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So geht’s zu den Hörbüchern

Oberursel ist beim hessischen Modellprojekt „Hörbücherei vor Ort“ mit dabei. Es soll sehbehinderten Menschen den Zugang zu auditiven Medien erleichtern – und Hemmschwellen abbauen.
Benedikt Weber vom hessischen Sozialministerium, Erster Stadtrat Christof Fink, die Oberurselerin Brigitte Buchsein und Rudolf Ullrich von Deutschen Blindenstudienanstalt (von links) schalteten die neue Internetseite www.hoerbuecherei-vor-ort.de offiziell frei. 	Foto: Reichwein Benedikt Weber vom hessischen Sozialministerium, Erster Stadtrat Christof Fink, die Oberurselerin Brigitte Buchsein und Rudolf Ullrich von Deutschen Blindenstudienanstalt (von links) schalteten die neue Internetseite www.hoerbuecherei-vor-ort.de offiziell frei. Foto: Reichwein
Oberursel. 

„Wo stehen die Großdruckbände?“ Wenn ein Besucher mit dieser Frage in eine Bücherei kommt, fällt ihm das Lesen in einem „normalen“ Buch oder in einer Zeitschrift bereits schwer. Lässt die Sehkraft weiter nach, geht für ihn ein ganz wichtiger Zugang zu Bildung, Kultur und Unterhaltung verloren. In sechs Büchereien Hessens, auch der Oberurseler, sind die Mitarbeiter jetzt besonders sensibilisiert für dieses Thema. Und sie können Menschen mit einer Sehbehinderung dank des Modellprojekts „Hörbücherei vor Ort“ ganz gezielt weiterhelfen – mit Hörbüchern.

Gestern fiel in Oberursel der Startschuss für das Projekt. Hierfür stellt die Deutsche Blindenstudienanstalt (blista) in Marburg ihre mehr als 40 000 Hörbücher per Online-Katalog zur Verfügung. Wer möchte, kann einem Mitarbeiter der Stadtbücherei seinen Buch-Wunsch nennen. Dann wird geprüft, ob es das gewünschte Werk als Hörbuch gibt. Wenn ja, erhalten die Besteller es portofrei nach Hause geschickt. Außerdem stehen die Werke über die Internetseite www.hoerbuecherei-vor-ort.de zur kostenlosen Ausleihe zur Verfügung – von Andersen bis Zola.

Die Homepage wurde gestern in Oberursel offiziell freigeschaltet. Finanzielle Unterstützung für den Aufbau der Seite gab’s vom hessischen Sozialministerium in Höhe von rund 6500 Euro.

Brigitte Buchsein freute sich gestern riesig, dass die Brunnenstadt bei „Hörbücherei vor Ort“ dabei ist. Die Oberurselerin, die sich beim Blinden- und Sehbehindertenbund engagiert, weiß, wie schwer es gerade älteren Menschen fällt, sich im Wirrwarr der Angebote zurechtzufinden. Sie wüssten oft nicht, dass es die Hörbücher der blista gibt oder sie stellten sich die Ausleihe kompliziert vor, berichtete Buchsein. „Es ist so wertvoll, wieder ,lesen‘, wieder mitreden zu können“, weiß die Oberurselerin, die selbst von Geburt an blind ist.

Die Hörbücher, die das Bibliotheksteam der blista verschickt, unterscheiden sich von denen, die im Handel erhältlich sind, in mehreren Punkten. Sie entsprechen 1:1 der gedruckten Version, sind also nicht gekürzt.

Außerdem befindet sich der Text meist nur auf einer CD. Es muss also nicht darauf geachtet werden, ob der richtige Teil im Abspielgerät steckt – eine immense Erleichterung für sehbehinderte Menschen. Bis zu vier Hörbücher können gleichzeitig ausgeliehen werden. Wer das Angebot nutzen möchte, muss Mitglied werden (keine Aufnahmegebühr) und einen Nachweis über die Sehbehinderung vorlegen – zum Beispiel in der Stadtbücherei.

Dort erhalten Interessierte auch Infos zu speziellen Abspielgeräten für sehbehinderte Menschen. „Sie erleichtern das Navigieren“, erläuterte Claudia Hannes, Leiterin der Stadtbücherei. Über wenige Knopfdrücke gelange man zum gewünschten Kapitel oder Zeitschriftenartikel. Denn über blista kann zum Beispiel auch den „Spiegel“ (kostenpflichtig) abonniert werden. Das Nachrichtenmagazin gibt’s übrigens auch zum Download.

Hörbücher direkt von der blista-Internetseite herunterzuladen ist allerdings nicht möglich. „Das ist urheberrechtlich noch nicht erlaubt“, erläuterte Rudolf Ullrich von der Blindenstudienanstalt.

Per gelber Box zurück

„Die Rücksendung der Hörbücher ist aber wirklich einfach“, versicherte Brigitte Buchsein. Die CDs werden in den gelben Plastik-Boxen, in denen sie angekommen sind, auch wieder zurückgeschickt. „Die Boxen müssen nur zum Briefkasten gebracht werden.“ Das könne auch ein Verwandter oder Freund des sehbehinderten Menschen übernehmen, sagte Buchsein.

Über die Zusammenarbeit mit den sechs hessischen Stadtbibliotheken – außer Oberursel sind Bad Hersfeld, Gießen, Hanau und Marburg dabei – will Rudolf Ullrich das Angebot der Deutschen Blindenbibliothek der blista bekannter machen. Zunächst hatte er dafür in der Stadtbücherei Marburg nachgefragt. Woraufhin der dortige Leiter Jürgen Hölzer die Kollegen der fünf anderen Einrichtungen anrief.

„Das ist ein wunderbares Projekt, das uns wissender gemacht hat“, lobte gestern Beate Schwartz-Simon, Leiterin der Stadtbibliothek Hanau und früher Leiterin in Oberursel. „Es verbessert die Qualität der Stadtbüchereien“, ist sie überzeugt. „Vielen Dank, Herr Hölzer, dass Sie uns angerufen haben.“

Die Internetseite www.hoerbuecherei-vor-Ort.de ist barrierefrei. Dort finden Interessierte nicht nur den Hörbuch-Katalog, sondern auch Informationen zu Augenkrankheiten.

(Martina Jensong)
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