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Am Ende waren sie alle Gefangene

Von „175 Jahre Musik im Zeichen der Freiheit“ - unter diesem Motto stand ein musikalischer Abend in der Philipp-Reis-Schule (PRS), der an das erste Deutsche Chorfest in Frankfurt im Jahr 1838 erinnerte und die Anfänge der Bürgerrechtsbewegung im 19. Jahrhundert feierte.
Der Jugendchor und das Jugend-Sinfonie-Orchester Hochtaunus begeisterten das Publikum in der Philipp-Reis-Schule. Der Jugendchor und das Jugend-Sinfonie-Orchester Hochtaunus begeisterten das Publikum in der Philipp-Reis-Schule.
Friedrichsdorf. 

Unter der Leitung von Danilo Tepša und Lars Keitel begeisterten der Jugendchor und das Jugend-Sinfonie-Orchester (JSO) Hochtaunus rund 350 Besucher mit einem grandiosen Konzert, veranstaltet von der Stadt Friedrichsdorf und der Johann-Isaak-von-Gerning-Stiftung.

Das bekannte Freiheitslied „Va, pensiero“ des Hebräer-Gefangenenchors aus der Oper „Nabucco“ von Giuseppe Verdi bildete den Auftakt zu einem zweistündigen Programm, das der Kreistagsvorsitzende Manfred Gönsch (SPD) als „Höhepunkt der musikalischen Veranstaltungsreihe ’Freies im Gesang’“ bezeichnete. „Am Ende des Abends werden wir alle Gefangene sein - Gefangene toller Musik“, versprach er weiter. Und sollte mit seiner Prophezeiung fraglos recht behalten. „Down To The River“ ertönte es aus den Kehlen der 70 Jugendchormitglieder im Alter zwischen elf und 24 Jahren, die die gospeltypische Gefühlswelt aus Ehrfurcht und Wehklagen authentisch wiedergaben. Schließlich war es einst die Religion, die den Afroamerikanern nicht nur Trost spendete, sondern ihnen zugleich den Weg aus der Sklaverei in die Freiheit aufzeigte. Dass jedermann darauf ein Recht hat, proklamierte der US-amerikanische Jazzmusiker Duke Ellington in seinen „Sacred Concerts“, dank derer die jungen Sänger der weltumspannenden Sehnsucht nach Freiheit Ausdruck verliehen, indem sie gleich in mehreren Sprachen „Freedom - Liberté - Uhuru“ oder auch „Vrijheid“ einforderten. Und weil auch und gerade die Künste frei sein müssen, zeigten die Jugendlichen anhand zweier Stücke von Ernst Toch und John Rutter, dass selbst Fugen auf ihren bloßen Rhythmus oder auch launige Texte reduziert werden können und sogar in stakkatoähnlichen Gesängen ihre Wirkung entfalten. Anstelle des erkrankten Jan Schumacher hatte Danilo Tepša die Leitung des Chors inne, für die hervorragende Pianobegleitung sorgte Nuron Mukumi.

Tänzelnder Dirigent

Brillant schnitt auch das Jugend-Sinfonie-Orchester Hochtaunus ab, in dem gleich zwei Friedrichsdorfer Künstler eine tragende Rolle einnahmen. So überzeugte Lars Keitel als tänzelnder Dirigent und humoriger Conferencier, während der talentierte Florian Bartl routiniert seine Aufgaben als Konzertmeister wahrnahm. Mit Edvard Griegs fulminant inszeniertem „Norwegischen Tanz Op. 35,1“ eröffnete das 70-köpfige Ensemble den Reigen ausgesuchter Werke, die allesamt zum (virtuellen) Tanz luden. Beispielsweise der „Valse triste“ von Jean Sibelius, den das Orchester - allen voran die Streicher und die Querflöte - fast zärtlich wiedergab. Viel Applaus für große Gefühle erntete die Oboistin Marie Tetzlaff mit ihrem makellos dargebotenen Tango-Solo von Astor Piazolla, bevor sich erneut auch das Orchester dem Schöngeistigen zuwandte. Auf dem Programm standen ein weiterer Tango von Isaac Albéniz (D-Dur Op. 165,2) und ein Potpourri aus rumänischen Volkstänzen von Béla Bartók. Letzteres reichte von heiter-volkstümlichen Klängen bis hin zu höfisch anmutenden Melodien, die von den Jugendlichen mit sichtbarer Spielfreude und meisterlich zum Besten gegeben wurden. Eine Klasse für sich sind die Kompositionen des Prager Komponisten Antonín Dvorák, so auch die „Amerikanische Suite Op. 98“, die einen glanzvollen Schlusspunkt unter ein ebenso fantastisches Programm setzte. Dabei konnte das JSO mit seinem temporeichen, dynamischen und kraftvollen Spiel seine außergewöhnlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Auf den Nachhauseweg gab es neben den Zugaben „Lord Of The Dance“ sowie die Hymne „Jerusalem“ von Hubert Parry auch das gute Gefühl, dass Musik befreien kann - und zwar genau 175 Jahre nachdem engagierte Künstler in Frankfurt einen der entscheidenden Impulse für die Bürgerrechtsbewegung lieferten.

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