Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Reich an Geld, arm an Manieren

Kammerspiel in der Werkstatt: Das Volkstheater Hessen gab Adolf Stoltzes Schwank „Verspekuliert“. Ganz nahe am Geschehen waren die Zuschauer beim Theaterabend der Kulturgesellschaft in Ferdinand Haubs Dachdeckerei.
Königstein. 

Was meint er es doch so gut mit Tochter Lenchen, der Herr Balser Knoblauch. Eine vorteilhafte Partie soll das Fräulein aus neureichem Hause machen, einen mutmaßlich vermögenden Wein- und Essighändler ehelichen. Nicht etwa diesen Schorsch, den fleißigen, aber mittellosen Sprössling der Gemüsehändlerin Schnatter.

Doch Balser Knoblauch liegt gehörig daneben. Die Gefühle und den Witz seiner Tochter schätzt er ebenso falsch ein wie seine eigenen Fähigkeiten. Vor allem der richtige Gebrauch von Fremdwörtern will gelernt sein, sonst wird’s unfreiwillig komisch. Am Ende hat sich der dünkelhafte Rentier in jeder Beziehung gehörig „Verspekuliert“.

Worum es geht und worauf es hinausläuft, wird rasch klar in Adolf Stoltzes Schwank, der am Freitagabend bei „Theater in der Werkstatt“ der Königsteiner Kulturgesellschaft über die Bühne ging. So fesselt denn weniger der gut zu überschauende Handlungsstrang denn die Stoltzesche Komik der Situationen und der Frankforderische Wortwitz.

Der kommt gleich in der ersten Szene zur Geltung, wenn die resolute Marktfrau Schnatter – ein wahrhaft „sprechender“ Name! – die wählerische Jungfer Essig nach Strich und Faden in den Senkel stellt. Sie mag sie nicht, die „Schnorrer und die Dohle, die nix gebbe, sondern hole“. Silvia Tietz verleiht der Gemüsehändlerin Statur und kernig-respektgebietende Stimme. Dem setzt Sabine Isabel Roller ihre gezierte Jungfer Essig samt maliziösem Spiel der Mundwinkel entgegen.

Flamboyant der Auftritt Andreas Walther-Schroths in der Rolle des Balser-Knoblauch, Herr Neureich in Person. An seinen Status hat sich der reiche Erbe schnell gewöhnt, noch schneller ans herablassende Kommandieren: „So Leut muss mer ja zeische, dass mer übber ihne steht!“ Sprichts und fährt fort, den Kofferträger (Steffen Wilhelm, der auch inszenierte und Regie führte) zu kujonieren. Sichtlich unwohl fühlt sich der Parvenü allerdings, nachdem er der eingedusselten Marktfrau das wohlgehütete Sparbüchlein des Sohnes stibitzt hat, um dessen Vermögensverhältnisse auszukundschaften.

Papa lernt dazu

Nur gut, dass sich das junge Glück nicht beirren und gegeneinander ausspielen lässt. Vor allem Lenchen (Iris Reinhardt Hassenzahl) bewahrt charmant den Überblick und leiert dem Herrn Papa schließlich ein stattliches Sümmchen als Mitgift aus den Rippen. Sie zeichnete ihre Rolle ebenso treffend wie Tim Grothe den auf den ersten Blick etwas einfach wirkenden Sohn Schorsch, der sich jedoch als sympathisch gewitzter Gegenspieler seines Schwiegervaters in spe erweist.

Seine Bühne hatte das „Volkstheater Hessen“ auf Einladung der Kulturgesellschaft einmal mehr in der Werkstatt von Dachdeckermeister Ferdinand Haub aufgeschlagen. Ihm und seiner Familie dankte Vorsitzende Almut Boller für die Gastfreundschaft und die Einrichtung der „Theaterwerkstatt“. Dem Publikum gefiel die Vorstellung, es gab viel Applaus für die Akteure des aus dem Frankfurter Volkstheater hervorgegangenen Ensembles.

(bol)
Zur Startseite Mehr aus Hochtaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse