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Geräusche stören Nachtruhe: Wenn der Spargel brummt und surrt

Von Seit drei Monaten brummt es am Fuße des Ginnheimer Spargels, das Geräusch raubt einigen Anwohnern den Schlaf. Die Deutsche Telekom AG, Eigentümerin des Funkturms, hat für das Dauergeräusch keine Erklärung. Jetzt schalten sich die Ortsbeiräte 2 und 9 ein.
55 Dezibel zeigt das Handy an – den von Soric gemessenen Höchstwert. Foto: Salome Roessler 55 Dezibel zeigt das Handy an – den von Soric gemessenen Höchstwert.
Bockenheim. 

Doris Soric weiß noch genau, wann sie das Brummen und Surren das erste Mal wahrgenommen hat. Am späten Abend des 24. August hörte sie es in ihrer Wohnung in der Raimundstraße 116. Nicht ab und zu, sondern dauerhaft drang es in ihre Ohren. Und ist bis heute nicht verschwunden. „Dieses Geräusch raubt nicht nur mir die Nachtruhe, auch andere Ginnheimer sind genervt“, sagt sie. Seit drei Monaten ist sie jetzt aktiv auf der Suche nach der Lärmquelle. „Wie ein Wolf“ sei sie nachts durch die Straßen gelaufen, bis sie plötzlich am Fuß des Ginnheimer Spargels stand. „An den Außenwänden der Technikräume gibt es große Lüftungsschlitze, aus denen die von mir gehörten Geräusche dringen. Dauerhaft“, sagt sie.

Mehr als heiße Luft wird aus den Schlitzen der Technikräume geblasen, heraus dringt auch ein brummendes Geräusch. Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Mehr als heiße Luft wird aus den Schlitzen der Technikräume geblasen, heraus dringt auch ein brummendes Geräusch.

Längst hat Doris Soric auf ihrem Handy ein Messprogramm installiert, 55 Dezibel war der von ihr höchste gemessene Wert. „Dabei stand ich noch nicht einmal direkt vor den Schlitzen, sondern auf der anderen Straßenseite“, sagt sie. 55 Dezibel, das entspricht der Lautstärke eines normalen Gespräches. „Das klingt vielleicht wenig, aber es wird als Schall bis in mein Schlafzimmer getragen und macht es für mich zu einem unerträglichen Geräusch“, erklärt Soric.

Das gilt auch für Sylvia Momsen (Grüne), Mitglied im Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim), die nur wenige Meter weiter in der Paquetstraße wohnt. „In meinem Schlafzimmer brummt es ebenfalls“, sagt sie. Und auch von den Mitarbeitern des Kinderzirkus Zarakali an der Platenstraße habe es bereits Beschwerden gegeben, berichtete sie in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates, in der einstimmig ein Antrag verabschiedet wurde, der die Frage klären soll: „Warum brummt der Ginnheimer Spargel?“

Bei der Deutschen Funkturm, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, der Eigentümerin des Europaturms, erhält man auf diese Frage keine konkrete Antwort. Für das dauerhaft vernommene Brummen seit Ende August habe man keine Erklärung, sagt Sprecher Christian Fischer. „Aber man ist im Sommer öfter draußen oder hat das Fenster eher geöffnet“, könne er sich dies nur so erklären.

Steigende Temperaturen

Doris Soric und Axel Kaufmann suchen die Lärmquelle. Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Doris Soric und Axel Kaufmann suchen die Lärmquelle.

Dass der Ginnheimer Spargel, oder besser gesagt, die Klimaanlage brummende und surrende Geräusche von sich gebe, habe hingegen „eine ganz einfache Erklärung“: Sogenannte Lasttests, die außerhalb von Geschäfts- und Hauptstoßzeiten in sehr unregelmäßigen Abständen durchgeführt würden. Dabei würden sensible technische Geräte einer höheren Belastung ausgesetzt, um die Zuverlässigkeit zu überprüfen. „Als Folge der Tests steigen die Temperaturen der Geräte, und die erhöhte Abwärme wird ein Fall für Klimageräte, die kurz etwas mehr arbeiten müssen und dabei auch mal ein brummendes Geräusch von sich geben können“, erklärt Fischer.

Für Soric bedeuten diese Ausführungen zunächst eins: „Wir haben uns alle nicht geirrt, es gibt diese Geräusche, und sie scheinen tatsächlich vom Spargel zu kommen. Zumindest wurde eingeräumt, dass er brummt“, ist für sie das Thema aber trotzdem nicht erledigt, bis die Geräuschquelle gefunden wurde. „Die Lösung wäre eigentlich, diese Klimaanlage einmal für ein paar Minuten abzustellen. Wenn es dann nicht mehr brummt, ist alles klar“, sagt die Anwohnerin, die jetzt auch noch Axel Kaufmann ins Boot geholt hat. Schließlich ist der Vorsteher des Ortsbeirats 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) für den Spargel zuständig, steht er doch auf Bockenheimer Gemarkung. „Sinnvoll wird wohl eher sein, dass wir uns nächtens einmal hier treffen“, schlägt er Soric vor. Zudem will er das Problem mit seinen Kollegen aus dem Ortsbeirat besprechen.

Lärmexpertin geworden

Doris Soric ist für all diese Unterstützung mehr als dankbar. „Ich bin zwar eine Kämpferin, aber alleine komme ich nicht mehr voran“, sagt sie. Dabei ist sie mittlerweile eine echte Lärmexpertin – spätestens seit sie sich wegen des Brummens an das Regierungspräsidium Darmstadt gewandt hat. „Mit einem kleinen Messgerät haben sie sich aus meinem geöffneten Schlafzimmerfenster gehängt und gesagt, dass sie nichts unternehmen können, weil es nicht laut genug ist“, berichtet sie.

Auch mit einer Architektin aus ihrem Freundeskreis habe sie bereits über das Brummen gesprochen. „Die Rosa-Luxemburg-Straße und die Häuser leiten das Geräusch als Schall weiter, deswegen kann ich es bei mir überhaupt wahrnehmen. Ich will doch nicht wirklich viel. Ich will nur, dass meine Abende endlich wieder ruhig werden“, sagt sie.

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