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Diskussion: Altes Forsthaus: Denkmal oder nicht?

Von Denkmal oder nicht, das wird derzeit in Merzhausen mit Blick auf das alte Forsthaus diskutiert. Doch wann steht ein Haus eigentlich unter Denkmalschutz?
Um die Zukunft der Arztpraxis im alten Forsthaus machen sich die Merzhäuser Sorgen. Bilder > Um die Zukunft der Arztpraxis im alten Forsthaus machen sich die Merzhäuser Sorgen.
Merzhausen. 

Das Landesamt für Denkmalpflege ist bei Hausbesitzern nicht unbedingt die beliebteste Behörde. Denn wo die Denkmalpflege ihren Daumen drauf hat, wird’s mit Blick auf Sanierungen und Umbauten, sofern sie denn gestattet werden, oftmals richtig teuer.

Allerdings gibt es auch all jene Bürger, die der Behörde besonders dankbar sind, setzt sie sich doch für den Erhalt der Kulturgeschichte ein. Und so manches Haus, das sonst aus Kostengründen schon dem Erdboden gleich gemacht worden wäre, steht heute als schmuckes Kleinod immer noch am selben Platz.

Häufig dauert es aber seine Zeit, bis etwas geschieht, wenn ein Haus unter Denkmalschutz steht, in Usingen gibt es einige Beispiele. Da wäre das Wilhelmsdorfer Rath- und Backhausensemble zu nennen. Von der Kirche aufgegeben und den Bürgern nicht genutzt, stand das Haus zwar unter Denkmalschutz, doch die Motivation, ein ungenutztes Haus zu sanieren, war seitens der Stadt gleich null. Bis sich die Wilhelmsdorfer stark machten und eine Sanierung durchsetzten.

Dorf packt selbst an

Die Wilhelmsdorfer haben dabei selbst mit angepackt und dem Haus neues Leben eingehaucht. Eine Erfolgsgeschichte.

Als solche darf auch die Sanierung des Liefrink-Hauses auf dem Alten Marktplatz gewertet werden. Das alte Fachwerk steht unter Denkmalschutz. Was seine Sanierung kostet und bedeutet, weiß Bürgermeister Steffen Wernard aus seiner Amtszeit ganz genau, nämlich Zeit und vor allem Geld.

In Merzhausen kolportierte der Ortsbeirat jüngst, dass auch das ehemalige Forsthaus in der Schmittener Straße 1 unter Denkmalschutz stehe. Nicht nur allein wegen seiner Bauweise, sondern auch auf Grund seiner Geschichte. Der einzige Unterschied: Das Landesamt für Denkmalpflege führt das Haus nicht in seiner Topografie. Gleichwohl waren einige Merzhäuser der Auffassung, dass es unter Denkmalschutz steht, dass das nur noch nicht bekannt gemacht wurde.

Dem ist aber nicht so, sagt Wernard: „Das ehemalige Forsthaus steht definitiv nicht unter Denkmalschutz und wir als Stadt haben auch kein Interesse daran.“ Geplant ist der Verkauf des Hauses samt Grundstück an einen Merzhäuser Interessenten, der dort zwei Wohnhäuser für seniorengerechtes Wohnen bauen kann. Das Forsthaus würde in diesem Zuge, so die Pläne bislang, abgerissen werden.

Schwer vorstellbar

Gegen den Abriss des alten Forsthaus kämpfen einige Merzhäuser, die vermuten, dass das Haus nur übersehen worden sein könnte. Sie haben sich ans Landesamt für Denkmalpflege gewandt. Dr. Dieter Griesbach-Maisant, zuständig für die Inventarisierung sagte, dass die Denkmaltopografie für Usingen bereits vollständig erfasst sei.

Sicherlich könne es vorkommen, dass mal ein Gebäude außerhalb einer Ortschaft übersehen werde. Für ein innerörtliches Gebäude sei das aber nicht vorstellbar. Selbstverständlich könne sich jeder Bürger an das Landesamt wenden und entsprechende Hinweise geben, so Griesbach-Maisant. Drei bis vier Wochen brauchen die Mitarbeiter allerdings, um sich dann das Gebäude noch einmal vor Ort anzusehen. Allerdings gelten für ein Denkmal strenge Kriterien, damit es auch als Kulturdenkmal eingestuft wird. Ein „weil es so schön ist“, reiche nicht aus, betont Griesbach-Maisant. Auch sollte das Gebäude aus einem abgeschlossenen Jahrhundert stammen und kulturhistorisch bedeutsam sein.

Das Gesetz regelt, wann ein Gebäude als Denkmal schützenswert ist: Betrachtet wird der künstlerische Aspekt, aber auch wissenschaftliche, technische, geschichtliche und städtebauliche Gründe können dafür ausschlaggebend sein.

Dr. Joachim Bierwirth aus Merzhausen ist Verfasser des Buches „Merzhausen im Taunus 1923 bis 1993“. Darin beschreibt er, dass sich der Bad Homburger Jagdpächter und Kirchenvorstand Gustav Arrabin nicht nur als Mäzen in Merzhausen hervortat, sondern auch 1905 die Villa Waldfried erbaute. Als Adresse wird in dem Buch im Jahre 1993 bereits die Schmittener Straße 7 angegeben. Dreh- und Angelpunkt ist aber das Haus in der heutigen Schmittener Straße 1, das heute wiederum als altes Forsthaus bekannt ist. Ob die Großzügigkeit von Arrabin sowie einige Jugendstilelemente im Hausinneren aber ausreichen, um in die Liste der Kulturdenkmäler aufgenommen zu werden, dahinter steht noch ein Fragezeichen. Bislang seien in Usingen die Denkmäler erfasst und in die entsprechende Topografie aufgenommen worden, so Griesbach-Maisant. Das ehemalige Forsthaus ist darin nicht zu finden.

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