E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Homburg 21°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse
4 Kommentare

Tödliche Unfälle: Warum ist Frankfurt für Radfahrer so gefährlich?

Von Mit zwei Toten und einem Schwerverletzten innerhalb von drei Wochen steuert die Stadt auf eine traurige Jahresbilanz zu. Verkehrsexperten nennen Fahrfehler und ungenügende Infrastruktur als Gründe.
Das Mahnmal erinnert an den tödlichen Unfall einer damals 50-jährige Radlerin am 1. August 2015 in der Gutleutstraße. Ein Lastwagenfahrer soll die Frau übersehen und dann überrollt haben. Sie starb an ihren schweren Kopfverletzungen. Foto: Michael Faust Das Mahnmal erinnert an den tödlichen Unfall einer damals 50-jährige Radlerin am 1. August 2015 in der Gutleutstraße. Ein Lastwagenfahrer soll die Frau übersehen und dann überrollt haben. Sie starb an ihren schweren Kopfverletzungen.

Der blaue Sichtschutz der Feuerwehr und abgesperrte Straßen gehörten in den vergangenen Wochen regelmäßig zum Stadtbild. So auch am Dienstagabend. Gegen 18.30 Uhr wollte eine 28 Jahre alte Radfahrerin die Gleise am Bahnhof Louisa überqueren. Dabei übersah sie die Straßenbahn Linie 14. Sie starb noch an der Unfallstelle.

Ein erst 12 Jahre alter Junge hatte nur einen Tag zuvor mehr Glück. Er überlebte die Kollision mit einem Lastwagen, dessen Fahrer das Kind beim Abbiegen übersehen hatte.

Foto: Google Maps
Karte Wo Frankfurt für Radfahrer gefährlich ist

Wir haben die Frankfurter gefragt, an welchen Stellen in der Stadt das Radfahren besonders gefährlich ist. Hier sind ihre Antworten.

clearing

Die Gründe für die vielen Fahrradunfälle – erst am 3. August starb ein Mann (60) in der Kurt-Schumacher-Straße – sind für Experten schnell ausgemacht: die schlechte Fahrrad-Infrastruktur, aber auch ein zu sorgloser Umgang der Radler mit dem Straßenverkehr. In diesem Jahr ganz besonders. Laut Polizeistatistik gab es bis Juni bereits 518 Fahrradunfälle. Das sind statistisch knapp drei pro Tag. 53 Personen wurden dabei schwer verletzt. Bereits jetzt starben vier Radfahrer. Das ist einer mehr als im gesamten vergangenen Jahr.

Gefährliches Pflaster

Die Mainmetropole ist ein gefährliches Pflaster. „Die Verkehrsinfrastruktur ist nicht für Radfahrer gebaut“, sagt Falko Görres. Er ist der Organisator vom „Ride of Silence“ (deutsch: Fahrt der Stille). Eine Initiative, die mit einer gemeinsamen Tour durch die Stadt, im Straßenverkehr verstorbenen Radfahrern gedenkt und weiße Räder, sogenannte Geisterräder, an jenen Orten aufstellt, an denen es ein Opfer zu beklagen gibt.

„Fahrradwege“, so Görres, „werden unregelmäßig und nachträglich irgendwie in den Autoverkehr eingebaut.“ Häufig würden diese dann plötzlich auf einer zweispurigen Straße enden, die schon für die Autos zu eng sei.

Exklusive Orte, wie die Goethestraße, eine ausgewiesene Fahrradstraße, gebe es indes nur wenige in Frankfurt. Da gebe es allerdings das Problem, dass viele Autofahrer von ihrer besonderen Funktion nichts wüssten.

Info: Das müssen Sie als Radfahrer beachten

Wir haben Susanne Neumann, Pressesprecherin des Allgemeinen Fahrrad-Clubs (ADFC) Frankfurt gefragt, wie man auf dem Rad sicher durch die Stadt kommt:

clearing

Hinzu kommt eine oftmals mangelhafte Qualität der Wege. „Oft sind die Fahrradwege grottenschlecht“, sagt Susanne Neumann, Pressesprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Frankfurts. Und auch die vorhandene Infrastruktur überzeugt Neumann nicht. Weniger routinierten Fahrern empfiehlt der Radverein sogar, bestimmte Straßen zu meiden – trotz vorhandenem Radweg. Zum Beispiel die Mainzer Landstraße, hier sei eine fahrradfreundliche Routenführung halbherzig umgesetzt worden. Vor allem, weil der Radweg räumlich nicht von der Autostraße getrennt ist. „Einen großen Teil kann ich auch auf der wesentlich ruhigeren Frankenallee zurücklegen“, erklärt Neumann.

Ein Junge ist mit einem seinem Fahrrad am frühen Abend des 27.06.2018 in der Wetterauer Straße in Bad Homburg von einem SUV erfasst und schwerst verletzt worden. Nach ersten Erkenntnissen war er zuvor aus einem Bus gestiegen und wollte vor diesem die Fahrbahn queren. Dabei wurde er von dem Auto erfasst.
Hessen Vier tödliche Fahrradunfälle in drei Wochen - davon zwei ...

Innerhalb von knapp drei Wochen sind in Hessen vier Fahrradfahrer bei Unfällen ums Leben gekommen, zwei davon in Frankfurt.

clearing

Ein abgegrenzter Radweg, der von Autos nicht befahren werden könne, sei wünschenswerter, findet auch Görres.

Ein Wunsch, der sich wohl nicht erfüllen lasse, sagt der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). „Die Frankfurter Verkehrsstruktur erlaubt das nicht“, so Oesterling. „Wir sind keine Residenzstadt mit so breiten Straßen.“ Würde man so etwas umsetzen, müsse man auf „ganz viele Autoparkplätze“ verzichten, so der Verkehrsdezernent. Neben den Widrigkeiten der Infrastruktur kommt noch ein anderes Problem hinzu.

Saisonradler leben gefährlich

Gerade im Sommer seien viele Radler in der Stadt unterwegs, die entweder sehr unsicher fahren würden oder wenig auf Verkehrsregeln geben, sagt Neumann. „Natürlich darf ich nicht einfach sagen: Ich fahre, wie ich will. Dass man sich an die Straßenverkehrsordnung hält, ist selbstverständlich. Dazu gehört der Schulterblick beim Abbiegen – oder, dass man nicht entgegen der Fahrtrichtung fährt.“

Info: Oesterling wartet Untersuchungsergebnisse der ...

Der tödliche Fahrradunfall in der Kurt-Schumacher-Straße beschäftigte in dieser Woche auch den Verkehrsausschuss des Stadtparlaments. „Es wäre eine gute Idee, die Straßen an dieser Stelle einspurig

clearing

Allerdings gebe es gerade in den wärmeren Jahreszeiten Fahrradfahrer, die sich irgendwie durch die Stadt bewegen würden.

Falko Görres hat den Eindruck, dass die Zahl der regelmäßigen Radfahrer in den vergangenen drei Jahren in Frankfurt gestiegen ist. Eine Einschätzung, die die Stadt nicht teilt. Denn genaue Zahlen, wie viele Menschen durch Frankfurt radeln, gibt es nicht. Nur eine statistische Annäherung. 14 Prozent aller Wege in der Stadt werden mit dem Rad zurückgelegt, sagt Oesterling. Alle zwei Jahre führe man diesbezüglich eine repräsentative Umfrage durch. Zum Vergleich: In der hessischen Residenzstadt Wiesbaden sind es nur sechs Prozent.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen