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Hier kommt nichts um

Einwandfreie Lebensmittel, die nicht verkauft werden können, werden an Bedürftige ausgegeben. Der Verein "Wir Friedrichsdorfer" engagiert sich unter der Regie der Diakonie.
Hans-Jürgen Gratz (links), Rosemarie Hinkel und Michael Hibler mit der Stadtverordneten Malvina Schunk (rechts) an der Ausgabe-Theke der Friedrichsdorfer Tafel in der Ringstraße 12. Der grüne Gitterkorb vorn und seine "Geschwister" hinten im Regal werden heute wieder vollgepackt und dann an bedürftige Familien ausgegeben.	Foto: Gensrich Hans-Jürgen Gratz (links), Rosemarie Hinkel und Michael Hibler mit der Stadtverordneten Malvina Schunk (rechts) an der Ausgabe-Theke der Friedrichsdorfer Tafel in der Ringstraße 12. Der grüne Gitterkorb vorn und seine "Geschwister" hinten im Regal werden heute wieder vollgepackt und dann an bedürftige Familien ausgegeben. Foto: Gensrich
Friedrichsdorf. 

Knackiges Gemüse, saftiges Obst und knuspriges Gebäck wandern in den Müll. "30 bis 40 Prozent der produzierten Lebensmittel werden sinnlos weggeworfen", sagt Michael Hibler, Leiter des Diakonischen Werks Hochtaunus. Supermärkte entsorgen tonnenweise Nahrungsmittel. Aber in der Friedrichsdorfer Ausgabestelle der "Tafel" kommt nichts um: Ausgesonderte aber einwandfreie Lebensmittel werden in verschiedenen Geschäften eingesammelt und an Bedürftige verteilt. Am Mittwochabend besichtigte der Sozialausschuss den kleinen Laden in der Ringstraße 12. Im vorigen Juli wurde er eröffnet, als fünfte Ausgabestelle der "Bad Homburger Tafel – Tafel im Hochtaunuskreis".

Verwaltet wird die Aktion vom Diakonischen Werk, weitere Ausgabestellen sind in Bad Homburg, Oberursel, Königstein und Neu-Anspach. Das Besondere in Friedrichsdorf ist, dass der Verein "Wir Friedrichsdorfer Bürgerselbsthilfe" die Organisation fast komplett übernommen hat. Und zwar unter der Regie von Schatzmeister Hans-Jürgen Gratz und seiner Stellvertreterin Rosemarie Hinkel. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Sache lief. Jetzt stehen zwei Kühlschränke bereit. Und in den Regalen warten grüne Gitterkörbe darauf, mit Lebensmitteln vollgepackt zu werden.

Wie die Sache funktioniert: Jeden Freitag ist Ausgabetag. Zuerst muss der Lieferwagen in Oberursel abgeholt werden. Dann werden damit verschiedene Geschäfte abgeklappert: In den Supermärkten Rewe, Aldi, Lidl und Norma sowie den Bäckereien Moos und Hembd werden Waren abgeholt. Dann geht es in die Ringstraße zum Sortieren und Körbe packen. Denn die Lebensmittel werden vor der Ausgabe kontrolliert. "25 bis 30 Helfer gehören zur Stammmannschaft", erklärt Gratz. "Jeweils sechs bis sieben Personen übernehmen den Fahrdienst, vier sind im Sortier-Team und zwei in der Ausgabe."

Hemmschwelle

In jeden Korb kommt das gleiche Sortiment. – Damit nicht die Empfänger-Familien, die zuletzt dran sind, nur noch mit kläglichen Resten vorlieb nehmen müssen. Und die Empfänger bekommen feste Uhrzeiten genannt, zu denen sie – alle zwei Wochen – ihren Korb abholen können. "So vermeiden wir entwürdigendes Warten auf der Straße vor dem Laden", erklärt Hibler. Trotzdem sei es vielen Bedürftigen peinlich, zur Tafel-Ausgabestelle zu kommen. Vor allem ältere Menschen hätten Hemmungen. An die festen Termine jedoch müssen sich die Klienten halten, sonst bekommen sie nichts.

Dabei erhalten nur Menschen einen Warenkorb, die ihre Bedürftigkeit nachgewiesen haben. "In Friedrichsdorf sind das etwa 45 Haushalte. Das entspricht rund 100 Personen, davon ein Viertel Kinder." Zu den Produkten gehören auch schon mal Limonade und Chips. "Kürzlich haben wir 12 Paletten Knabbersachen bekommen, im Warenwert von 20 000 Euro." Die waren zwar noch haltbar, sollten aber weggeworfen werden, weil ein Gewinnspiel auf die Packungen gedruckt war. Und davon war der Einsendeschluss abgelaufen.

Die Idee mit der Tafel kommt aus den USA. Im Jahr 1963 wurde die erste Tafel von John van Hengel in Phoenix gegründet. 30 Jahre später entstand die erste deutsche Tafel in Berlin. Derzeit gibt es allein in Hessen 52 Tafeln, in Deutschland sind es rund 870.

Dank für Engagement

Die städtische Sanitätsrat-Dr.-Fuchs-Stiftung zahlt die Miete für den Friedrichsdorfer Laden und hat auch dessen Um- und Ausbau bezuschusst. Gratz bedankte sich dafür bei den Gästen aus der Politik. Erster Stadtrat Norbert Fischer (CDU) aber antwortete: "Das ist sinnvoll angelegtes Geld. Und wir haben uns bei Ihnen für Ihr Engagement zu bedanken."

Gerade gestern hat das Statistische Bundesamt (Destatis) auf der Basis der aktuellen Ergebnisse der Erhebung "Leben in Europa 2010" mitgeteilt, dass in Deutschland 12,6 Millionen Menschen arm sind. Denn wer mit weniger als 940 Euro im Monat auskommen muss, gilt nach Definition der Europäischen Union als arm. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2009. Risikofaktor Nummer ist die Arbeitslosigkeit. Durchschnittlich 15,6 Prozent der Bevölkerung Deutschlands sind armutsgefährdet.

"Empfänger von Arbeitslosengeld müssen mit 4,50 Euro pro Tag für Frühstück, Mittag- und Abendessen zurechtkommen", schreibt die Diakonie. Besonders Haushalte mit geringem Einkommen verzichteten auf bestimmte Nahrungsmittel wie Fleisch, frisches Obst und Milch.

Wer bedürftig ist und einen Nachweis braucht, damit er sich bei der Tafel Lebensmittel holen kann, der kann sich beim Diakonischen Werk Hochtaunus in Bad Homburg, Heuchelheimer Straße 20, zum Gespräch anmelden. Telefonnummer (0 61 72) 30 88 03, E-Mail tafel@diakonie-htk.de. Wer die Tafel mit einer Spende unterstützen möchte, der kann an das Spendenkonto überweisen: Konto Nummer 1 09 27 66 bei der Taunus Sparkasse, Bankleitzahl 512 500 00, Verwendungszweck: "Tafel".

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