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Der Wackel-Dackel wird zum Filmerfolg

Das Oberurseler Kurzfilmfestival ist inzwischen weit über die Region hinaus bekannt. Trotzdem soll und wird es erst mal nicht wachsen.
Oberursel. 

Die Popcornmaschine pufft und spuckt im Minutentakt weiße, geplatzte Maisbällchen aus. Scheinwerfer tauchen die alten Bäume im Rushmoor-Park in rotes, gelbes oder blaues Licht. Es ist Samstagabend und die Leinwand steht bereit, um zum vierten Mal die kreativen und provokativen Werke aufstrebender Filmemacher zu zeigen. „Es sind Momentaufnahmen. Sie zeigen den Zeitgeist. Sie sind die Hoffnung und Träume der neuen Generation von Filmemachern“, beschreibt der Leiter des Kurzfilmfestivals, Tim Lukas Leinert, die Videokunstwerke.

Vor vier Jahren hatte der heute 25-Jährige die Idee zu dem Festival. „Ich hatte Praktika im Filmgeschäft gemacht und wollte dort Fuß fassen. Doch dann habe ich gemerkt, wie schwierig es ist, sich als Filmemacher zu etablieren“, berichtet Leinert, der Kunstgeschichte mit Nebenfach „Zeitgenössische Videokunst“ studiert.

Beim Festival im Rushmoor-Park geht es darum, junge Filmemacher in den Fokus zu stellen und sie zu fördern. Mit großem Erfolg. Inzwischen erhalten die Organisatoren Einsendungen aus ganz Europa. „Das ist großartig, allerdings lässt das auch die Qualität der Filme steigen. Beim Filmfestival wollen wir regional bleiben. Wir wollen nicht größer werden, sondern weiterhin Handverlesenes zeigen“, sagt Leinert.

So hat es einen Grund, weshalb nur deutsche Kurzfilme laufen. Unter anderem der von Volker Heymann. „Symphonie der Dumpfbacken“ heißt sein Kurzfilm, der eine überspitzte Karikatur der Arbeitsweise von Führungskräften ist. Der Inhalt ist kurz erzählt: Bei einer Wackel-Dackel-Produktionsfirma sinken die Verkaufszahlen. Und das Marketing soll’s richten. In einer Krisensitzung stimmen sich die Mitarbeiter und Führungskräfte auf ein Notfallprogramm ein. Ein cineastisches Werk mit nickendem Wackel-Dackel, vielen stumpfsinnigen Mitarbeitern, das seine Ironie aus der grandiosen Klangperformance der deutschen Sprache zieht. „Es ist eigentlich ein Monolog, den ich seit Jahren auf der Bühne bringe“, sagt der Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur.

Im Mai 2011 drehte der 53-Jährige an einem Tag seinen viereinhalb Minuten dauernden Film ab. Am Schnitt saß er dann vier Monate. Er hat einen Hang zu scharfsinnigem Sprach- und Wortwitz und will den auch mit seinen Filmen transportiert wissen. „Es ist immer wieder der Versuch, in die unendliche Welt der Gedanken einzutauchen und gleichzeitig Spaß zu vermitteln“, sagt Heymann.

100 Einsendungen

Spaß hatte die Jury, bestehend aus Niklas Boger, Senad Grahovic, Sebastian Blum, Steffen Holland-Nell, Tobias Masur und Tim Lukas Leinert, allemal. Trotz der harten Arbeit und der achtmonatigen Vorbereitungszeit können sie über die Beiträge immer wieder lachen. „Die 100 Videoeinsendungen haben wir im letzten Monat gesichtet, dann die besten 17 ausgewählt. Und wir haben uns gefühlte fünf Nächte eingeschlossen.“

Platz eins geht an Dumpfbackenfilmer Volker Heymann. Den zweiten Platz kann der Mainzer Student Konstantin Enste mit seinem Beitrag „Philantrop“ belegen. „Mit seiner künstlerischen Gestaltung über die „Vergessenen der Gesellschaft“ hat er uns sehr bewegt“, begründet die Jury ihre Entscheidung.

Die Publikumspreise gehen in diesem Jahr an Franz Müller aus Dresden (erster Preis für seinen Beitrag „Simply Clever“) und Dietrich Brüggemann aus Berlin (zweiter Preis für seinen Beitrag „One Shot“).

Für Tim Lukas Leinert und seine Crew ist die Arbeit übrigens noch nicht vorbei. Die Sechs haben nämlich schon neue Pläne. „Wir haben jetzt den Verein ,we are:now‘ gegründet und wollen neue Projekte ins Leben rufen“, sagt Leinert.

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