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Ober-Erlenbach tut was für seine Streuobstwiesen

Die Homburger Streuobstwiesen sind gewaltige Obstlieferanten. Jedes Jahr werden mehrere 100 Tonnen geerntet. Doch die einzigartigen Biotope sind in Gefahr. Beim Apfeltag am Sonntag auf dem Oberhof standen sie im Mittelpunkt.
Ralf Falkenstein, Martin Glöckner und Alfred Herbert (von rechts) haben den Apfelsaft im Auge - er wird abgekocht.	Foto: Jens Priedemuth Ralf Falkenstein, Martin Glöckner und Alfred Herbert (von rechts) haben den Apfelsaft im Auge - er wird abgekocht. Foto: Jens Priedemuth
Ober-Erlenbach. 

Geht Frank Falkenstein am Wingert spazieren, gilt sein erster Blick den Obstbäumen, die dort auf einem 25 Hektar großen Gebiet verteilt stehen. „Bereits in der Römerzeit wurde hier Wein angebaut. Heute sind es vorwiegend Äpfel, Kirschen, Birnen und zwischendurch einmal ein Speierling“, erklärt der Vorsitzende der Vogelgruppe Ober-Erlenbach.

Früher wurde der gesamte Obstbedarf des Ortes über die Anbauflächen am Wingert gedeckt. Doch mit zunehmender Verfügbarkeit von Obst im Supermarkt sank das Interesse, die Streuobstwiesen weiter zu bewirtschaften. „Jahrelang wurde nichts getan. Die Wiesen wurden nicht mehr abgemäht, selbst das Vieh weidete dort nicht mehr. Eine fatale Situation“, beschreibt Falkenstein.

 

9000 Tiere leben dort

 

Schnell verbuschten und verwucherten die Streuobstwiesen. „Damit gerät auch das ökologische Gleichgewicht aus den Fugen.“ Denn Streuobstwiesen sind einzigartige Biotope und beherbergen zwischen 8000 und 9000 Lebewesen. Zu Beginn der 90iger Jahre schlossen sich in Ober-Erlenbach die Vogelgruppe, der Ortsbauernverband, die Fischer und die Jagdgenossenschaft zu einer Hegegemeinschaft zusammen, um in den darauffolgenden zehn Jahren rund 1000 neue Bäume zu pflanzen.

Der Ober-Erlenbacher Ortslandwirt Georg Kopp erzählt, dass die Pflege inzwischen zumindest in Ober-Erlenbach gut organisiert sei. „Das Milchvieh und die Schafe weiden die für Mähtraktoren unzugänglichen Landstriche ab. Und im Frühjahr sammeln wir das Totholz ein“, sagt der Landwirt.

Darüber ist Doris Klenk von der städtischen Umwelt- und Landschaftsplanung froh. „Insgesamt verschwinden immer mehr Streuobstwiesen. Die Bestände sind vielerorts überaltert. Wir werben für den Erhalt. Doch um die Bestände zu sichern, muss auch nachgepflanzt werden“, meint Klenk.

Zum Thema: Obstbrand aus Erlenbach

Von kommenden Freitag an hat Ober-Erlenbach wieder eine eigene Obstbrennerei.

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Das macht in Ober-Erlenbach oft die Hegegemeinschaft. „Wir haben Wildblumenwiesen angelegt, um den Bienen im Herbst noch Futter anbieten zu können. Auf einem Grundstück eines Mitglieds haben wir zudem eine Salzlecke fürs Rehwild und eine Ecke zur Fasanen-Fütterung eingerichtet“, berichtet Nabu-Ortsgruppenvorsteher Falkenstein. Ihm ist wichtig: „Hundebesitzer sollen auf den Wegen bleiben und die Hinterlassenschaften einsammeln. Die Wiesen werden regelmäßig abgemäht und zu Heu. Kotrückstände sind ein wahres Ärgernis“, macht er deutlich.

Der Apfeltag wird abwechselnd in den verschiedenen Streuobstgebieten Bad Homburgs gefeiert. Die Stadt initiierte die Veranstaltung vor acht Jahren, um auf die zunehmende Verbrachung und das Verschwinden der Streuobstwiesen aufmerksam zu machen.

Die landschaftsprägenden Streuobstbestände der Kurstadt liegen im Kirdorfer Feld, in Ober-Erlenbach, am Platzenberg und am Pilgerrain. „Die Streuobstwiesen sind nicht nur als Erholungslandschaft wichtig, sondern aufgrund ihres Artenreichtums auch ökologisch äußerst wertvoll“, betont Landschaftsplanerin Doris Klenk.

Pächter oder Grundbesitzer von Streuobstwiesen werden deshalb auch unter bestimmten Voraussetzungen von der Stadt Bad Homburg gefördert. „Wir unterstützen diejenigen, die sich für den Erhalt der Streuobstwiesen einsetzen, das Grünland extensiv nutzen und alte regionale Obstsorten anpflanzen“, so Klenk. mlf

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