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Zweitklässler singen ihre Angst weg

Von Zwei Schauspieler und ein Symphonieorchester begleiteten 500 Zweitklässler bei zwei Aufführungen. Eltern, Familien und Freunde spendeten in der ausverkauften Stadthalle lange Beifall.
Begeistert trugen die jungen Sänger die Lieder vom Stück „Mareike spinnt“ vor. Im Vordergrund sind Kinder aus der Burgwiesenschule in Bommersheim zu sehen. 	Foto: Pieren Begeistert trugen die jungen Sänger die Lieder vom Stück „Mareike spinnt“ vor. Im Vordergrund sind Kinder aus der Burgwiesenschule in Bommersheim zu sehen. Foto: Pieren
Oberursel. 

„Ich hab Gänsehaut, die mir die Luft zum Atmen klaut“, singt Berhan inmitten eines 250-köpfigen Kinderchores. Gänsehaut überkommt auch seine Mutter Hicran Arslan, als sie ihren siebenjährigen Sohn völlig selbstverständlich auf der Bühne singend erlebt - noch dazu unterstützt von einem Symphonieorchester.

„Gänsehaut, weil mich ein Monster hinterm Bett anschaut“, singt Berhan gemeinsam mit seinen Schulkameraden aus den zweiten Klassen der Geschwister-Scholl-Schule (Steinbach). Auch die Zweitklässler der Burgwiesenschule Bommersheim sowie der Grundschulen Stierstadt und Weißkirchen singen ihre Angst vor ekligen Spinnen in ihren Kinderzimmern heraus. Dabei kribbeln und krabbeln sich die Kinder mit den Fingern über die Arme.

Die Musiker der Kammerphilharmonie Rhein-Main unterstreichen mit ihrer feinfühligen Instrumentalbegleitung beim „Monsterkanon“ und dem „Angstlied“ die schaudernde Angst und das abscheuliche Gruseln der Kinder.

„Seit Wochen haben unsere Kinder uns zu Hause voller Begeisterung die Lieder vorgesungen. Sie haben uns all die Bewegungen gezeigt, die zu den Liedern gehören. Ich kann sie alle auswendig“, sagt Hicran Arslan und ist tief gerührt über das Erlebte.

Mit dem Musik-Projekt „Mareike spinnt!“ hat die Musikschule Oberursel geschafft, was sie sich bereits vor 25 Jahren bei ihrer Gründung auf die Fahnen geschrieben hatte. „Der Zugang zu Kultur darf nicht in erster Linie durch einen gefüllten privaten Geldbeutel bestimmt sein“, sagt Musikschulleiter Holger Pusinelli. Durch die aktive Partnerschaft mit den Regelschulen der Brunnenstadt hat die Musikschule die gesamte Breite der Gesellschaft erreicht.

Mit „Mareike spinnt!“ - einem musikalischen Werk über die ganz alltäglichen Ängste, mit denen sich Kinder und auch Erwachsene herumplagen - hat das Team um Pusinelli nicht nur die Grundschulkinder aus Oberursel und Steinbach an klassische Musik herangeführt. Mit ihrem bislang größten Projekt hat die Musikschule bei den zwei Aufführungen am Wochenende Familien aus allen Schichten der Bevölkerung im Konzertsaal zusammengeführt und klassische Musik erlebbar gemacht. Es war auffallend, wie überall in den voll besetzten Reihen Eltern mit ihren Kindern im Gespräch darüber waren, was gerade auf der Bühne passierte.

Grundschüler gefesselt

„Kritiker des Projektes hatten mir immer wieder vorgehalten, Klassik sei nichts für Kinder. Doch heute stehen wir hier auf der Bühne“, begrüßte Holger Pusinelli nicht ohne Stolz die Konzertbesucher in der an beiden Abenden ausverkauften Stadthalle. „Die geniale Musik hat die Grundschüler seit Monaten gefesselt. Ich bin voller Dank an die Oberurseler Kinder, dass dieses Projekt geklappt hat.“

Der Musikschulleiter konnte sogar die beiden Komponisten des Werkes, Philipp Kaufmann (Musik und Text) und Michael Hendricks (Musik), bei der Premiere am Samstagabend in der Stadthalle begrüßen. Das Stück, das ursprünglich vor zwei Jahren als Auftragsarbeit für die Kölner Philharmonie geschrieben wurde, entfaltete auch im Taunus seine volle Wirkung.

Der nicht enden wollende Applaus am Ende des außergewöhnlichen Konzerts und die anhaltenden Ovationen werden den teilnehmenden Kindern - aber genauso ihren Eltern und Geschwistern - wahrscheinlich noch lange in den Ohren nachhallen.

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