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Kleider machen Leute

In wenigen Tagen startet das 63. Königsteiner Burgfest. Die TZ blickte vorab schon einmal ins „Gewandhaus“, aus dem die meisten der Kostüme stammen.
Margit Wochner und Gudrun Lamm bei der Arbeit in der Nähstube des Burgvereins.	Foto: jr Margit Wochner und Gudrun Lamm bei der Arbeit in der Nähstube des Burgvereins. Foto: jr
Ruppertshain. 

Leise summt die Nähmaschine, konzentriert blickt Gudrun Lamm auf den roten Samtstoff. „Das wird ein Kränzchen“, sagt sie, und zwirbelt einen Ballen weiße Watte in den zurechtgeschnittenen Stoff hinein. „Man braucht für diese Arbeit Fantasie, ein wenig Routine und vor allem viel Geduld“, so Lamm. Und die Ausdauer wird belohnt: Edel sehen sie aus, diese Kränzchen, die im Mittelalter von feinen Burgfräulein getragen wurden und heute zum Accessoire der schick gekleideten Burgfest-Besucherinnen zählen. Im Fundus des Burgvereins gibt es viele solcher Kränzchen, aber auch Tuniken, Wämser, Fahnen und sogar Lanzen-Imitate. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn man durch die vereinseigene Nähstube in Ruppertshain schlendert und sich in den detailreich verarbeiteten mittelalterlichen Utensilien verliert.

Über 600 Gewänder

Über das ganze Jahr hinweg nähen und arbeiten fünf fleißige Damen des Burgvereins in der Schneiderei an stattlichen Gewändern aus Samt, Seide und manchmal auch aus Jute: „Wir haben neben den ritterlichen Festtagskleidern auch Bauernkleider im Angebot“, berichtet Ingrid Ernst, während sie durch den engen Gang der Werkstatt schlendert und viele unterschiedliche Gewänder präsentiert. Rund 600 Kleider hängen hier, manche sind in Kartons verstaut, andere lagern in Schränken. Ausgeliehen werden sie für Hochzeiten, Geburtstage und natürlich für das Burgfest. „Für dieses Jahr haben wir schon die Hälfte unseres Sortiments verliehen.“ Wer sich also jetzt noch mit einem festlichen Kostüm fürs Fest ausrüsten will, der muss sich sputen. „Reservierungen nehmen wir keine entgegen“, sagt Ernst und reicht einer jungen Königsteinerin ein grasgrünes Samtkleid mit Goldverzierung.

Heiß begehrt

Am Dienstagnachmittag muss man vor dem Spiegel in der Nähstube Schlange stehen, um sich betrachten zu können. Denn viele Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder wollen sich in ihren Gewändern bestaunen und fühlen sich dabei augenscheinlich ganz ritterlich. Man kann das verstehen, denn die Gewänder sind edel und man fühlt sich erhaben und majestätisch, im blauen Samtkleid, mit Federhut und Seidentasche. „Nicht nur die Frauen wollen schön aussehen, auch die Männer“, sagt Ingrid Ernst lachend.

Seit vielen Jahren leitet sie die Nähstube. Die gelernte Schneiderin ist seit 1979 im Näh-Team dabei und erklärt: „Ich stelle die Schnittmuster anhand von Bildern zusammen und achte darauf, dass die Gewänder möglichst originalgetreu aussehen.“ Gemeinsam mit Dagmar Reuter, Johanna Barnickel, Margit Wochner und Gudrun Lamm arbeitet Ernst ehrenamtlich für den Königsteiner Burgverein, doch sei die Arbeit für alle Damen eine Passion: „Wir arbeiten mit viel Leidenschaft und sind mittlerweile ein sehr gut eingespieltes Team.“ Die fleißigen Damen benötigen für die Herstellung eines Kleides etwa 40 Arbeitsstunden. „Aber wir wollen das gar nicht aufrechnen. Denn die Arbeit macht uns großen Spaß.“ Wer fürs Burgfest ritterlich gewappnet sein will, der kann noch am kommenden Dienstag von 14 bis 17 Uhr in der Nähstube auf dem „Zauberberg“ in der Robert-Koch-Straße 116b in Ruppertshain mit mittelalterlichen Gewändern ausgestattet werden. Rückfragen beantworten Ingrid Ernst unter Telefon (0 61 74) 14 30, oder Zeugwartin Dagmar Reuter unter der Rufnummer (0 61 74) 93 17 01. Die Leihgebühr für ein Erwachsenengewand beträgt 10 Euro, für Kindergewänder je 5 Euro.

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