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Selbst das Ewige wandelt sich mit der Zeit

Von Die Themenführung der Stadtarchivarin Beate Großmann-Hofmann zu Denkmälern, Brunnen und Kunst in Königstein ließ Bilder aus längst vergangenen Zeiten wieder aufleben. Der Gang zeigte: Nicht auf alle Hinterlassenschaften ist man heute noch stolz, manche Denkmäler wechselten bereits mehrfach ihre Form.
Gustav Eberlein schuf das Herzog-Adolph-Denkmal 1910.	Foto: dsc Gustav Eberlein schuf das Herzog-Adolph-Denkmal 1910. Foto: dsc
Königstein. 

Im alltäglichen Leben werden Denkmäler leicht übersehen. Wer jeden Morgen aus oder nach Königstein zur Arbeit fährt, wird beispielsweise den Ella-Sprudel an der Ecke Frankfurter Straße und Adelheidstraße kaum mehr bewusst wahrnehmen. Als Martin Luther den Begriff "Denkmal" bei der Übersetzung des Alten Testaments einführte, hatte er das Bild einer Gedächtnisstütze im Sinn. Genau diese Aufgabe übernahm die Stadtarchivarin Beate Großmann-Hofmann bei der jüngsten Themenwanderung durch die Kurstadt. Der Spaziergang führte zu Denkmälern und Brunnen – und klärte über ihre spannende Entstehungsgeschichte auf.

So war der 1896 mit Hilfe von Spenden errichtete Ella-Sprudel einst Teil eines repräsentativen Entrees in die Stadt, die zu Blütezeiten der Kur bis zu 9000 Gäste im Jahr empfing. "Die Idee war, einen richtigen kleinen "Schmuckplatz" zu schaffen", so Großmann-Hofmann. Bis 1964 führte der Brunnen natürliches Wasser aus dem Höhenbach, bevor er an die städtischen Wasserleitungen angeschlossen wurde.

Apropos Wasser: Bei einem Rundgang durch Königstein darf Georg Pingler nicht fehlen. Nach dem beliebten "Wasserdoktor" ist nicht nur eine Straße in der Kernstadt benannt. Seit 99 Jahren wird sein Andenken auch mit dem Dr. Pingler-Brunnen in Ehren gehalten.

Pingler kam um 1850 nach Königstein und hatte große Erfolge mit seinen Wasserbehandlungen. Großmann-Hofmann: "Außerdem entdeckte er die heilende Wirkung des Königsteiner Klimas mit den Fallwinden vom Feldberg."

Vor 1913 stand an der Stelle des Brunnens ein "Germania"-Denkmal, das an die Ecke Limburger- und Theresenstraße verlegt und 1917 schließlich eingeschmolzen wurde. 1929 gestaltete der Künstler Heinrich Marnet einen neuen Aufsatz für das Podest. Als Kriegerdenkmal erinnert ein Adler mit Ehrenkranz an die Opfer des Deutsch-Französischen Krieges. Dass die Inschrift mit dem Satz "Den zukünftigen Geschlechtern zur Nacheiferung" endet, stieß bei einzelnen Teilnehmern des Spaziergangs auf Kritik. "Es ist interessant, dass es nur ein Jahr später ein zweites Kriegerdenkmal in Königstein gab", erklärte die Stadtarchivarin.

Dieses steht bis heute in der nach dem ehemaligen Bürgermeister Hubert Faßbender benannten Anlage, sah jedoch zwischen 1930 und 1945 ganz anders aus. "Zu sehen war ein Mann mit einem breiten Schild vor sich. Er war nackt, hatte aber einen Helm auf dem Kopf." Vermutlich wirkte das Ehrenmal zu martialisch. 1950 wurde das Denkmal in seiner jetzigen Form, einer stilisierten Schale, eingeweiht.

Hintergründiges hatte Beate Großmann-Hofmann auch zum Herzog Adolph-Denkmal zu berichten. Es wurde 1910 im Beisein der Witwe Adelheid Marie eingeweiht, doch der Schöpfer selbst war nicht anwesend. Gustav Eberlein, der bereits die besagte Germania-Statue erschaffen hatte, ließ sich entschuldigen. Er hatte den Auftrag für ein argentinisches Freiheitsdenkmal in Buenos Aires erhalten, das zur gleichen Zeit eingeweiht wurde. "Damals musste man noch per Schiff reisen und war wochenlang nach Südamerika unterwegs", erklärte die Stadtarchivarin.

Spuren aus allen Epochen

Wer mit offenen Augen durch die Kurstadt geht, entdeckt viele weitere Stellen, an denen Geschichte lebendig wird. Sowohl die ältere, für die beispielsweise das Alte Rathaus oder das ehemalige Tauchbad der jüdischen Gemeinde in der Gerichtsstraße steht, als auch die neuere.

Die Brunnen aus den Partnerstädten Le Mêle und Le Cannet können hierfür als Beispiel dienen, ebenso die wiederhergestellte Kunst am Haus der Begegnung. Alle diese Orte haben eines gemein: Sie laden die Königsteiner und ihre Gäste zum Innehalten und Nachdenken ein.

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