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Lindner will Haltung bewahren

Von Während am Sonntag die letzten Oldtimer durch die Stadt schnauften, richteten sich die Blicke auf dem Kapuzinerplatz auf einen Youngtimer: Christian Lindner. 34 ist der FDP-Mann erst, kann aber bereits eine politische Vita mit Höhen wie Tiefen vorweisen, für die mancher Alt-Liberale lange leben muss. Aktueller Status im Lebenslauf: Hoffnungsträger.
Christian Lindner (li.), FDP-Chef aus NRW, zog am Sonntag einiges an Interesse auf sich. Und das nicht nur aus dem Lager der Liberalen. Auch Vertreter anderer politischer Gruppierungen nutzten die Gelegenheit, den früheren und offensichtlich auch aktuellen Hoffnungsträger der Freien Demokraten zu treffen. Foto: ys Christian Lindner (li.), FDP-Chef aus NRW, zog am Sonntag einiges an Interesse auf sich. Und das nicht nur aus dem Lager der Liberalen. Auch Vertreter anderer politischer Gruppierungen nutzten die Gelegenheit, den früheren und offensichtlich auch aktuellen Hoffnungsträger der Freien Demokraten zu treffen. Foto: ys
Königstein. 

Der Platz auf der kleinen Couch neben Christian Lindner ist begehrt. Eben noch sitzt Bettina Stark-Watzinger, Bundestagskandidatin der FDP für den Wahlkreis 181, an seiner Seite, dann ist Dr. Stefan Ruppert, ihr Kollege aus dem Nachbarwahlkreis 176, an der Reihe. Die Kamera klickt, der Schuss ist im Kasten - der Nächste bitte zum Fototermin mit dem gereiften „Jungen Wilden“.

Zwar ist der immer noch junge, aber keineswegs mehr jungenhaft wirkende FDP-Mann aus NRW nicht so sehr im Wahlkampfmodus wie seine hessischen Parteifreunde. Angriffslustig und humorvoll spitzzüngig ist er am Sonntagabend beim Wahlkreis übergreifenden Sommerfest der Taunus-Liberalen auf dem Königsteiner Kapuzinerplatz aber schon.

 

„Luft der Freiheit“

 

Selbst aus einem von SPD und Grünen „gefesselten“ Bundesland kommend, sei er froh, in Hessen sein und die „Luft der Freiheit“ atmen zu dürfen, umgarnt Lindner seine Gastgeber. Nicht nur damit trifft er offensichtlich gleich den Ton, den zumindest das Gros der zahlreich versammelten Gäste hören will: Selbstbewusst, hoffnungsvoll, mit mehr als nur einem Schuss Spott für den politischen Gegner.

Beispiel: Der im Wahlprogramm der Grünen vorgeschlagene Veggie-Day. Genüsslich nagt Lindner - umwabert vom Bratwurst-Duft des FDP-Grills - das für einen Wahlkämpfer reichlich vorhandene „Fleisch“ von diesem Knochen. „Die wollen über uns entscheiden - und zwar mit Haut und Haaren“, wettert der FDP-Mann gegen die von den Grünen angestrebte, „große Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft“ bis hinein in die „privatesten Bereiche“.

Er selbst halte es da lieber mit Friedrich dem Großen. Jeder solle gefälligst nach seiner Façon und niemand nach der von Renate Künast glücklich werden. Denn der, so Lindner mit der verbalen Stricknadel stechend, stehe die „Lebensfreude“ ja wohl ins Gesicht geschrieben.

Die Botschaft des Liberalen an diesem Abend ist klar: Am 22. September wird an der Wahlurne Grundsätzliches geklärt. Es geht um „Haltungsfragen“. Die Botschaft ist klar: Wer Schwarz und vor allem Gelb das Kreuz verweigert, wählt die Umverteiler, die Regulierer und Gleichmacher. „Wir wollen keine leistungslose Gesellschaft und deshalb auch keine leistungslose Schule“, nimmt sich Lindner Überlegungen zum Notenverzicht in einigen von Rot-Grün regierten Ländern vor.

 

Gegen Steuererhöhungen

 

Gleicher Tonfall, anderes Thema: die Finanzen. „Im Mittelalter musste das Volk den Zehnten an den Fürsten abgeben. Bei Jürgen Trittin kann der Bürger froh sein, wenn er den Zehnten noch behalten darf“, greift der 34-Jährige die geplanten Steuererhöhungen der Grünen für Vermögende und Spitzenverdiener an. Statt dem Bürger mehr Geld aus dem Portemonnaie zu ziehen und in die Staatskasse zu werfen, gelte es, zu sparen und zu wirtschaften. Das habe die amtierende Koalition - wenn auch sonst nicht alles einvernehmlich lief - in der jetzt endenden Legislaturperiode „ausgezeichnet“ gemacht.

Für den FDP-Politiker ist das auch der einzig gangbare Weg zur Überwindung der Eurokrise. Natürlich, so Lindner, würden es einige EU-Nachbarn lieber sehen, wenn im Herbst Schwarz-Gelb abtrete und Rot-Grün die staatlich finanzierte Konjunkturpolitik wieder aus der Schublade hole. Aber was wäre die Folge?

 

Frankreich als Warnung

 

Vor allem Frankreich - der neue „kranke Mann“ Europas - dient dem FDP-Mann hier als Blaupause des Schreckens. Während die französische Presse schon von ihrem Premier fordere, den „Schröder zu machen“, wollen „SPD und Grüne, dass wir uns an Hollande ein Beispiel ein nehmen“. Nicht mit den Liberalen. „In Deutschland die Steuern zu erhöhen, um leichter in Europa Schulden zu machen, das kann nicht sein“, schnitzt Lindner seine Botschaft unmissverständlich ins Holz. Es geht an diesem Sonntagabend eben um „Haltungsfragen“.

Dazu gehörte bei wahlkämpfenden Liberalen in der Vergangenheit auch immer das stete Drehen an der Gebetsmühle von der Steuersenkungspartei. Die allerdings bedient Lindner eher zurückhaltend. Das Ende der Praxisgebühr will er dann aber doch auf die Fahne seiner Partei geschrieben wissen. Zudem müsse die Dämpfung der kalten Progression auf die Tagesordnung - nach der Wahl.

Vor dem Urnengang gibt’s zumindest schon mal die Begründung: „Der Aufschwung muss beim Arbeitnehmer ankommen.“ Da dürfe es nicht sein, dass der Staat überproportional an den Lohnerhöhungen mitverdiene, die sich die Bevölkerung erarbeitet habe.

   ZUM ...

„Ich denke, so ein Wahlkampfauftakt kann sich sehen lassen“, konstatierte Alexander Freiherr von Bethmann, Vorsitzender der Königsteiner FDP, mit Blick auf die ansehnliche Zahl an Gästen,

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