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Abschied aus einer anderen Welt

Am kommenden Freitag endet für Ihre Lieblichkeit Carolin I. – etwas früher als zu Amtsbeginn gedacht –– ihre Regentschaft als Königsteiner Burgfräulein. Mit der TZ sprach sie über das, was sie alles erlebt hat, und warum sie bald ihre schützende Hand über Olivenbäume hält.
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Carolin, durch das ferienbedingte Vorverlegen des Burgfestes endet Deine Amtszeit bereits nach elf Monaten. Bist Du enttäuscht, dass Du im Unterschied zu Deinen Vorgängerinnen das Amtsjahr nicht komplett absolvieren kannst?

CAROLIN I.: Überhaupt nicht. Ich hatte elf wundervolle Monate, habe so viel erlebt und so viel Spaß gehabt – daran kann ein Monat mehr oder weniger nichts ändern. Ich glaube, ich habe von allem so viel mitbekommen, dass es problemlos für ein ganzes Jahr reicht. Das gilt leider auch für den Regen.

Da Du es ansprichst, der große Umzug und der Frühschoppen an „Deinem“ Burgfest verliefen alles andere als nach Wunsch. So viel Regen hat es bei einem Burgfestumzug schon lange nicht mehr gegeben. Wie wirst Du „Dein“ Fest und „Deinen“ Umzug in Erinnerung behalten – als Schlag ins Wasser oder als feuchtfröhliches Vergnügen?

CAROLIN I. (lacht): Ganz sicher als Vergnügen. Es war für mich und meinen Hofstaat etwas ganz Besonderes. Auch wenn die Rahmenbedingungen gerade beim Umzug natürlich hätten besser sein können. Zu Beginn war die Stimmung da auch etwas gedrückt. Alle hatten sich für den Jubiläumszug doch so viel Mühe gegeben. Mein Vater hatte meinen Wagen zum Glück teilweise überdacht und so wurde ich nicht ganz so nass. Aber viele Kostüme mussten unter Plastik-Capes versteckt werden. Auch die schönen Wagen kamen kaum zur Geltung. Aber da war dann mit einem Mal auch eine „Jetzt-erst-recht“-Stimmung, die alle mitgerissen hat – gerade auch das Publikum. Ich hätte nie gedacht, dass sich bei dem Wetter so viele Leute am Straßenrand einfinden würden. Das hatte den Regen vergessen lassen.

Apropos vergessen! Was wirst Du – abgesehen vom Regen – vermutlich nie vergessen, wenn Du in einigen Jahren auf Deine Zeit als Burgfräulein zurückschauen wirst?

CAROLIN I.: Da werden mir sicher viele Dinge einfallen. Ich denke zum Beispiel an meinen Besuch in unserer polnischen Partnerstadt Kórnik. Ich hatte natürlich vorher schon von der großen Herzlichkeit und Gastfreundschaft dort gehört. Aber es selbst erleben zu dürfen, wie man gerade als Burgfräulein dort empfangen wird, ist doch etwas ganz Besonderes. Immer in Erinnerung bleiben wird mir sicher auch das Benefizkonzert mit dem Heeresmusikkorps auf dem Kapuzinerplatz. Die Stimmung war toll, und auch was das Wetter angeht, wurde ich an diesem Abend für das teilweise doch verregnete Burgfest voll und ganz entschädigt. Sehr schön war auch das Turnier bei den Königsteiner Rittern.

Du studierst Forstwirtschaft in Rottenburg bei Tübingen – das heißt, Du warst auch während Deiner Amtszeit aufs Pendeln angewiesen. War das nicht manchmal etwas stressig: Lernen und Repräsentieren unter eine Krone zu bringen?

CAROLIN I.: Eigentlich nicht. Das hat meist gut geklappt. Zumal das Präsidium des Burgvereins sehr verständnisvoll reagiert hat, wenn es bei mir wegen der Prüfungen dann doch mal nicht geklappt hat. So zum Beispiel in der Fastnachtskampagne. Am Ende waren es aber auch bei mir rund 30 Termine.

Und alle verbunden mit dem stetig gleichen Prozedere – Haare machen, Schmuck anlegen, ab ins Samtkleid und Krönchen drauf. Das ist doch etwas anderes als in T-Shirt und Jeans zu schlüpfen?

CAROLIN I.: Das stimmt, da geht schon einiges an Zeit drauf. Allerdings hat es für eine Frau auch einen Vorteil: Sie muss sich gar nicht erst Gedanken darüber machen, was sie zu welchem Anlass anzieht (lacht).

Da Du ja jetzt eine Insiderin bist, verrate unseren Lesern doch mal: Wie ist sie eigentlich so, die Welt der ehrenamtlichen „Königinnen“ und „Majestäten“ im Nebenjob?

