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Rolle einer Pilotkommune: Digitale Akte und interaktive Homepage

Von Usingen ist gerne Vorreiter, wenn es um innovative Projekte geht. Doch warum ist Usingen eigentlich so häufig Pilotkommune?
Michael Guth (links) und Reiner Greve gehören zu den führenden Köpfen, wenn es um innovative Ideen der Stadt geht. Foto: Tatjana Seibt Michael Guth (links) und Reiner Greve gehören zu den führenden Köpfen, wenn es um innovative Ideen der Stadt geht.
Usingen. 

27 Jahre ist es her, dass der Hochtaunuskreis von einem Korruptionsskandal erschüttert wurde, bei dem Politiker reihenweise ins Gefängnis wanderten. Auch in Usingen klickten die Handschellen, und so wurden Anfang der 90er Jahre dann auch die Rufe nach Erneuerung und Transparenz laut.

Erneuerung ist in der Tat für die Buchfinkenstadt das Stichwort, denn kaum eine Kommune im Usinger Land zeigt sich so innovationsfreudig wie Usingen. Werden Veränderungen getestet, dann gerne in Usingen. Geht es um neue Möglichkeiten, Usingen macht’s. Oft als erste Kommune im Usinger Land, manchmal auch als erste in Hessen, und nicht selten ziehen andere Kommunen nach. „Die Anfragen von anderen Kommunen haben sich gehäuft“, stellt Hauptamtsleiter Michael Guth fest. Gerade mit Blick auf die Eigenbeförsterung ist Usingen derzeit Vorreiter und eine gern befragte Kommune, wenn es um die praktischen Resultate geht. Doch das ist nur ein Beispiel von vielen.

Optimale Größe

Nachgefragt bei Reiner Greve, Sozialamtsleiter der Stadt, zeigt sich, dass Usingen eine Vielzahl von Neuerungen eingeführt hat, die anderen Landkreisen nicht einmal bekannt sind. Doch warum ist Usingen so häufig Pilotkommune? „Ein Grund ist sicherlich, dass wir für vieles die optimale Größe der Stadt und der Verwaltungsstruktur haben“, ist Guth überzeugt. So sei die Verwaltung mit rund 200 Mitarbeitern zwar groß, aber eben noch nicht so groß, dass sich der gesamte Apparat nicht umkrempeln ließe. Und genau das ist in den vergangenen Jahren geschehen. Auf rund zwei Seiten fassen Guth und Greve die Neuerungen der vergangenen 25 Jahre zusammen. „Das ist das, was uns einfiel, wahrscheinlich ist es einiges mehr, aber wir führen kein Buch“, erklärt Guth. Alles sei ein fortlaufender Prozess.

Landesweit bekannt wurde Usingen 1994 durch das erste Bürgerbüro in Hessen. Zwar stammte die Idee nicht direkt aus der Verwaltung, denn ein ähnliches Modell hatten die Bayern bereits am Start, „aber in Hessen war das etwas Neues“, schildert Greve. Anfangs waren es Guth und Greve die innerhalb der Verwaltung auf Veränderungen setzten. Die Mitgliedschaft im Innovators Club war da hilfreich, „denn da bekam man zukunftsweisende Projekte vorgestellt“, sagte Guth.

Die Modernisierung der Verwaltung brachte nicht nur einen besseren Service für Bürger, sondern hat auch geholfen, Geld zu sparen. Rund zwei Millionen Euro, schätzen beide. Mehr Eigenverantwortung für die Mitarbeiter und größtmöglicher Service für die Bürger, das sind nicht nur die Maximen für Guth und Greve, sondern für alle Mitarbeiter. „Das war und ist auch nur möglich, weil wir hier offene Bürgermeister und Politiker haben“, betont der Hauptamtsleiter.

Im Kindergartenbereich ist Usingen Vorreiter, was Service und Konzept angeht. Intern wird die Verwaltung derzeit zu einem Dienstleistungszentrum umgebaut, das künftig sogar Arbeiten für andere Verwaltungen mitübernehmen kann. „Und das nicht nur für Nachbarkommunen“, sagt Guth. „Davon bekommt der Bürger nichts mit, und es hat auch keinen Einfluss auf den Service“, erklärte der Hauptamtsleiter. Wohl könnte es aber eine stärkere Vernetzung der Kommunen geben. Und wenn es um die Zentralisierung geht, dann will Usingen ganz vorne mitspielen.

Eine Voraussetzung für das Dienstleistungszentrum ist die digitale Personalakte, „die es uns künftig ermöglichen wird, dass wir zum Beispiel auch Verträge verwalten“, erklärte Guth an einem Beispiel. Klar, dass solche Dienstleistungen für andere Kommunen von diesen bezahlt werden müssen.

Anträge zu jeder Zeit

Ein weiterer Baustein, bei dem Usingen Vorreiter im Kreis sein will, ist der digitale Workflow. Derzeit arbeitet die Verwaltung daran, dass künftig Anträge und Bearbeitungen online möglich sein sollen. „Das würde für den Bürger bedeuten, dass er jederzeit seine Anträge über das Internet an die Verwaltung schicken kann“, sagt Greve. Und auf diesem Weg könnten sie dann auch intern weiter bearbeitet werden, was nicht nur Zeit, sondern auch Papier spart.

Und damit nicht genug: Die Verwaltung bastelt an einer interaktiven Homepage mit Sprachübersetzer. Dabei soll der Bürger in seiner Muttersprache eine Frage stellen können, die übersetzt beim Mitarbeiter ankommt. „Gerade im Bereich des Bürgerbüros wäre das eine enorme Erleichterung denn unsere Mitarbeiter können nicht alle Sprachen sprechen“, so Greve. Doch immer mehr Nationalitäten kommen ohne deutsche Sprachkenntnisse in die Verwaltung. Und auch darüber hinaus könnte die Homepage als Kommunikationsmedium dienen.

Stolz sind Guth und Greve vor allem auf die Mitarbeiter, die im Laufe der Jahre ein hohes Maß an Eigenverantwortung übernommen haben und selbst Ideen zur Verbesserung einbringen. „Wenn wir hier mal nicht mehr arbeiten, dann wird es sicherlich so weitergehen“, sind die beiden überzeugt.

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