer Schneider behielten die anderen ihre Aufgabengebiete. Becker ist nun seit mehr als zehn Jahren Kämmerer, Birkenfeld seit 2009 Sozialdezernentin, Frank wurden im gleichen Jahr Wirtschafts- und Sportdezernat übertragen, seit 2011 erweitert um das Ordnungsdezernat. Für die Stadtentwicklung muss diese Kontinuität kein Nachteil sein. Doch es gibt noch immer Stimmen in der Union, die es besser gefunden hätten, wenn Becker statt der Kämmerei das einflussreiche Planungsdezernat übernommen hätte.

Die Dezernenten Becker, Birkenfeld und Frank denken keineswegs in sentimentalen Erinnerungen an die Magistratssitzungen zurück, die Petra Roth als Oberbürgermeisterin leitete. Da wurde es auch mal laut. Vor allem Frank hat keine Lust, noch einmal den Stöckelschuh einer Frau im Nacken zu verspüren. Als er versuchte, den Steuerzahler zu entlasten und den FSV Frankfurt an den Kosten für den Bau des städtischen Stadions am Bornheimer Hang zu beteiligen, kam ihm Petra Roth ins Gehege. Auf solche Déjà-vu-Erlebnisse verzichtet Frank gerne. Die 60-jährige Weyland ist zudem für die nachdrängende Generation in einem ungünstigen Alter. Wird sie gewählt, könnte sie 2024 erneut antreten. Der nächste CDU-Oberbürgermeisterkandidat hätte dann erst 2030 eine Chance. Da ist Uwe Becker bereits 61 Jahre alt. Und auch Schneider müsste noch lange auf seine Chance warten. Es gehört zu den Höhepunkten im Leben eines Politikers, einen Konkurrenten des eigenen Lagers scheitern zu sehen und die eigene Laufbahn befördern zu können.

Ob Schneider am 25. Februar tatsächlich Weyland wählt? Niemand weiß es. Denn Wahlen sind frei, gleich, allgemein und vor allem: geheim.

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