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Lidia und Alexander Hefling: Das ideale Hausmeister-Paar

Ob der Klingelknopf klemmt oder eine Glühbirne auszuwechseln ist. Hausmeister sind nicht nur in öffentlichen Gebäuden unentbehrlich, auch private Wohnhäuser wie der „Weiße Riese“ in der Raiffeisenstraße kommen nicht ohne gute Seelen aus.
Lidia und Alexander Hefling halten den „Weißen Riesen“ in Schuss, Schneeschaufeln inklusive, falls nötig. Foto: Frank Saltenberger Lidia und Alexander Hefling halten den „Weißen Riesen“ in Schuss, Schneeschaufeln inklusive, falls nötig.
Neu-Anspach. 

Im November 1992 mit zwei Koffern in Deutschland angekommen, sind Lidia und Alexander Hefling heute die guten Seelen des „Weißen Riesen“. „Weißer Riese“, ist der Spitzname für das neungeschossige Haus in der Raiffeisenstraße. In den 1970er Jahre als höchstes Gebäude im Ort gebaut, besitzt es rund 50 Wohnungen.

Was sich nach einer Mietskaserne anhört, ist allerdings ein gefragtes Wohnhaus mit Eigentumswohnungen, die von den Eigentümern selbst bewohnt oder vermietet werden. Zwei, die von Anfang an dort wohnen und sich pudelwohl fühlen, sind Uschi und Franz Hofbauer. Und letzterer mischt sich nur allzu gerne ein, wenn es um den „Weißen Riesen“ geht. Das Pressegespräch nutzte Franz Hofbauer dazu, das Hausmeister-Paar über den Klee zu loben. Dass dieses ein fantastischen Job machen, ist im „Weißen Riesen“ kein Geheimnis.

Herkunft aus Kasachstan

Aus Kasachstan kommt das Hausmeister-Paar Lidia und Alexander Hefling. Sie gehörten dort zu den rund 80 Prozent Russlanddeutschen. Deutsch war deshalb noch sehr verbreitet: „Meine Eltern haben nur Deutsch mit mir gesprochen“, sagte Lidia Hefling. Deshalb fiel es beiden nicht schwer, sich hier auch sprachlich zu Hause zu fühlen, auch wenn ein halbes Jahr Sprachunterricht zum Pflichtprogramm nach der Einreise gehörte.

Die führte sie zunächst ins Erstaufnahmelager nach Braunschweig, von wo sie ins hessische Romrod zogen, wo ihre Schwester schon zu Hause war. Das kleine Herkunftsdorf liegt im Süden Kasachstans, wo es nur eine Schule gab: „Wir waren auf der gleichen Schule“, sagte Lidia Hefling und er mit einem Augenzwinkern: „Ich habe die Klasse sogar einmal wiederholt, um bei ihr zu sein“. Im Alter von 20 beziehungsweise 21 Jahren haben sie geheiratet.

Der gemeinsame Weg führte sie von Romrod weiter nach Neu-Anspach, weil er in Friedrichsdorf 1995 Arbeit fand. In Romrod schon beengt, mussten sie auch in Neu-Anspach zunächst mit einem Zimmer vorlieb nehmen. Aber man war bescheiden und dankbar für jede Hilfe. „Frau Müller ist ein Engel“, sagte Lidia zurückschauend auf die schwierige Zeit. Frau Müller war Alexander Heflings Chefin in Friedrichsdorf, wo er als Gapelstaplerfahrer arbeitete. Nicht nur in Friedrichsdorf, auch in Neu-Anspach trafen die beiden auf helfende Hände.

So die von Geschäftsfrau Ilse Trenczek, bei der Lidia Hefling jobte. Vorübergehend kamen sie nach dem Zimmer in der Breitestraße, dank Trenczek, im Hunoldstaler Weg unter und Frau Müller war inzwischen per Anzeige auf Wohnungssuche für das Ehepaar gegangen. Das war 1995 und Franz Hofbauer im „Weißen Riesen“ nicht entgangen. „Für mich war es das ideale Hausmeisterpaar“, sagt er, denn er suchte für die Hausgemeinschaft zur gleichen Zeit ein solches, und der erste Eindruck sollte ihm Recht geben. „Die Hausmeisterwohnung war frei, weil der Hausmeister woanders wohnte. Lidia und Alexander Hefling zogen in der Raiffeisenstraße ein. Und nachdem einige Zeit später auch die Stelle des Hausmeisters frei wurde, übernahmen sie diese nebenberuflich. Er arbeitete weiter Vollzeit in Friedrichsdorf, von 7.15 bis 18 Uhr. Wenn es sein muss, heißt das: Um fünf Uhr Schneeräumen. „Um die Zeit schieben wir per Hand, denn das Schneeräumgerät wäre zu laut“.

Einmal pro Woche putzen

Auch sie greift dann zum Schneeräumer, aber ihre Aufgabe ist es auch, den Gemeinschaftsbereich des „Weißen Riesen“ in Schuss zu halten, das heißt unter anderem: Einmal in der Woche von oben bis unten putzen. Auch sonst verschwindet jeder Müll sofort von der Bildfläche und wenn es sein müsse, werden auch Bewohner von ihr auf die Einhaltung der Hausordnung verwiesen. „Das wird akzeptiert“, ergänzte Hofbauer.

Müll- und Fahrradraum, der Parkplatz und die Grünanlagen gehören zum Revier, die Kontrolle der Heizung und vieles mehr. Arbeit haben die beiden genug, aber: „Wir sind sehr zufrieden“, sagten sie in ihrer geräumigen und gut ausgestatteten Hausmeisterwohnung mit Terrasse. In der hängt auch ein großes Foto von Tochter, Schwiegersohn und den zwei Enkelkindern. Die Tochter der Heflings kam als Neunjährige mit nach Deutschland, sprach damals kein Wort Deutsch, lernte es aber schnell, machte an der ARS einen Abschluss und arbeitet heute in der Kreisstadt.

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