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Ein Blick in die Bunker

Das Gelände ist 254 Hektar groß. Nur wenige wissen, was sich dort eigentlich tut. Nun werden die Türen des Munitionslagers einen Nachmittag lang für angemeldete Gäste geöffnet - und 70 TZ-Leser können dabei sein.
Tief geduckt zwischen dem Grün finden sich im Munitionslager Wehrheim die Bunker. In ihnen lagern gut gesichert die Geschosse (kleines Bild).	Fotos: fms Bilder > Tief geduckt zwischen dem Grün finden sich im Munitionslager Wehrheim die Bunker. In ihnen lagern gut gesichert die Geschosse (kleines Bild). Fotos: fms

Wehrheim. Thomas Gross weiß, dass der 8,7 Kilometer lange Außenzaun furchterregend wirken kann. Der Leiter des Munitionslagers im Wehrheimer Wald will Ängste abbauen: „Die Leute können ruhig wissen, was wir hier tun.“ Mehr als 350 Bunker, die wie eingegraben wirken, ducken sich in Reih und Glied. Vor allem großkalibrige Munition wird dort gelagert.

Auf dem idyllisch wirkenden Gelände stehen viele Bäume. Auf dem einen oder anderen Bunker blüht der Ginster. Die Ruhe schätzen auch viele Tiere. Die Rehe sind willkommen, die Wildschweine dagegen werden immer mehr zum Ärgernis. Weil der kilometerlange Zaun einen natürlichen Austausch verhindert, wird Inzucht zum Problem. Speziell lizensierte Jäger dürfen (und müssen) ab und zu Jagd auf sie machen. Eine Ausnahme, denn „wir haben keine Waffen hier drin“, sagt Hauptmann Gross.

Wenn auf einem Truppenübungsplatz irgendwo in der Region scharf geschossen werden soll, wird die Artillerie-Munition dafür in Wehrheim bestellt, von speziell ausgebildeten Facharbeitern geprüft, sortiert und versandfertig gemacht. „Wir arbeiten hier betriebswirtschaftlich wie ein mittelständisches Unternehmen“, sagt Gross. 116 Männer und Frauen sind dort beschäftigt. Nur acht von ihnen sind Soldaten, allesamt als Feuerwerker ausgebildet.

Der Transport der Munition vom Depot zum Zielort sei ungefährlicher als die Fahrt eines Spritlasters, sagt der 54 Jahre alte Hauptmann, der immer wieder auf die „sehr restriktiven“ Vorschriften und den Sicherheitsaspekt hinweist. Die Bunker würden elektronisch überwacht und seien mit einem Blitzschutz versehen.

Die Bevölkerung traute und traut dem Frieden nicht unbedingt. 1982 protestierten die Bürger gegen den Ausbau des Depots, das auch immer wieder Ziel von Ostermärschen war. Vor drei Jahren, zum 65. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs, führte ein Demonstrationszug zum Lager. „Keine Raketen in Köppern und dem Rest der Welt“, war auf einem der Transparente zu lesen.

Offiziell heißt das Depot „Munitionslager Köppern“. Der Name ist irreführend, weil das Gelände auf Wehrheimer und Rosbacher Gemarkung liegt. Nur die Zufahrt gehört zu Köppern.

Das Gebiet war 1945 von den US-amerikanischen Streitkräften beschlagnahmt worden. Sie nutzten es bis 1951 intensiv für Manöver, danach als Munitionsdepot. Damals sind die ersten Lagerhäuser gebaut worden. Seit Oktober 1997 nutzt die Bundeswehr das Gelände. Es ist nach dem in Wulfen bei Bottrop das zweitgrößte der bisher noch 16 Munitionsdepots in Deutschland.

Mitten durch das Lager im Wehrheimer Wald führt übrigens der Limes. Viel davon ist nicht mehr zu sehen. „Die Grenzsteine stehen jetzt vielleicht in Texas“, sagt Gross schmunzelnd. Vermutlich haben die Amerikaner einige mitgenommen.

Damit die Gäste das Gelände bei ihrem Besuch gut bewältigen können, werden zwei Pendelbusse eingesetzt. Thomas Gross weist darauf hin, dass nicht geraucht werden darf. Handys müssen ausgeschaltet werden. Außerdem darf nur eingeschränkt fotografiert werden.

Wer sich am Freitag, 14. Juni, im Depot umsehen möchte, wählt heute zwischen 11 und 13 Uhr die Telefonnummer

(0

 

60

 

81) 91

 

86

 

23

Die Taunus Zeitung nimmt für ihre Leser 35 Anmeldungen für jeweils zwei Personen entgegen. Anrufer müssen ihren Namen und ihre Adresse nennen.

Die Angaben müssen wir aus Sicherheitsgründen an das Munitionsdepot weitergeben. Und ganz wichtig: Am Tag der offenen Tür müssen die Besucher natürlich ihren Personalausweis vorzeigen.

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