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Durchnässte Darsteller

Beim Festzug zum Burgfest trotzten die Teilnehmer mit guter Laune dem Regen. Die Zuschauer bekamen einen Schnelldurchlauf durch 700 Jahre Königstein geboten mit bunt gemischtem Volk und Musik.
Dichter: Friedrich Stoltze (Thomas Schwenk, rechts) fährt auf dem Festzug mit. Dichter: Friedrich Stoltze (Thomas Schwenk, rechts) fährt auf dem Festzug mit.
Königstein. 

Der Wettergott meinte es gestern wahrlich überhaupt nicht gut mit den Königsteinern. Kein Wunder, denn nach Informationen von zwei „Geistlichen“ aus dem Gefolge von „Herzog Adolph“ und Gemahlin hielt der Wettergott sich in seiner „Sommerresidenz auf Capri auf“. „Herzog Adolph“ (Josef Thron) hatte sich den Besuch seiner Sommerresidenz sicher anders vorgestellt, doch stellte er - ganz Staatsmann - fest: „Mit geistlichem Beistand ist auch das Wetter nur halb so schlimm.“ Vielleicht sorgte auch der Sekt auf seinem Wagen für die positive Grundhaltung.

„August der Starke“ (Hans-Werner Vogelsberg), der aus Königstein in Sachsen angereist war, und auf einem Wagen ohne Dach neben seiner „Mätresse“ thronte, fühlte sich „feucht von außen, weniger von innen“. Seiner Rolle entsprechend mäkelte er: „Wir hätten den Umzug dort machen sollen in Sachsen, wo’s schön ist.“ Zu seinem modernen Regenschirm, den er doch auf seiner Festung nicht gehabt haben konnte, bemerkte er: „Ich gehe eben mit der Zeit.“

Strategien gab es viele, um sich gegen das schlechte Wetter zu stellen. Zwei Königsteiner Ritter rückten nah zusammen und hielten sich einen Schild über den Kopf. Sie tauften den Festzug „Königsteiner Wasserspiele“. Eine Hofdame hatte sich gleich zum festlichen Kostüm die Badeschlappen angezogen.

Bilderstrecke Burgfest in Königstein
Das Königsteiner Burgfest vereint den alten Adel und das gemeine Fußvolk: Hundertschaften pilgern vom 23 bis zum 26. August in historischen Kostümen durch die Straßen. Unsere Bilderstrecke zeigt Impressionen des Umzugs. Alle Fotos: Priedemuth. Das Foto zeigt die Burgmannen aus Runkel.Burgfräulein Carolin I auf ihrem Prunkwagen.Manfred Colloseus grüßt trotzs Dauerregens huldvoll in die Menge.
Nicole Höltermann von der Montessori-Schule verwöhnte die Blitzhexe, den Wassermann, die Wolkenfrau und den Regenfritz aus Peterchens Mondfahrt mit Schoko- Maikäfern. „Dr. Pingler“ und „Dr. Amelung“ rieten als Ärzte „zu einem guten Schluck und für die Kinder eine Süßigkeit“.

Manchmal allerdings half auch kein guter Rat: Das Gefängnis von Caroline Schlegel-Schelling war - witterungsbedingt - mit einer blauen Plane abgedeckt: „Schwimmbad statt Gefängnis“ erklärte die Truppe von der Taunus Sparkasse die spontane Veränderung des Motiv-Wagens.

Die historischen und aktuellen Würdenträger hatten es wettertechnisch insgesamt besser getroffen. Wie etwa Burgfräulein Carolin I.: Sie hatte ein Dach über dem Kopf und ermahnte ihre Untertanen: „Sie sollen trotzdem Spaß haben, nicht zu sehr mit dem Wetter trauern und die Menge mitreißen.“ Das Fußvolk hörte auf sie und sie schenkte den Zuschauern außer Süßigkeiten den ganzen Weg über ihr schönstes Lächeln.

Zudem boten die 56 Gruppen des Festzugs nicht nur liebevoll gestaltete Wagen und Kostüme, sondern echtes Schauspiel. So rezitierte etwa „Friedrich Stoltze“ (Thomas Schwenk) mit Backenbart und Zylinder seine Verse. Der „Schinderhannes“ (Johann Bückler) gab seine Weltsicht zum besten. „Pastor Kowalt und Bischof Kratz“ aus Herzog Adolphs Entourage boten gar Ablass an: „Wir machen Hochzeiten für 52 Euro, für 15 Euro nehmen wir die Beichte ab und ein gebeichteter Ehebruch kostet 150 Euro. Aber danach ist alles wieder gut.“ Auch der Humor wurde nicht mit dem Regen weggeschwemmt: „Johann von Böhmen“ wies seine Untergebenen an: „Gib dem Kronberger Bürgermeister Temmen einen Taler. Der Stadtsäckel hat’s nötig.“

Solidarisch mit dem Fußvolk zeigte sich der Königsteiner Bürgermeister Leonhard Helm: Er fuhr zwar im Auto, aber mit offenem Dach. Dafür hatte er extra die Sitze seines Autos mit Decken umwickelt, um sie vor dem Regen zu schützen.

 

Perfektes Räuberwetter

 

Einer konnte dem Nass von oben sogar positive Seiten abgewinnen: „Das ist das perfekte Räuberwetter. Da verlieren sich die Spuren“, erläuterte der „Schinderhannes“, dem seine Rückkehr nach Königstein gefiel: „Ich habe in Königstein noch Verwandtschaft, aber die wollen nicht namentlich genannt werden.“ Den Zuschauern warf er Süßigkeiten zu, um sie ein bisschen für die Schandtaten in der Vergangenheit zu entschädigen. Ebenso gut meinten es die marodierenden Landsknechte aus dem Dreißigjährigen Krieg: Sie zogen auf einem Leiterwagen einen Grill hinter sich her und servierten den Königsteinern warme Würstchen.

Für gute Stimmung sorgten nicht zuletzt die vielen Musikgruppen, die mit ihrem Sound die durchnässten Darsteller sogar zum Tanzen motivierten. „Das Wetter stört nur uns, nicht die Instrumente“, erzählte Peter Reinhardt vom Fanfarenzug Kronberg. Der spielt regelmäßig beim Festzug auf, und deshalb wussten die Musiker schon im voraus: „Hier regnet es relativ oft. Wir geben trotzdem unser Bestes.“ Zu bestaunen gab es auch ein Heer an historischen Garden, denn die Historische Festungsgarde Königstein feiert in diesem Jahr ihr 25.jähriges Bestehen und hatte befreundete Garden eingeladen. Standartenträger Klaus Kroneberg hielt es stundenlang ohne Regenschirm aus und verlor sein Lachen nicht: „Das ist alles Gewohnheitssache. Außerdem soll Regenwasser ja hübsch machen.“

Die Zuschauer zollten den Teilnehmern am Festzug großen Respekt: „Ich finde es super, dass sie es trotz des Wetters machen“, sagte Constantin Unterharnscheidt, der vor seinem Haus ein Zelt und Bierbänke platziert hatte. Für die Kostümierten hielt er, wie jedes Jahr, ein Bier parat, um sie bei Laune zu halten. „So schlimm war das Wetter noch nie“, staunte Bettina Bender, die ebenfalls vor ihrem Haus für Getränke sorgte. Ein geschichtsträchtiges Wetter zu einem geschichtsträchtigen Ereignis eben. So wird der Festzug zu 700 Jahre Stadtrechte wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Wegen des Wetters und der heldenhaft standhaften Darsteller.

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