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Kirche muss mehr sein als nur das Dessert

Von Theologie und Alltag überzeugend zusammenbringen - das soll Martin Luther in seinen Tischreden gelungen sein. Nach dem Vorbild des großen Reformators haben Frauen bei einem festlichen Essen ihre Sicht auf die Welt kundgetan.
Bad Homburg. 

Reicht mein Geld zum Leben? Ich bin todkrank - wie geht es weiter? Wie kann ich persönlich etwas tun, um den Klimawandel aufzuhalten, der über unser aller Leben dräut? Und welche Rolle kann die Religion bei diesen existenziellen Fragen spielen?

Impulse gab das „Bad Homburger Frauenmahl“, zu dem das Evangelische Dekanat gezielt Vertreterinnen eingeladen hatte, die in irgendeiner Form in der Öffentlichkeit stehen und zugleich kirchennah sind. Frauen haben klare Zukunftsvisionen, sind aber, wie überall, nur selten in Entscheidungsfunktionen. Innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat sich jetzt - wenige Jahre vor dem Reformationsjubiläum 2017 - die Frauenmahl-Initiative gegründet. Sie soll eine demokratische Auseinandersetzung aus Frauensicht stärken.

Als Vorbild gelten die Tischreden Martin Luthers, die - so die Initiative - Theologie und Alltag überzeugend zusammengebracht hätten. 20 dieser festlichen Essen, bei denen in Alter und Beruf höchst unterschiedliche Frauen zwischen den Gängen eine teils sehr persönliche Tischrede halten, hat es bundesweit schon gegeben.

Die Stimmung unter den 99 Damen, die am Sonntagabend im Weißen Saal des Schlosses an großen runden Tischen saßen, war ein wenig wie bei einer Hochzeit oder einem runden Geburtstag. Alle hatten festliche Garderobe angelegt, Hosen waren die Ausnahme. Frau fühlte sich beschenkt - durch den Raum, das siebengängige Menü und die geistigen Impulse. „Anregend und zugleich entspannt“ fasste es eine Teilnehmerin zusammen. Nach den siebenminütigen Reden wurde nicht immer über das gerade Gesagte diskutiert, dafür aber darüber, wie wohl dieses köstliche Steinpilzsüppchen entstanden ist oder was die Sitznachbarin hergeführt hat. Bald wurden die ersten Visitenkarten ausgetauscht.

Sicherlich werden die Teilnehmerinnen nach dem fünfstündigen Schmaus den einen oder anderen Gedanken mitgenommen haben. Etwa den Appell von Renate Ehlers (Hessischer Rundfunk), ständig zu reflektieren: „Sind wir in der Kirche verständlich auch für Menschen, die nur gelegentlich in den Gottesdienst kommen?“

 

„Das Wasser trägt“

 

Die Sicht einer Jungunternehmerin steuerte Miriam Preiß bei - die Usinger Landwirtin wünscht sich, dass die Kirche Lichtblicke gebe und Werte vermittele, die es nicht im Supermarkt gibt. Die Studentin Jule Schulz erklärte, dass die Occupy-Bewegung noch aktiv ist, auch wenn sie aus den Schlagzeilen verschwunden ist. Im Camp sei Demokratie gelebt worden, das sei schwierig gewesen, habe sich aber gelohnt.

Traurig stimmte die Rede von Dr. Dagmar Giesecke, Leitende Oberärztin an den Hochtaunus-Kliniken - sie betreut Krebspatientinnen und lud ihre Zuhörerinnen dazu ein, sich in eine Betroffene hineinzuversetzen. Jedes Jahr erkrankten 44 500 Frauen an Brustkrebs. Giesecke warb dafür, mit Gottvertrauen das Boot des Lebens zu rudern - „das Wasser trägt“.

Nachdem die Wirtschaftsreferentin Dr. Brigitte Bertelmann betont hatte, dass jeder Mensch mündig sei, um dem Klimawandel zu begegnen, und endlich der Nachtisch in Aussicht stand, hatte Gabriele Scherle das (Abschluss-)Wort. „Kirche als Dessert“ - gemeinhin runde Religion das Leben ab, sagte die Frankfurter Pröpstin. Dass Frauen ihre Meinung kundtun könnten, sei selten auf der Welt und „hart erkämpft“, doch „das Eis ist dünn“ und Demokratie kostbar. „Es geht nicht ums Dessert, sondern ums ganze Mahl“ - für die Kirche gibt es also noch allerhand zu tun.

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