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Jagdpächter und Tierschützer liegen im Clinch: Drückjagd mit Hindernissen

Von Für die einen ist eine Treibjagd schwere Tierquälerei, für andere notwendig, um eine Überpopulation zu vermeiden. Zu Straftaten, die Menschen in Gefahr bringen, sollte es jedoch nicht kommen.
Felix Kuna, der Sohn des Revierpächters, begrüßt die Frauen und Männer zur Drückjagd. Bilder > Foto: Gerrit Mai Felix Kuna, der Sohn des Revierpächters, begrüßt die Frauen und Männer zur Drückjagd.
Wehrheim. 

Die Treibjagd vergangenen Samstag ist nicht ganz so reibungslos verlaufen, wie von den Jägern erhofft. Schon vor der erstmals öffentlich bekannt gemachten Jagd gab es zuvor Gerüchte über eine Demonstration von Tierschützern an diesem Tag. Die Demo blieb aus und wurde auch nicht angemeldet.

Dennoch waren Gegner am Tag der Jagd im Revier Wehrheim I. von Jagdpächter Dr. Walter Kuna unterwegs. Jagdleiter Michael Linke berichtet, dass es auch zu Straftaten kam. Wer sie unternahm, sei nicht nachzuweisen, aber er ist sicher, dass ihm bekannte Tierschützer damit zu tun haben. Dass ein Drückjagdbock (ein transportabler Ansitz) umgeworfen, und im Haubergsgrund Schwarzwild-Vergrämungsgerüche verteilt wurden, seien geringere Übel. Die Schwärzung der Schilder mit Ausrufezeichen, die den Jägern die Richtung zeigen, in die sie keinesfalls schießen dürfen, sei hingegen nicht hinnehmbar. „Das kann lebensgefährlich sein.“ Auch wenn ihm selbst nicht alle Gepflogenheiten von Drückjagden gefallen, sieht er als Jagdaufseher keine Alternative dazu.

Vorgaben erfüllen

Jagdpächter hätten vorgegebene Abschusszahlen zu erfüllen und die seien mit Ansitzjagden nicht zu erreichen. Dabei sitze ein Jäger ohne Erfolg oft mehrfach viele Stunden an. Unter anderem, weil Jogger, Radler oder Hundehalter morgens wie abends in der Dämmerung mit Scheinwerfer artigen Lampen im Wald unterwegs seien. Wenn die Population von Wildschwein und Hirsch nicht reduziert werde, gingen Schälschäden an Bäumen und im Feld ins Unermessliche. Für ihn ist eine Drückjagd auch deshalb in Ordnung, weil das Wild nur zwei Mal im Jahr gestört wird, statt jeden Abend.

Wehrheimer Jäger hätten die Jagd sorgfältig vorbereitet, öffentlich informiert und am Jagdtag an allen Zuwegen Warnschilder aufgestellt. Linke weiß, dass in der heutigen pluralistischen Gesellschaft Interessenskonflikte fast unvermeidbar sind. Er bittet Jagdgegner aber, die Regeln einer zivilisierten Gesellschaft einzuhalten, und ihre Interessen nicht durch deren Umgehung umzusetzen.

Tierschützer wie Jürgen von Gartzen und Ehefrau Necla sehen das ganz anders. Für sie ist eine Drückjagd heute noch ein gesellschaftlicher Event, zu dem der Jagdpächter Bekannte und Geschäftsfreunde einlädt, die nicht unbedingt gut und verantwortlich schießen und handeln.

Andere Meinung

Sie nennen die Drückjagd Tierquälerei und ihr Ziel ist es, die Bürger darauf aufmerksam zu machen, die Gewalt zu minimieren und diese Art der Jagd zu verhindern. Für Jürgen von Gartzen gilt „Tiere quälen und töten ist pervers.“ Drückjagden seien „wildes Drauflosgeschieße“, so Jürgen von Gartzen. Seine Ehefrau fügt hinzu: „Wir möchten über Tierleid aufklären und möglichst viele Tiere retten.“

Warum Füchse geschossen werden, könne sie gar nicht nachvollziehen. „Sie tun niemandem etwas.“ Es sei bekannt, dass sie die Gesundheitspolizei des Waldes seien, weil sie Aas verzehren. Die Eheleute waren am Samstag zusammen mit Patricia Kopietz, der Leiterin des Bundesarbeitskreises gegen die Jagd, mit Warnwesten ausgestattet, auf Hauptwegen und eigene Gefahr im Wehrheimer Wald und bemängeln kaum vorhandene Hinweisschilder. „Wir und auch andere Jogger und Radfahrer standen auf einmal mittendrin.“ Sie wollten dort anonym bleiben, verrieten ihre richtigen Namen nicht, meldeten sich aber zwei Tage später zum Gespräch mit dieser Zeitung und versicherten, dass das Gesehene sie entsetzt habe: Drei Rehe, denen die Todesangst anzumerken war, tote Wildschweine mit aufgerissenem Gedärm am Wegesrand und eines, das mit abgeschossenem Bein im Dickicht Schutz suchte. „Das hat bestimmt niemand mehr gesucht.“ Denn auf entsprechende Nachfrage, habe ein Jäger versichert, eine Nachsuche sei nicht nötig, da es kein angeschossenes Wild gab.

Gemachte Fotos sollen andere für die Tierquälerei sensibilisieren. „Es war keine Treib-, sondern eine Hetzjagd. Das kann man nicht schönreden.“ Jürgen und Necla von Gartzen bestreiten Straftaten: „Wir möchten keinen Widerstand gegen die Staatsgewalt leisten, sondern uns auf legalem Weg gegen diese Tierquälerei einsetzen.“

Keine Profis

Würden Treibjagden, wie in der Schweiz, von Profis durchgeführt, könnten sie sich damit arrangieren. Aber nicht so unkontrolliert wie in Deutschland. Auf Nachfrage teilte die Untere Jagdbehörde beim Kreis mit, dass Drückjagden nur kontrolliert werden, wenn Hinweise auf Fehlverhalten vorliegen. Dann gebe es Anhörungsverfahren. Die Verantwortung für Drückjagden liege ausschließlich beim Jagdpächter. In diesem Fall Dr. Walter Kuna, der indes für Nachfragen nicht zu erreichen war.

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