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Digitales Lernen auf dem Lande

Von An der Wiesbachschule geht es mit Siebenmeilenstiefeln ins nächste Jahrzehnt digitaler Schultechnik. Investitionen von 170 000 Euro sollen dafür sorgen, dass die Grundschulkinder motivierter und individueller Schule erleben. Nur einen kleinen Haken gibt’s: die Kosten.
Den Schülern gefällt der Umgang mit den digitalen Medien im Unterricht. Foto: Frank Saltenberger Den Schülern gefällt der Umgang mit den digitalen Medien im Unterricht.
Grävenwiesbach. 

Das hat die kleine Wiesbachschule am nördlichen Rand des Hochtaunuskreises noch nicht erlebt: Kultusminister Professor Dr. Alexander Lorz (CDU) führte eine prominente Delegation an, die sich gestern in der Aula versammelte. Was nicht wundert, denn Schulleiter Jan Drumla leitet nun die Pilotschule Hessens, was digitale Technik betrifft.

Die Kreidetafel rückt in den Hintergrund, zwölf ActiveBoards haben Einzug gehalten. Pro Klasse hat der Kreis zudem sechs Tablets zur Verfügung gestellt, 66 also gesamt. Und mit 170 000 Euro Anschaffungskosten ist das auch kein Betrag aus der Portokasse. „Vernetztes Lernen“ nennt sich das Projekt, das zwei Jahre Vorlauf hatte. Eigentlich mehr, denn schon 2013 gab’s erste Gespräche. Dann gründete Landrat Ulrich Krebs (CDU) eine Arbeitsgruppe aus Computerexperten, Verwaltung, Schulleitern und dem Medienzentrum des Kreises.

Kreide war vorgestern, Alana macht vor, wie es heute geht und schreibt am ActicveBoard. Bild-Zoom Foto: Frank Saltenberger
Kreide war vorgestern, Alana macht vor, wie es heute geht und schreibt am ActicveBoard.

Lassen wir aus den gestrigen langen Reden das gegenseitige Schulterklopfen mal weg, steht unterm Strich ein mehr als interessanter Ansatz für den Hüpfer in die digitale Schul-Zukunft. Die Kultusminister-Konferenz hatte bereits vor Jahren eine modernere Schulausstattung gefordert. Das erschöpfte sich in vielen hessischen Schulen in der Anschaffung eines PC, eines Laptops oder der Tablets. Damit ist natürlich der Unterrichtsinhalt zu ergänzen oder eine Recherche fällt einfacher. Unterricht an sich macht damit aber nur sehr rudimentär Sinn.

Die Wiesbachschule am „Nordpol“ des Hochtaunuskreises (so Landrat Krebs augenzwinkernd) ist da viel weiter. Alle Geräte sind untereinander vernetzt und damit stets alle aktuell, die Pädagogen können gezielt jedes Gerät ansteuern. Über eine Cloud ist auch ein Austausch vom eigenen PC Zuhause aus möglich, was die Handhabung von Unterrichtsvorbereitung über Arbeitsblätter oder Aufgabenstellungen deutlich effizienter macht. Sollten irgendwann andere Schulen ausgerüstet sein, wäre auch hier eine Kommunikation denkbar.

Beispiel: In einer Klasse werden Arbeitsblätter ausgefüllt. Diese gelangen über ein Foto an die digitale Tafel, werden dort interaktiv von den Schülern diskutiert, Fehler dort berichtigt und wieder an die Tablets zurückgesandt. Zudem sind schnelle Zugriffe übers Internet für weitere Informationen möglich.

Doch an erster Stelle stehen drei Schlagwörter: Motivation, Einzelförderung und Effizienz. Denn natürlich sind Kinder mit einer guten Technik leichter für Lerninhalte zu begeistern, was sich gestern in einem kurzen Modellunterricht zeigte. Und: Die neue Technik kann dank zahlreicher Angebote – etwa zehn Hersteller digitaler Unterrichtmaterialien sind in Deutschland derzeit am Start – auf jedes Kind individuell ausgerichtet werden.

Fortbildung für Eltern

„Wir haben die Herausforderung der Inklusion angenommen und können sie mit diesem Werkzeug besser bewältigen“, sagte Detlef Harms vom Medienzentrum Hochtaunus. Was bedeutet, dass Kinder unterschiedlicher Vorbildung oder Lernfähigkeit besser in einer Klasse zu betreuen sind. Und zu guter Letzt spart die ganze Technik viel Zeit.

Denn ein Mathe- oder Geschichtsunterricht per Bits und Bytes kann sofort und ohne Zeitverzögerung an vorangegangenen Unterricht anknüpfen, da das Material sofort aus dem Speicher abrufbar ist. Und: Der Kontakt der Lehrer zu Schülern und Eltern – auch sie sind eingebunden und haben Fortbildungen besucht – ist direkt, schnell und unkompliziert.

Dennoch: Schulleiter Drumla wie auch der Minister betonten, dass weder das Heft noch die Tafel ausgedient hätten. „Wir nutzen dieses digitale Hilfen nur begleitend, ergänzend. Sie wird nur dort eingesetzt, wo sie pädagogisch wirklich sinnvoll ist“, sagte der Schulleiter.

Natürlich hat auch eine digitale Zeit zwei Seiten – und die Kehrseite heißt Kosten. Bei 39 Grundschulen alleine im Hochtaunus wären rund 6,6 Millionen Euro für die Ausstattungen nötig. Zudem ist der Hochtaunus in Hessen Vorreiter, was das Schulbauprogramm angeht. Sprich: Die neuen Schulen sind bereits technisch auf solche Neuheiten ausgelegt. Schaut man in den Lahn-Dill-Kreis oder auch nach Frankfurt, ist die Devise, salopp formuliert, eher trockene Wände zu schaffen, statt neue Digitalkabel zu verlegen. Von daher dürfte die Wiesbachschule auch erst mal Pilotprojekt bleiben. Und der Kreis hat vorgebaut: Nach einem Jahr, also im kommenden Sommer, werden die Ergebnisse der Wiesbachschule ausgewertet, diskutiert und dann auch in einer Entscheidung münden.

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