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Ein Stück Radiogeschichte geht zu Ende

Von Der US-amerikanische Soldatensender American Forces Network (AFN) hat die Mittelwellenfrequenz 873 kHz verlassen. Per Knopfdruck wurde die europaweit größte Sendestation am Weißkirchener Berg abgeschaltet. Für die Bürger der angrenzenden Oberurseler Stadtteile bringt das jedoch auch Vorteile.
Sheeri Reed, Commander AFN Europe, schaltete gestern mit einem Knopfdruck die Mittelwellenfrequenz des Senders ab. 	Fotos: Priedemuth Bilder > Sheeri Reed, Commander AFN Europe, schaltete gestern mit einem Knopfdruck die Mittelwellenfrequenz des Senders ab. Fotos: Priedemuth
Weißkirchen. 

Die Lampen an der Spitze der drei weiß-roten Masten auf dem Feld neben der Frankfurter Landstraße werden auch weiterhin bei Nacht leuchten. Für die Sicherheit der Flugzeuge. Ansonsten wurde jeglicher Strom auf Europas größter Sendestation abgestellt. Per Knopfdruck schaltete Sheeri Reed, Commander AFN Europe, gestern Nachmittag die Mittelwellenfrequenz des Senders (873 kHz) aus.

Damit geht ein Stück Radiogeschichte zu Ende, die 1951 begonnen hatte, Generationen von Hörern prägte und sogar Musikgeschichte schrieb. Jetzt ist der Sender nur noch per Internet auf AFN 360 zu empfangen.

Eine Tatsache, die viele Hörer bedauern. So beklagt ein Mann aus Frankfurt per E-Mail an den AFN, dass er den Sender nicht mehr beim Autofahren oder bei der Gartenarbeit hören könne. Über Smartphone sei er aber zu empfangen, so George Smith, AFN Europe Operations Manager.

Mit einem Barbecue wurde die Abschaltung gestern gemeinsam mit rund 15 AFN-Mitarbeitern zelebriert. „Es fühlt sich ein bisschen an wie auf einer Beerdigung“, sagte Smith. Der Standort war nach Informationen der TZ erst in den vergangenen Jahren für einen Millionen-Betrag renoviert worden.

Als Grund für die Abschaltung der Station nannte Smith den Sparzwang der US-Regierung, infolge dessen auch beim Militär gespart werden müsse. Mit dem Verlassen der Mittelwellenfrequenz, die auch in Irland, Lettland, England und Italien zu empfangen war, spare das US-Militär pro Jahr 400 000 Euro an Energiekosten. Hinzu komme die Pacht für das Gelände, das einem Landwirt gehört.

Für den aufwändigen Abbau der drei 86 Meter hohen Masten ist derzeit kein Geld vorhanden. Immerhin wurden für die Erdung der Masten Kupferstäbe in den Boden gerammt, zudem hat jeder Turm drei Spannseile, die geerdet sind. Die frühere Überlandleitung wurde unter der Erde verlegt, berichtet Chefingenieur Jereme Day.

Info: Start in London

Im Zweiten Weltkrieg beschloss das US-Kriegsministerium, einen Sender für Soldaten einzurichten, der noch im selben Jahr 1942 unter dem Namen Armed Forces Radio Service (AFRS) gegründet wurde.

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„Die Mittelwelle ist ein Relikt wie die Kurz- und Langwelle auch“, sagt Richard Jelinek, Techniker bei AFN. Der Hessische Rundfunk habe bereits im Jahr 2010 alle Mittelwellensender aus Kostengründen abgeschaltet, da die Mittelwelle sehr viel Strom verbrauche. Der Deutschlandfunk dagegen sende noch auf Mittelwelle. Übrigens: Auf UKW-Frequenz 98,7 MHz (Feldberg) ist AFN „The Eagle“ weiterhin zu empfangen.

Zu Beginn sei der Sender im Weißkirchener Gebäude mit einem Schiffsdieselgenerator von der Firma MAN mit Strom versorgt worden, der baugleich mit jenem Modell gewesen sei, der im Zweiten Weltkrieg in U-Booten eingebaut gewesen sei, berichtet Jelinek weiter. In Hochzeiten bis Mitte der 70er arbeiteten auf der Sendestation 14 Mitarbeiter. Zuletzt wurde sie lediglich ein Mal die Woche von einem Mitarbeiter aus den Radiostudios in Wiesbaden überprüft.

Von den sehr starken elektromagnetischen Wellen seien Bürger aus Bommersheim, Weißkirchen und vom Riedberg betroffen gewesen, erinnerte gestern ein Bürger. Die Mittelwelle sei durch Stereoanlage, Computerlautsprecher und Türsprechanlagen gekommen.

Weißkirchens ehemaliger Ortsvorsteher und heutiger Stadtkämmerer Thorsten Schorr (CDU) kann sich erinnern, „dass es früher vereinzelt zu Störungen beim Radioempfang kam“. Das sei auch am Rande mal Thema im Ortsbeirat gewesen. „Seit einigen Jahren aber gibt es keine Probleme mehr“, meint er. Im Jahr 2009 hatten Bauarbeiter auf dem Riedberg über Stromstöße durch von der Sendeanlage ausgehende elektrische Felder geklagt.

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