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Kita Leimenkaut Martini Sankt Martin: Mond und Sterne statt St. Martin

Von Aus Rücksicht auf Mitglieder anderer Kulturkreise wird in der städtischen Kita Leimenkaut nicht mehr St. Martin, sondern das „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ gefeiert. Dafür haben nicht alle Eltern Verständnis.
Ober-Eschbach. 
Lampion © Askhanir - Fotolia.com Bild-Zoom
Lampion © Askhanir - Fotolia.com
In der städtischen Kindertagesstätte Leimenkaut wird nicht mehr explizit St. Martin, sondern das „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ gefeiert. Doch wie kommt man auf die Idee, den Namen eines solch traditionellen Festes zu ändern? „Keine große Sache“, versichert Stadtsprecher Andreas Möring. Einen religiösen Hintergrund habe die Umbenennung nicht.

Das nehmen etliche Eltern der Einrichtung gänzlich anders wahr. Denn ihnen wurde gesagt, dass man das Fest umbenannt habe, um niemanden - sprich Kinder und Eltern anderer Kulturkreise - zu diskriminieren. Einer anderen Mutter wurde gesagt, dass das „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ „politisch korrekter“ sei. Ganz offensichtlich handelt es sich bei dem Fest, das jetzt an der Leimenkaut gefeiert wird, in den Grundzügen noch immer um das Martins-Fest. Es wird also mit Laternen durch die Straßen gezogen, und am Ende gibt es ein großes Feuer. Einen St. Martin auf dem Pferd gibt es allerdings nicht mehr. Die Lage ist unübersichtlich. „Es ist irgendwie eine Durchmischung von Festen“, sagt ein Vater.

 

Wenig Verständnis

 

Ex-OB Wolfgang R. Assmann, eine führende Kraft beim Trialog der Kulturen, hat für solche Verrenkungen wenig Verständnis. Denn der Grundgedanke, der hinter dem Martins-Fest stehe, sei für alle Religionen gültig. „Das Teilen mit Armen ist ein sehr vernünftiger Gedanke. Daher ist die Umbenennung in meinen Augen seltsam“, so Assmann.

Der katholische Pfarrer Werner Meuer ist darüber nicht wirklich erstaunt: „Ich nehme das im Rahmen der allgemeinen säkularen Tendenzen in unserer Gesellschaft wahr.“ Für seine kirchlichen Kindertagesstätten würde er eine solche Umbenennung allerdings ausschließen. „Dieses Fest geht nun mal auf den Heiligen Martin zurück.“ Prinzipiell aber sei die Idee des Teilens nicht unbedingt ein rein christlicher Standpunkt. „Es ist schade, wenn so gesellschaftlich relevante Themen künftig nicht mehr präsent wären“, so Meuer weiter. Sollte es Missverständnisse rund um das Fest geben, wäre er jederzeit bereit, die Geschichte noch mal genau zu erklären.

 

Miteinander reden

 

Der Dekan der Evangelischen Kirche im Hochtaunuskreis, Michael Tönges-Braungart, rät allen Beteiligten, miteinander zu reden. Auch er habe schon erlebt, dass Kinder aus anderen Kulturkreisen Probleme hätten, den Martinstag zu feiern. Letztlich ist aber auch Tönges-Braungart der Meinung, dass der Grundgehalt des Festes - „Barmherzigkeit und Solidarität mit den Armen“ - ein Gedanke ist, auf den sich alle Religionen einigen könnten.

Das Thema ist übrigens nicht ganz neu: Vor elf Jahren hatte die städtische Kita in der Engelsgasse St. Martin kurzerhand abgeschafft und durch Halloween ersetzt. Das Argument seinerzeit: St. Martin sei ein christliches Fest, der Kindergarten jedoch städtisch und nicht kirchlich. Der mittlerweile verstorbene CDU-Politiker Bernd Hamer hatte damals von einer „unfassbaren Kapitulation der christlich-abendländisch orientierten Mehrheit der Elternschaft“ gesprochen.

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