CAROLIN I. (schmunzelt): Anders, manchmal auch sehr anders. Aber es macht Spaß. Und man lernt noch dazu unheimlich viele Leute kennen. Ich muss allerdings sagen, dass ich selbst überrascht war, wie viele verschiedene Majestäten es gibt. Beim deutschen Königinnen-Tag in Hamburg, an dem ich teilnehmen durfte, waren 280 Hoheiten aus ganz Deutschland dabei: Da gab es die Gurkenkönigin, die Maiskönigin, natürlich eine Vielzahl an Weinköniginnen und und und.

Und da war das Königsteiner Burgfräulein – wie passte das in diese Reihe?

CAROLIN I.: Gut. Allerdings denke ich schon – ohne einigen der anderen Hoheiten zu nahe treten zu wollen – dass es da einen gewissen Unterschied gibt. Als Königsteiner Burgfräulein weiß man, dass man in einer langen Tradition steht. Das wird schon an den historischen Gewändern aus Samt sichtbar – die sind bei starkem Regen oder großer Hitze zwar nicht immer von Vorteil. Aber sie sind eben doch wunderschöne Unikate, die von Inga Ernst und den Damen der Nähstube mit so viel Liebe zum Detail und Mühe gefertigt werden. Da ist man als Königsteinerin schon stolz darauf, sie tragen und die eigene Stadt repräsentieren zu dürfen.

Wie schafft man es als Repräsentantin der Stadt, immer selbstsicher, locker, aufgeräumt und fröhlich rüberzukommen?

CAROLIN I.: In Sachen Selbstsicherheit gewinnt man mit jedem Auftritt im Laufe eines Amtsjahres dazu. Bei meiner Antrittsrede zur Inthronisation war ich sicher noch etwas nervös. Je häufiger man jedoch vor einem Mikrofon steht, desto leichter geht einem das von der Hand. Was die Fröhlichkeit angeht, hängt natürlich viel davon ab, wie viel Spaß man selbst an der Sache hat und wie die Stimmung im Hofstaat ist. Und da kann ich in meinem Fall nur sagen, dass beides super gepasst hat. Mit Patricia, Julia, Fiona und meinem Junker Robin – das war ein super eingespieltes Team. Dazu noch Ursula Althaus-Byrne, die immer mit Rat und Tat zur Seite stand und mir eine große Hilfe bei der Koordination der Termine war. Außerdem konnte ich immer auf die Hilfe meiner Familie zurückgreifen – das hat alles perfekt geklappt.

Du hast von der langen Tradition gesprochen, auf die die Königsteiner Lieblichkeiten zurückblicken können. Da gibt es aber ja auch noch eine Familientradition im Hause Halbach-Pfaff, die fortgesetzt werden will – oder?

CAROLIN I. (schmunzelt): Stimmt schon. Nach meiner Mutter und mir wäre als nächstes meine jüngere Schwester Franziska an der Reihe. Die ist zwar erst 15, hat also noch etwas Zeit. Aber natürlich wäre es schön, wenn sie unsere Familientradition fortsetzt. Ich kann es ihr nur empfehlen und habe ihr auch als kleinen Ansporn schon mal eine meiner Autogrammkarten mit einem entsprechenden Hinweis gegeben. Ich bin mir sicher, dass meine Familie auch sie so unterstützen würde, wie sie es bei mir getan hat.

Jetzt aber ist erst einmal Nora Geis an der Reihe, sie wird das nächste Burgfräulein. Hast Du einen Rat für Deine Nachfolgerin?

CAROLIN I.: Nora wird das sicher sehr gut machen. Wenn man offen auf die Menschen zugeht, läuft das meiste ganz von selbst. Es ist wirklich schön zu sehen, wie sehr sich gerade ältere Leute und Kinder freuen, wenn man ihnen als Burgfräulein begegnet. Vor allem aber wünsche ich Nora, dass Sie genauso viel Spaß hat wie ich, ihre Amtszeit ebenso genießen kann und hoffentlich etwas besseres Wetter zum Burgfest bekommt.

Und wie geht es für Dich weiter, wenn Du am 18. Juli die Krone abgelegt hast und in den Stand der Hohen Burgfrauen aufgenommen bist?

CAROLIN I.: Erst einmal werde ich dann das Burgfest und damit den Abschluss meiner Prüfungen gebührend feiern. Danach werde ich ein wenig reisen und arbeiten. Und dann erwartet mich vom September an mein Praxis-Semester, das mich unter anderem nach Mallorca führen wird.

Wie bitte?

CAROLIN I.: Ja, das wird eine spannende Sache. Ich werde dort zwei Monate unter anderem in einem Projekt zur Wiederaufforstung von Olivenbäumen und Steineichen arbeiten und mich zudem mit Programmen zur Waldbrand-Prävention beschäftigen. Langweilig wird mir also auch nach meinem schönen Jahr als Burgfräulein ganz sicher nicht.

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