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So viel Europa steckt in Frankfurt

Von Morgen wird gewählt. Da heißt es, seine Stimme für die mittlerweile achte Direktwahl des Europäischen Parlaments abzugeben. Doch wie viel Europa steckt in Frankfurt?
Die Fahnen ihrer europäischen Herkunftsländer immer im Blick: In der Europäischen Schule werden Kinder, deren Eltern in Einrichtungen der europäischen Gemeinschaft wie der Europäischen Zentralbank arbeiten, unterrichtet.	Fotos: dpa Bilder > Die Fahnen ihrer europäischen Herkunftsländer immer im Blick: In der Europäischen Schule werden Kinder, deren Eltern in Einrichtungen der europäischen Gemeinschaft wie der Europäischen Zentralbank arbeiten, unterrichtet. Fotos: dpa
Frankfurt. 

Stehen nur die Europäische Zentralbank, die Europäische Schule, die Euro-Skulptur am Willy-Brandt-Platz und die Europabrücke für den europäischen Gedanken? Wir haben uns auf die Suche nach einigen der 131 841 Frankfurter Bürger gemacht, die aus einem der 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union stammen. Sie erzählen uns ihre persönliche Geschichte und was sie letztlich in die Mainmetropole verschlagen hat. Und davon, woran sie ausmachen, dass Frankfurt viel mehr zu bieten hat als die Gebäude, Institutionen und Stadtteile, die das Wort „Europa“ in sich tragen.

Europäische Zentralbank, Europaviertel, Europabrücke, Europa-Allee, Euro-Skulptur, Europäische Schule und ab kommender Woche gibt es auch noch das Kongresszentrum „Kap Europa“: Überall taucht in Frankfurt der europäische Gedanke auf, der am Sonntag wieder zur Wahl des achten Europäischen Parlaments gefragt ist. Aber auch der Italiener oder Grieche um die Ecke, der seine Speisen und Getränke aus der Heimat anbietet, trägt mit dazu bei, dass Frankfurt, mitten in Europa gelegen, sich durchaus als europäische Stadt bezeichnen kann. Ebenso dazu gehören aber auch die 131 841 Frankfurter Bürger, die ursprünglich aus einem der 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) kommen und aus ganz unterschiedlichen Gründen den Weg in die Mainmetropole gefunden haben.

Etwa wie Péter Friss, Direktor der Europäischen Schule: Der Ungar leitet seit acht Jahren die Einrichtung und lebt ebenso lange in der hessischen Großstadt. Für ihn wird der europäische Gedanke in seiner Schule gelebt. „Europa ist bei uns Alltag und keine Parole“, sagt der 60-Jährige. „Durch die unterschiedlichen Sprachen und Kulturen, das gemeinsame Lernen und Miteinander leben wir Tag für Tag den europäischen Gedanken.“

Für Isabel del Olmo macht sich Europa besonders in der S-Bahn bemerkbar. „Da wird kaum noch Deutsch gesprochen“, sagt die 60-Jährige, die eine von 740 in Frankfurt lebenden Spaniern ist. Die Liebe zu ihrem deutschen Mann hat sie von Madrid an den Main gebracht. Gemeinsam leben sie im Westend und betreiben die Weinhandlung „La Vineria“ am Kaiserleikreisel, die nur spanische Tropfen in ihrem Sortiment hat. „Frankfurt ist eine total offene Stadt mit Flair, die den Bewohnern einfach alles bietet“, lobt del Olmo. Besonders gefällt ihr, dass sich die Menschen hier im Gegensatz zu Spanien nicht gleich duzen, sondern erst, „wenn sie einen Menschen ins Herz geschlossen haben“. Das sei viel ehrlicher. Dennoch sind del Olmo ihre Wurzeln wichtig. „Spanien, da komme ich her, das ist meine Identität.“

Die neue Europäische Zentralbank ist für Luigi Brillante das Frankfurter Symbol überhaupt. Aber auch die Menschen aus der Fremde gehören für den Stadtverordneten der ELF Piraten dazu, ebenso die Restaurants mit ihren europäischen Gerichten und Getränken. Der 55-Jährige kommt aus Italien und zählt somit zu den 13 711 Italienern am Main. „Ich liebe Frankfurt“, schwärmt Brillante. „Denn wie sagte Cicero schon: ,Heimat ist dort, wo es einem gut geht.‘“ Hier engagiere er sich gerne für seine Stadt in der Kommunalpolitik. „Das ist auch ein Zeichen von Europa – wir können uns politisch beteiligen.“

Während die Italiener die größten Gruppe der Europäer in Frankfurt ausmachen, sind die 460 Schweden eine Minderheit. Dazu gehört DJ Nils Diezel. Der 20-Jährige lebt seit 1989 in der Mainmetropole, die für ihn „sehr europäisch“ ist. Bedeutsam findet er: „Man kann sich hier gut integrieren und wird aufgenommen.“

Das sieht der Grieche Jannis Kaklamanos ähnlich. Der 33-Jährige lebt seit 2003 in Frankfurt und betreibt das „Blaue Haus“ in Niederrad. Die Liebe zu seiner Freundin hat ihn an den Main geführt. Auch für ihn ist Frankfurt „sehr europäisch“. „Wir sind das Finanzzentrum Europas, das jedem bekannt ist.“

Evanthia Triantafillidou kam vor 34 Jahren nach Frankfurt. Die 54-jährige Griechin, die für die Grünen im Stadtparlament sitzt, findet hier „die große weite Welt“ mit vielen Banken und dem Großflughafen. „Aber das Kleine, das die Stadt so lebenswert macht, das gibt es in den Stadtteilen. Da fühlt man sich heimisch.“ Und sie sagt: „Ich bin hier stark verwurzelt und das habe ich mir alles selbst erarbeitet.“ Sie will dazugehören und mitgestalten – was sie dank Europa kann.
 

Die letzten Informationen zur Europawahl am morgigen Sonntag

Am Sonntag ist es so weit: Dann können die Europäer wieder an die Urnen treten und ihre Stimme zur achten Wahl des Europäischen Parlaments in Brüssel abgeben.

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