E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Homburg 32°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Tourismus: Frankfurter OB-Kandidaten lassen Hoteliers abblitzen

Von OB Peter Feldmann (SPD) verweist auf bestehende Erfolge und seine Rolle als Macher. Herausforderin Bernadette Weyland (CDU) sieht keinen finanziellen Spielraum für eine Aufstockung. Der parteilose Volker Stein betrachtet die Tourismusabgabe zur Förderung des Stadtmarketing als falschen Weg, weil sich die Stadt aus der Verantwortung stehle. Janine Wissler (Linke) lehnt eine „aufgeblähte Tourismusförderung“ ab.
Italienische Touristen nehmen auf der Dachterrasse eines Cafés im Gegenlicht Selfies vor der Hochhauskulisse der Stadt auf. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Italienische Touristen nehmen auf der Dachterrasse eines Cafés im Gegenlicht Selfies vor der Hochhauskulisse der Stadt auf.
Frankfurt. 

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) will neue Wege beschreiten, um die Hotels in Frankfurt besser auszulasten. Dazu müssten Frankfurt und sein Umland als Reisedestination vermarktet werden. Basis könne das touristische Leitbild der Metropolregion Frankfurt-Rhein/Main sein. Von solchen Schritten verspricht er sich mehr als von einer pauschalen Erhöhung der städtischen Ausgaben für Tourismusförderung und Stadtmarketing. Auf Anfrage dieser Zeitung verweist der 59-Jährige auch darauf, dass die Übernachtungszahlen von 2006 auf 2016 bereits beträchtlich gestiegen seien: Von 3 auf mehr als 5 Millionen. Das sei auch ein Ergebnis dessen, dass er diese Bereiche zur Chefsache gemacht habe.

Damit reagiert Feldmann auf die Kritik des Vorsitzenden des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Frankfurt, Eduard Singer. Er hatte in einem Interview mit dieser Zeitung eine deutliche Aufstockung des Etats für Stadtmarketing gefordert: Von derzeit 3,5 Millionen Euro auf 12 bis 15 Millionen Euro – dies sei in vergleichbaren Großstädten üblich. Er bemängelte, dass die Oberbürgermeister-Kandidaten diesen wichtigen Wirtschaftszweig unbeachtet ließen. Das künftige Stadtoberhaupt müsse Stadtmarketing zur Chefsache machen, schließlich leisteten Hotels und Gaststätten einen wichtigen Beitrag für Frankfurts Attraktivität und seien wichtige und verlässliche Steuerzahler.

Weyland setzt auf Abgabe

Das sieht Bernadette Weyland auch so. Sie werde das Stadtmarketing daher selbst in die Hand nehmen, so wie es Petra Roth als Oberbürgermeisterin schon bis 2012 mit großem Erfolg getan habe. Es dürfe nicht vergessen werden, dass ausgelastete Hotels gut für den Einzelhandel seien und zusätzliche Einnahmen für die Kultureinrichtungen und Gastronomiebetriebe bedeuteten, sagte die CDU-Oberbürgermeister-Kandidatin im Gespräch mit dieser Zeitung. Allerdings sehe sie bei der gegenwärtigen Haushaltslage keinen weiteren Spielraum für eine deutliche Erhöhung der Zuschüsse an die Tourismus + Congress GmbH (TCF) oder sonstiger Marketingausgaben. Weyland setzt derweil auf die neue Tourismusabgabe, die zum 1. Januar 2018 kommt. Diese werde geschätzt 3,7 Millionen Euro einbringen und in erster Linie für Stadtmarketing verwendet werden.

Ein Abschieben von Steuern und Gebühren auf Frankfurt-Besucher sei der falsche Weg, kritisiert dagegen der unabhängige Bewerber Volker Stein. Die Tourismusabgabe ziehe hohen Verwaltungsaufwand durch mehr Personal bei der Stadt und zusätzliche Arbeit in den Beherbergungsunternehmen durch Dokumentationspflichten nach sich. Im Gegensatz zu anderen Kommunen müsse beispielsweise in Frankfurt bei einem Geschäftsreisenden die Bescheinigung des Arbeitgebers vorgelegt werden, um sich von der Abgabe zu befreien: „Wer soll die Seriosität eines solchen Dokuments prüfen?“ Daher fordert der ehemalige Ordnungsdezernent eine „moderate Erhöhung“ der Beträge für Stadtmarketing aus dem städtischen Haushalt. Ebenso wichtig sei jedoch, dass Tourismus im Römer als wichtig erkannt werde. OB Feldmann habe dessen Bedeutung für die Stadt jedenfalls nicht erkannt, sagte Stein.

„Dehoga soll was tun“

Die OB-Kandidatin der Linken, Janine Wissler, lehnt eine „aufgeblähte Förderung“ der Tourismusbranche ab. Das sei ein falsches Signal in Zeiten, da der Kämmerer die freiwilligen Leistungen für Vereine und Verbände kürzen wolle und es in den Schulen an allen Ecken und Enden fehle. Wenn die Dehoga die Hotels besser auslasten wolle, solle sie das Geld fürs Marketing doch selbst in die Hand nehmen. Deren Vorsitzendem Singer hält sie vor, er spiele Tourismus und Kultur gegeneinander aus. Dabei profitierten die Hotels vom „hochwertigen Kulturangebot“ in Frankfurt, sagte Wissler. Singer hatte die Diskrepanz in der Förderung der beiden Bereiche kritisiert: Der städtische Kulturetat liegt bei 120 Millionen Euro.

Die Kulturausgaben in Frankfurt seien „mit weitem Abstand die höchsten aller Kommunen bundesweit“, bekräftigt Bernadette Weyland. Und das aus gutem Grund. Sie trügen sehr viel zum positiven Image der Stadt bei – ebenso wie große Sportevents wie der Frankfurt Marathon oder der City Triathlon: „Fiskalisch gesehen sind dies auch Marketingausgaben.“ Jedoch hält es die CDU-Politikerin für dringend erforderlich, ein Konzept für das Stadtmarketing zu entwickeln, das der Magistrat beschließt und das die Basis für das gemeinsame Handeln ist.

Frankfurt auf Platz 4

Dies sei überflüssig, sagt der amtierende Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Ein solches Konzept gebe es. Außerdem seien Tourismusförderung und Stadtmarketing längst Chefsache. Die TCF zähle zu seinem direkten Verantwortungsbereich, „weil ich mir der Bedeutung der Tourismusgesellschaft für die Attraktivität unserer Stadt als Tourismus- und Kongressdestination bewusst bin“. Daher sei der städtische Zuschuss im Haushalt 2018 von zwischenzeitlich 2,3 schon auf 3,5 Millionen Euro erhöht worden.

Die finanzielle Ausstattung der Gesellschaft sei allerdings nicht das einzige Qualitätskriterium und nicht der „absolute Garant für Erfolg“. Vielmehr sei es die gelungene Zusammenarbeit der Stadt mit der TCF, die „eine solide Basis für erfolgreiches Marketing“ geschaffen habe. Das erkenne man daran, dass Frankfurt bundesweit bei den Übernachtungszahlen auf Platz 4 geführt werde, obwohl es acht Großstädte gebe, die höhere Zuschüsse erhielten. Auf die Konzepte und das Zusammenspiel der Akteure komme es an, nicht so sehr darauf, wie viele Millionen ausgegeben werden, so Feldmann.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen