Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Bad Homburg 30°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Lila Samt und grüner Rock

Der 23. August ist ein wichtiger Tag für Carolin Pfaff. Dann nämlich wird die junge Ur-Königsteinerin zur neuen Lieblichkeit der Kurstadt gekrönt. Vor diesem großen Ereignis gibt die 19-Jährige im Gespräch mit Redakteur Stefan Jung den TZ-Lesern die Möglichkeit, sie etwas besser kennen zu lernen.
Carolin Pfaff übernimmt am 23. August als Burgfräulein die Regentschaft über Königstein.	Foto: sj Carolin Pfaff übernimmt am 23. August als Burgfräulein die Regentschaft über Königstein. Foto: sj

Carolin, wie war der Urlaub? Bist du gut erholt und bereit für „dein“ Burgfest?

CAROLIN PFAFF: Ich bin auf jeden Fall bereit und voller Vorfreude. Auch wenn der Urlaub subjektiv betrachtet doch immer zu kurz ist. In meinem Fall war er es zu allem Übel auch noch objektiv. Ich war nur eine Woche in Dänemark, na ja und dann hatte ich noch die beiden Tage Anfahrt von meinem Studienort nach Königstein.

Du studierst im Ausland?

CAROLIN PFAFF: Nein, in Rottenburg bei Tübingen.

Und von dort aus braucht man zwei Tage, um nach Königstein zu kommen?

CAROLIN PFAFF: Wenn man wie ich mit dem Rad fährt, schon.

Mit dem Rad? Das sind doch fast 300 Kilometer - oder?

CAROLIN PFAFF: Stimmt, ich habe eine Übernachtung in Mannheim eingeschoben.

Und dennoch ist das eine stramme Leistung. Alle Achtung. Bist du so sportlich?

CAROLIN PFAFF: Ich war zwar schon mal fitter, aber doch - ja, ich mache schon viel Sport. Als ich noch zur Schule gegangen bin, habe ich beim MTV Kronberg Duathlon gemacht. Da war zwei Mal die Woche Training angesagt. Seit ich mein Studium aufgenommen habe, fehlt mir das regelmäßige Training. Ich gehe zwar noch oft laufen und fahre mit dem Rennrad, aber mir fehlt schon das Team um mich herum.

In Rottenburg gibt es kein Team, dem du dich anschließen könntest?

CAROLIN PFAFF: Das weiß ich gar nicht. Was ich weiß ist, dass mein Studienplan mir keine Zeit lassen würde, so intensiv zu trainieren, wie es erforderlich wäre.

Was studierst du denn?

CAROLIN PFAFF: Ich studiere an der Hochschule für Forstwirtschaft.

Heißt das, dass du Försterin werden willst?

CAROLIN PFAFF: Das kann durchaus sein. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, von der Arbeit im Holzhandel bis hin zur Aufforstung im Tropenwald, die sich einem nach dem Studium bieten. Vieles wird davon abhängen wie es am Arbeitsmarkt aussieht, wenn ich mit meinem Studium fertig bin.

So oder so - es ist ein außergewöhnliches Studienfach. Wie kam’s dazu?

CAROLIN PFAFF: Für mich war nach dem Abi an der St. Angela-Schule klar, dass ich einen Beruf suche, bei dem ich nicht den ganzen Tag nur im Büro sitze, dazu bin ich viel zu gerne draußen und aktiv. Deshalb bin ich auch nach meinem Abschluss im vergangenen Jahr erst einmal für zwei Monate nach Sanya Juu in Tansania gegangen, wo ich in einem kleinen Krankenhaus mitgearbeitet habe. Ein Praktikum bei Revierförster Mathias Brand im Oberurseler Stadtwald hat mich wiederum auf die Idee gebracht, Forstwesen zu studieren. Und das habe ich auch noch keinen Tag bereut.

Aber ist das nicht eine reine Männerdomäne?

CAROLIN PFAFF: Das war es lange. Und auch heute stellen die Männer die Mehrheit in diesem Berufsfeld. Aber da ist schon eine Veränderung zu beobachten. Unter den 90 Studenten in unserem Jahrgang sind immerhin 20 Frauen, das ist ein guter Schnitt.

Worin liegt der Reiz für dich in diesem Beruf?

CAROLIN PFAFF: Es ist die Vielfältigkeit der Anforderungen. Eben noch beschäftigt man sich im Büro am PC mit der Waldbewirtschaftung, den Dienstplänen der Mitarbeiter, und im nächsten Moment ist man draußen in der Natur, schaut nach dem Rechten …

Oder sitzt auf dem Hochsitz? Die Jagd gehört doch auch dazu - oder? Ist das etwas für dich?

CAROLIN PFAFF: Um ehrlich zu sein: Als ich das erste Mal dabei war, wie ein Tier „aufgebrochen“ wurde, bin ich umgekippt. Aber das passiert mir heute nicht mehr. Grundsätzlich ist es im Studium nicht zwingend, den Jagdschein zu machen. Ich habe ihn gemacht, weil ich denke, dass er irgendwie dazu gehört. Ich werde zwar sicherlich nie zu denen zählen, die in der Jagd aufgehen. Aber allein das Beobachten der Tiere ist schon eine sehr schöne Sache - auch wenn man nichts schießt.

Bevor du allerdings die Herrin des Waldes wirst, wirst du erst einmal die Herrin über Königstein. Schon aufgeregt?

CAROLIN PFAFF: Aufgeregt - nein! Aber ein Kribbeln ist da natürlich schon. Ich denke, das verspürt jede Königsteinerin, die die Ehre hat, Burgfräulein zu werden.

Wie war das bei dir - war dir schon immer klar, dass du Burgfräulein werden willst?

CAROLIN PFAFF: Ich glaube, das war meinem Umfeld lange klarer als mir selbst. Ich bin seit Kindertagen beim Burgfest dabei. Meine Mutter Ulrike war ja 1985 selbst Burgfräulein, wir sind auch immer beim Umzug mitgelaufen oder mitgefahren. Und damals haben schon viele zu mir gesagt: „Du wirst doch sicher auch mal Burgfräulein?“ Ich selbst habe mich erst intensiver mit der Frage beschäftigt, als ich 2010 Hofdame im Hofstaat von Fiona I. wurde. In dem Jahr habe ich einen guten Eindruck von den Aufgaben eines Burgfräuleins gewonnen. Das hat mir gefallen und deshalb habe ich mich dann auch sehr gefreut, als der Burgverein im September vergangenen Jahres auf mich zukam und mich fragte, ob ich Burgfräulein werden wolle. Gleich zugesagt habe ich aber nicht.

Warum nicht?

CAROLIN PFAFF: Ich musste erst schauen, ob sich das Amt mit dem Studium vereinbaren lässt. Wenn ich es mache, will ich es schließlich richtig machen. Als das geklärt war, stand für mich außer Frage, dass ich Burgfräulein werden will.

Was macht dieses Amt für dich so besonders?

CAROLIN PFAFF: Es ist die lange Tradition und das gute Gefühl, dass beides - das Amt wie das ganze Burgfest - wichtige Bestandteile dessen sind, was ich an Königstein liebe.

Dabei spricht für sich und für dich, dass du durch und durch eine König-steinerin bist. Dein Stammbaum könnte kurstädtischer kaum sein - die Namen Pfaff, Halbach, Kleinböhl sind hier mehr als bekannt.

PFAFF (lacht): Ich glaube, dass kann man schon sagen. Vermutlich mit ein Grund dafür, dass meine Verwandten absolut begeistert sind, dass ich jetzt Burgfräulein werde.

Die Unterstützung von zuhause ist da?

PFAFF: Oh ja, und mehr als das. Mein Vater macht sich in den nächsten Tagen an den Bau meines Wagens. Meine Cousine Sandra, sie ist Floristin, zeichnet für den Blumenschmuck verantwortlich. Dazu kommen meine Mutter Ulrike, meine Geschwister Johannes und Franziska. Und dann sind da ja auch noch meine Hofdamen Patricia Früh, meine Cousine Julia Herr, mein Junker Robin Köster und meine „Patin“ Fiona.

Deine Patin?

PFAFF: Ja, das hat wohl Premiere beim Burgfest. Nachdem Patricia und ich bei Fiona 2010 Hofdamen waren und uns so gut verstanden haben, hatten wir schon damals gesagt, dass wir wieder als Trio dabei sind, wenn eine andere von uns Burgfräulein wird. Da Fiona allerdings schon Burgfräulein war und jetzt hohe Burgfrau ist, kann sie natürlich nicht mehr meine Hofdame werden. Deshalb übernimmt sie die Rolle meiner Patin.

Hast du schon einen Plan, wie du neben dem Studium die Termine als Burgfräulein unter einen Hut bekommst?

PFAFF: Ich weiß, dass da einiges auf mich zukommt. Ganz einfach wird es nicht, da ich ja unter der Woche in Baden Württemberg bin. Zum Glück fallen viele Termine in die Semesterferien. Die Verantwortlichen des Burgvereins haben aber dankenswerterweise auch schon ihr Verständnis dafür signalisiert, dass ich sicher nicht alle Termine - gerade außerhalb von Königstein - wahrnehmen werden kann. Meine Priorität liegt natürlich auf den Veranstaltungen in der Stadt und den Partnerstädten - gerade vor dem Hintergrund der 700-Jahr-Feier. Das ist schon etwas Besonderes.

Apropos „besonders“ - das gilt sicher auch für dein Kleid. Bist Du zufrieden?

PFAFF: Mehr als das, zumal ich beim Entwurf meine eigenen Ideen einbringen konnte. Die Kombination von Samt in dunklem Lila und dem cremefarbenen Brokat finde ich einfach toll. Ich bin begeistert, wie Inga Ernst, Gudrun Lamm und die anderen Mitglieder der Nähstube bei meinem Kleid wie auch bei den Kleidern der Hofdamen auf unsere Wünsche eingegangen sind.

Hast du eigentlich Sorge, dass es vielleicht das letzte Kleid für eine Lieblichkeit sein könnte und du womöglich das letzte Burgfräulein in der langen Reihe der Lieblichkeiten sein könntest? Ein Aus für das Burgfest ist nicht ausgeschlossen.

PFAFF: Ich wie auch meine Familie haben die Diskussionen der vergangenen Monate intensiv und mit großer Sorge verfolgt. Königstein ohne Burgfest - der Gedanke ist für mich nach wie vor undenkbar. Das Burgfest ist das älteste und wichtigste Heimatfest der Stadt.

Und dennoch gibt es Menschen, die zwar schon seit einigen Jahren in der Stadt wohnen, aber noch nicht einmal auf der Burg und in den Kellern mitgefeiert haben.

PFAFF: Ja, ich weiß, darin sehe ich auch ein großes Problem. Viele schauen sich das Feuerwerk und den Umzug an, nehmen an dem Fest aber sonst nicht teil. Das ist schade. Es muss ja nicht jeder durch die Keller tanzen, aber es wäre doch schön und wichtig, wenn es uns gelänge, die Leute wieder verstärkt auf die Burg zu bringen - sei es zum Frühschoppen am Montag oder auch auf ein gemütliches Gläschen im Weingarten.

Denkst du, dass es gelingen kann, das Burgfest noch näher an alle Königsteiner heranzubringen?

PFAFF: Ich hoffe es sehr. Mein Eindruck ist, dass sich das Präsidium und die Mitglieder des Vereins auch in diesem Jahr wieder mit viel Engagement und Zeitaufwand darum bemühen, das Fest für alle Generationen und Geschmäcker abwechslungsreich zu gestalten. Und ich werde meinerseits alles dafür tun, dass ich nicht die Letzte in der langen Reihe der Burgfräuleins bin.

Zur Startseite Mehr aus Hochtaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse