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ÖPNV: Fünf Städte testen Gratis-Nahverkehr (aber Frankfurt nicht)

In fünf deutschen Städten soll getestet werden, ob kostenloser Nahverkehr die Zahl privater Autos auf den Straßen reduziert. Frankfurt ist bei dem von der Bundesregierung angekündigten Modellversuch nicht dabei. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) fände Gratistickets aber eine tolle Sache.
Stau in der Friedberger Landstraße: Würden Autofahrer auf die Tram umsteigen, wenn sie dafür nichts bezahlen müssten? Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Stau in der Friedberger Landstraße: Würden Autofahrer auf die Tram umsteigen, wenn sie dafür nichts bezahlen müssten?
Frankfurt. 

Deutschland steht unter Druck. Weil die Grenzwerte für Stickstoffdioxid in zahlreichen Städten, darunter auch Frankfurt, weiterhin überschritten werden, muss die Bundesregierung der EU-Kommission Gegenmaßnahmen vorschlagen. Darunter ist auch eine ungewöhnliche Idee: In fünf Städten – Bonn, Essen, Mannheim, Reutlingen und Herrenberg (Baden-Württemberg) – soll getestet werden, ob sich die Zahl der Autos reduzieren lässt, wenn Busse und Bahnen für Fahrgäste kostenlos sind. Das geht aus einem von den Ministern Barbara Hendricks (Umwelt, SPD), Christian Schmidt (Verkehr, CSU) und Peter Altmaier (Finanzen, CDU) unterzeichneten Papier hervor, das der Deutschen-Presseagentur vorliegt. Nach welchen Kriterien die Städte ausgewählt wurden, ist nicht bekannt. Vom Umweltministerium war bisher keine Stellungnahme zu erhalten.

Fahrkarten des RMV. Foto: Arne Dedert/Archiv
Bahnen und Busse RMV: Kostenloser Nahverkehr extrem teuer

Kostenlose Busse und Bahnen würden sich wohl viele Hessen wünschen, allerdings wäre kostenloser Nahverkehr auch im Rhein-Main-Gebiet extrem teuer.

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Klar ist nur: Frankfurt gehört nicht zu den Städten, in denen der Nulltarif ausprobiert wird. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) fände es aber „toll, wenn uns das der Bund finanzieren würde“. Sie warnte aber, dass der Bund bei Maßnahmen, die aus dem Milliarden-Paket zur Luftreinhaltung finanziert werden, immer eine Beteiligung der Städte erwarte.

Kapazitäten reichen nicht

Beim Treffen von Vertretern der Städte mit Verkehrsminister Schmidt in der vergangenen Woche sei der kostenlose Nahverkehr kein Thema gewesen, berichtete Heilig. Sie habe aber vorgeschlagen, aus dem Milliardentopf ein 365-Euro-Ticket in Frankfurt zu finanzieren, wie es derzeit die grüne Oberbürgermeister-Kandidatin Nargess Eskandari-Grünberg propagiert. Schmidt habe zumindest versprochen, die Idee zu prüfen.

Einen für Fahrgäste kostenlosen Nahverkehr hat die OB-Kandidatin der Linken, Janine Wissler, als Ziel im Programm. Dabei geht es um viel Geld: Die städtische Verkehrsgesellschaft VGF nahme allein für U- und Straßenbahn im Jahr 2016 rund 164 Millionen Euro aus dem Ticketverkauf ein. Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), verweist darauf, dass einer Steigerung der Fahrgastzahlen wegen der limitierten Infrastruktur Grenzen gesetzt seien. „Schon heute haben wir auf den Strecken nach Frankfurt phasenweise die höchste Auslastung in ganz Deutschland.“

Fahrkarten des RMV. Foto: Arne Dedert/Archiv
Verkehrsminister Minister Al-Wazir: Vorstoß zu Nahverkehr nicht durchdacht

Der Nahverkehr in deutschen Städten kann nach Einschätzung von Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nicht kostenlos und attraktiv gleichzeitig sein.

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„Der Druck ist groß“

In Frankfurt wurde im vergangenen Jahr der Grenzwert für Stickstoffdioxid in der Friedberger Landstraße erneut überschritten. Der Straßenabschnitt im dicht besiedelten Nordend gehört zwar nicht zu den am stärksten belasteten in Deutschland. „Der Handlungsdruck ist trotzdem groß“, sagt Heilig. Im schlimmsten Fall droht ein Diesel-Fahrverbot, das die Dezernentin vermeiden will.

(dpa , mu)

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