E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Homburg 22°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Die Woche im Römer: OB-Wahl: Kein Wahlkampf ist auch keine Lösung

Amtsinhaber wollen meistens so wenig Wahlkampf wie möglich. Aber vorsicht: Nicht alles, was politisch bis Weihnachten geschieht, ist im neuen Jahr vergessen. Oder?
Zehn Kandidaten würden gerne als Bürgermeister im Römer einziehen. (Symbolbild) Zehn Kandidaten würden gerne als Bürgermeister im Römer einziehen. (Symbolbild)
Frankfurt. 

Wahltage sind Tage, an denen alte Geschichten als Märchen enttarnt werden. Viele, viel zu viele Jahre hat die Frankfurter CDU die Bedeutung der ehemaligen Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach im Frankfurter Bundestagswahlkreis 183 hervorgehoben. Das verhinderte, dass dort früher ein besserer Kandidat von der CDU nominiert werden konnte. Noch nicht einmal bei der Wahl 2013 geschah das. Bei der Nominierung setzte sich die damals 69-Jährige Steinbach gegen Thomas Dürbeck und Ulf Homeyer durch. Im Januar 2017 verließ die Hardlinerin die CDU zum für ihre Partei schädlichsten Zeitpunkt – und machte Wahlwerbung für die AfD.

Thomas Remlein Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Thomas Remlein

Am vergangenen Sonntag hat die 50-jährige Bettina Wiesmann als Neuling den Wahlkreis für die CDU gewonnen. Einfach so. Nein, leicht war das natürlich nicht. Wiesmann hat, so bekunden es Beobachter, einen engagierten Wahlkampf geführt.

Leichter genommen hat dagegen der amtierende CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer den Wahlkampf. Der 56-jährige Professor für Politikwissenschaft setzte auf seinen Amtsbonus und vertraute darauf, von einer Merkel-Welle in den Bundestag getragen zu werden. Dabei wäre er beinahe (politisch) ertrunken. Denn sein Kontrahent, der SPD-Bewerber Oliver Strank, lieferte sich mit Zimmer bei der Stimmenauszählung zeitweise ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Strank übertraf das Ergebnis der SPD um sensationelle 6,2 Prozent. Kein Wunder, sondern harte Arbeit: Strank ließ sich ab Mai beurlauben und absolvierte einen Turbo-Wahlkampf.

Während des Wahlabends wirkte Zimmer angespannt wie selten. Die Fotos in den Frankfurter Zeitungen zeigten anderntags trotz des spät eingefahrenen Sieges einen ziemlich derangierten Bundestagsabgeordneten. Das veranlasste Parteifreunde zu der Bemerkung: „Hätte Zimmer während des Wahlkampfs mehr geschwitzt, hätte er am Wahlabend nicht so schwitzen müssen.“ Kein Wahlkampf ist eben auch keine Lösung.

Amtsinhaber wollen meistens so wenig Wahlkampf wie möglich. Das ist beim Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nicht anders. Die OB-Wahl 2018 terminierte er so früh wie möglich auf den 25. Februar. Noch lieber wäre ihm Mitte Januar gewesen. Erfahrene Wahlkämpfer wissen: Alles, was politisch bis Weihnachten geschieht, ist im neuen Jahr vergessen. Und bis Fastnachtsdienstag, 13. Februar, regieren die Narren und machen Politik überflüssig.

Die CDU-Oberbürgermeisterkandidatin Bernadette Weyland, die sich in ihrem Wahlkampf bereits „O Bernadette“ nennt, weiß das. Deshalb hat sie bereits zwei Tage nach der Bundestagswahl in dieser Woche ihren Wahlkampf eröffnet. O Bernadette! Wo doch schon das Sprichwort sagt: „Der Vogel, der zu früh singt, den frisst die Katze.“ Oder es holt ihn der Feldmann.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen