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So ist es um Kronberg bestellt

Von Boris Schöppner Der erste Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Kronberg zeigt, wie es heute um die Verschuldung, die Wachstumsperspektiven, die kommunale Energiewende und um das bürgerschaftliche Engagement bestellt ist. In zwei Jahren soll dann überprüft werden, in welche Richtung sich die Burgstadt entwickelt hat.

Kronberg. 

Anderthalb Stunden hatten die Besucher dem Vortrag am Mittwochabend über den ersten Kronberger Nachhaltigkeitsbericht schon zugehört und sich die Grafiken auf der Leinwand angeschaut. Doch als dann der Nachhaltigkeitsbericht in gedruckter Form unter den Anwesenden im Raum Feldberg der Stadthalle verteilt wurde, blätterten sie ganz aufgeregt darin herum. Das gilt selbst für die Mandatsträger, die schon vorab elektronische Fassungen zur Verfügung gestellt bekommen hatten.

Das belegt, der Nachhaltigkeitsbericht ist eine spannende und verständliche Lektüre, aus dem umfangreichen Zahlenwerk können selbst Kronberg-Experten noch etwas lernen.

Der Nachhaltigkeitsbericht, das sei vorausgeschickt, bevor wir schauen, was da alles Interessantes drinsteht, entstand in Kooperation zwischen der Stadt und der Preyer GmbH. Das Kronberger Unternehmen verzichtete in diesem Falle auf Honorar, will sein erworbenes Wissen nutzen, um künftig anderen Kommunen die Dienstleistung, beim Erstellen eines solchen Berichts behilflich zu sein, anbieten zu können. Dann aber gegen Rechnung.

Dr. Andreas Muth von der Preyer GmbH pickte sich einige interessante und kuriose Daten aus dem 52 Seiten umfassenden Bericht heraus und bewies in seinem kurzweiligen Vortrag, dass Statistik durchaus spannend sein kann. Die Kriminalitätsrate in Kronberg ist gering, der Wasserverbrauch hoch, der Anteil der 85-Jährigen ist enorm, die Geburtenrate sowohl im Bundes- als auch im Landesvergleich mit 8,9 Prozent überdurchschnittlich. Es ziehen mehr Leute nach Kronberg als weg, aber weil mehr Menschen sterben, als geboren werden, ist bis 2030 mit einem moderaten Bevölkerungsrückgang zu rechnen. Dann würden nur noch rund 17 000 Menschen in Kronberg leben, zurzeit sind es mehr als 18 000.

Nachhaltigkeit geht von einem Gleichgewicht der Bereiche Wirtschaft, Ökologie und Gesellschaft aus. So gliedert sich auch der Bericht.

Wirtschaft

Seit Jahren hat Kronberg mehr ausgegeben als eingenommen, die Aufwendungen überstiegen im Betrachtungszeitraum, also von 2009 bis heute, die Erträge. Im Nachhaltigkeitsbericht wird noch ein Defizit von 6,1 Millionen Euro angenommen. Der Nachtragshaushalt ist da noch nicht eingepreist. Der aktuelle Stand: ein Defizit von 9,1 Millionen Euro. Laut Planung ist angestrebt, den Fehlbetrag bis 2015 schrittweise auf ein Defizit von 3,6 Millionen zu verringern. Ein weiteres Ziel: "Mittelfristig wird ein ausgeglichener Haushalt angestrebt." Erreicht werden sollen diese Ziele mit Gebührenanpassungen und Stellenplanreduzierung sowie der Ansiedlung neuer Gewerbesteuerzahler. Muth machte auf das große Zinsänderungsrisiko aufmerksam. Steigen die Zinsen, wächst die Belastung für Kronberg spürbar.

Kurios: Kronbergs Gewerbesteuereinnahmen je Einwohner lagen 2010 laut Bericht "deutlich" über den vergleichbaren Erträgen im Kreis. Die Pro-Kopf-Verschuldung ist in Kronberg mit 1212 Euro vor 1003 Euro im Hochtaunuskreis 2010 aber auch höher.

Eine Herausforderung, über die schon mehrfach diskutiert wurde: Wie lässt sich die Kaufkraft in Kronberg besser binden? Auch darum geht es im Bericht.

Umwelt

234 Euro zahlt der Kronberger Bürger pro Jahr für Wasser und Abwasser – im Durchschnitt. Wegen der vielen Gärten, so heißt es in dem Bericht, sei der Wasserverbrauch überdurchschnittlich hoch: In Kronberg werden 152 Liter pro Einwohner und Tag verwendet, in Hessen sind es 121 Liter.

Auf 1000 Anwohner kommen in Kronberg 598 Autos, im Landesdurchschnitt sind es 541 Pkw. Fortschritte gibt es in den Bereichen Energiesparen und Nutzung alternativer Energien – dank der vierten Bürgersolaranlage.

Gesellschaft

107 Kinder erhalten Sozialgeld, 19 Jugendliche Hartz-IV-Leistungen. 19, das klingt nicht viel, doch wenn man sieht, dass sich der Anteil seit 2006 mehr als verdoppelt hat, wird deutlich, dass die Politik dieses Problem nicht aus den Augen verlieren darf.

Als "vorbildlich" bezeichnete Muth das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren. Bloß: Trotz der Erreichung der 35-Prozent-Quote könne die Stadt den Rechtsanspruch für Kinder von eins bis drei noch nicht garantieren, der mit Beginn des Kindergartenjahres 2013/14 gilt. Ein Trend, der laut Bericht für den Bereich Gesellschaft insgesamt auszumachen ist: "Bürgerbeteiligung gewinnt an Bedeutung."

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