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Kritik am Stadtmarketing: Zukunft nicht verschlafen

Von Die Zukunft des traditionsreichen Steigenberger-Hotels stand auf der Kippe. Dank einer Millioneninvestition des neuen Immobilien-Eigentümers kann Ilgo Hagen Höhn jetzt für die Zukunft planen. Das tut der neue Hoteldirektor auch – gepaart mit heftiger Kritik am Stadtmarketing.
Ein Mann der klaren Worte: Steigenberger-Direktor Ilgo Hagen Höhn.	Foto: map Ein Mann der klaren Worte: Steigenberger-Direktor Ilgo Hagen Höhn. Foto: map
Bad Homburg. 

Vor genau einem Jahr hat Ilgo Hagen Höhn die Leitung des Hotel Steigenberger übernommen. Diese ersten zwölf Monate in Bad Homburg steckten für den 45-Jährigen voller Überraschungen und brachten erhellende Einblicke hinter den Kulissen sowie wegweisende Erkenntnisse. „Bad Homburg ist gar nicht die Stadt, die ich erwartet hatte. Ich kam mit der in Deutschland weit verbreiteten Vorstellung hierher, Bad Homburg sei eine Kurstadt, die in sich ruht. Nun weiß ich, dass das überhaupt nicht zutrifft. Bad Homburg ist eine Stadt im Wandel“, fasst Höhn seine Eindrücke zusammen.

Auch die in Deutschland verbreitete Meinung, Bad Homburg sei eine von Kur und Tourismus geprägte Bäder-Metropole, stimme natürlich genauso wenig wie die Einschätzung, Bad Homburg sei eine Schlafstadt vor Frankfurt. Der Blick auf die Gäste in seinem Hotel hat ihn eines Besseren belehrt. „Wir leben nicht von Kurgästen oder Touristen, sondern von Business-Gästen“, so sein erstes Fazit. Und so kommt Höhn zu dem Schluss: Irgendetwas läuft falsch in der Stadt, die sich nach wie vor mit dem Slogan „Champagnerluft und Tradition“ schmücke. „Viele Verantwortliche in der Stadt verkennen völlig, dass der Wandel in Bad Homburg in vollem Gange ist“, kritisiert der Hoteldirektor. Allein mit Traditionspflege, Champagner-Empfängen, Kur und Gesundheitspflege wären die aktuellen Steuereinnahmen auch gar nicht zu erzielen.

Ein Leitbild muss her

In seinem ersten Jahr habe er den Eindruck gewonnen, dass viele in der Stadt auf der Suche seien und den Wandel gar nicht so wahrhaben wollten, glaubt Höhn. „Ich weiß natürlich, dass gerade Veränderung das ist, was den Menschen am meisten schreckt.“

Die aktuell gute wirtschaftliche Lage berge die Gefahr, dass man sich mit dem Bestehenden zufrieden gebe und vergesse, die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte anzupacken. „Die Verantwortlichen in Stadt und Politik müssen endlich ein neues Leitbild erarbeiten und die handelnden Akteure in Gastronomie und Hotellerie dorthin mitnehmen“, fordert Höhn.

Das Hotel Steigenberger sei ein kleines Rädchen in diesem großen System. Und alle Beteiligten müssten sich dem Wandel stellen, um in der Realität anzukommen. Höhn gibt zu, dass auch sein Hotel – unter anderem aufgrund des häufigen Wechsels in der Leitung – lange Zeit einen Investitionsstau in seiner Immobilie vor sich hergeschoben habe, die 1991 vom Axa-Versicherungskonzern gekauft wurde.

Der Pachtvertrag mit Steigenberger wäre in wenigen Jahren ausgelaufen, die dringend notwendige Modernisierung war aber nicht in Sicht. Der Hoteldirektor bestätigt, dass die Zukunft des First-Class-Hotels bis zum Eigentümerwechsel Ende vergangenen Jahres nicht sicher war. Die aktuell 60 Mitarbeiter werden sich gefreut haben, dass mit dem Verkauf der Immobilie an den Art-Invest-Fonds im vergangenen Dezember die Weichen auf Zukunft gestellt wurden.

„Der Steigenberger-Konzern hat nun seine Zusage gegeben, am Standort Bad Homburg festzuhalten und mit dem neuen Eigentümer in die Zukunft des Hotels zu investieren“, so Höhn. Mit einem nicht näher bezifferten, hohen einstelligen Millionenbetrag werde der Komplex mit seinen 148 Zimmern, 21 Suiten, acht Tagungsräumen und dem Festsaal innerhalb der kommenden 24 Monate umfassend saniert und ein grundlegender Wandel eingeleitet.

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