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Bürgerservice: Ein Büro für die verrücktesten Fragen

Von Für Neu-Anspacher Neubürger sind die Mitarbeiter des Bürgerbüros oft der erste Kontakt mit der Stadt. Aber auch für alle anderen, die zum Beispiel einen neuen Reisepass brauchen. Die Mitarbeiter des Bürgerbüros sind nicht nur das freundliche Gesicht Neu-Anspachs, sondern auch Ansprechpartner für wirklich jede Lebenslage. Das führt zu kuriosen Begegnungen.
Mathias Schnorr, Jonas Lindner, Rita Sehl, Kirstin Schmidt, Maser Moomand und Carmen Hartmann (von links) arbeiten im Bürgerbüro. Mathias Schnorr, Jonas Lindner, Rita Sehl, Kirstin Schmidt, Maser Moomand und Carmen Hartmann (von links) arbeiten im Bürgerbüro.
Neu-Anspach. 

Pässe zu verlängern oder neue auszustellen, das ist für Bürgerservice- Amtsleiter Mathias Schnorr und seine Mitarbeiter Gabi Stamm, Rita Sehl, Kirstin Schmidt, Jonas Lindner und Carmen Hartmann Alltag. Und dass Menschen erst kurz vor dem Reiseantritt feststellen, dass ihr Pass abgelaufen ist, auch. Dass der Ausweis allerdings abgelaufen ist und das schon seit Jahren, kommt im städtischen Bürgerbüro nicht ganz so häufig vor. Er soll aber bitte sofort verlängert werden. Offenbar ein Bürger, der den Ausweis nicht sonderlich oft zückte oder sich gar darum kümmerte.

Die wenig schmeichelhaften biometrischen Bilder, die heute verlangt werden, veranlassten eine Rentnerin im überaus fortgeschrittenen Alter dazu, mit ihrem Pass und Schwarz-weiß-Bildern aus ihrer Jugend zu erscheinen. Hübsch anzusehen, aber leider nicht zu gebrauchen, mussten die Mitarbeiter dann diplomatisch erklären.

Im Pass herumgemalt

Doch es gibt auch andere Kuriositäten. Wie ein Kunde, der seinen zweiten Vornamen einfach nicht mehr im Pass stehen haben wollte- und ihn strich. Ein anderer hingegen veränderte eigenmächtig die Schreibweise seines Namens im Dokument. „So etwas geht bei amtlichen Dokumenten natürlich gar nicht“, erklärt Amtsleiter Mathias Schnorr. Eine Herausforderung seien auch Neubürger, die kein Wort Deutsch sprechen und ganz ohne Dolmetscher ins Bürgerbüro kommen. „Englisch ist kein Problem, aber sobald wir in die arabische Region kommen, müssen wir dann schon passen.“ Mit dem Internet und Suchmaschine werde dann versucht sich zu behelfen, ebenso mit Händen und Füßen.

„Gelber Sack“ genügt

Die Mitarbeiter geben sich zwar alle Mühe, doch nicht immer ist diese auch von Erfolg gekrönt. Und manchmal müssen die Bürger dann auch unverrichteter Dinge wieder abziehen.

An anderer Stelle haben die Mitarbeiter des Bürgerservice inzwischen hellseherische Fähigkeiten entwickelt. Zum Beispiel bei der Frage nach den Gelben Säcken, die weiterhin Mangelware sind. „Gelber Sack?“, ist die Standardfrage, auf die Höflichkeitsfloskel eines „Guten Tag“ oder „Guten Morgen“ verzichten manche Bürger beim Betreten des Büros mittlerweile. Abkürzungen wie Tüte, Plastik oder die englische Variante „Yellow Bag“ bekommen die Mitarbeiter gerne von der Tür aus zugerufen und können reagieren.

Anders sieht es bei der Beantragung von Wohn- und Arbeitslosengeld aus, da müssen die Mitarbeiter mehrmals in der Woche an das zuständige Amt verweisen. Gleiches gilt übrigens für Fragen, die Steuererklärungen betreffend. „Wissen sie das denn nicht?“, kommt häufig die verdutzte Frage.

„Der Name Bürgerservice vermittelt gerne auch den Eindruck, eine Anlaufstelle für alle erfüllbaren und unerfüllbaren Wünsche zu sein“, hat Mathias Schnorr festgestellt. Dass ist das Büro natürlich nicht. Dennoch nehmen sich die Mitarbeiter gerne Zeit, um zu helfen, sofern sie es denn können. Und da sind sie recht nahe am Prädikat „Büro für unerfüllbare Wünsche“. Oder auch Telefonauskunft. So wurde schon nach der Telefonnummer der Deponie Brandholz gefragt, das Anrufsammeltaxi über das Bürgerbüro bestellt oder die Frage gestellt, „wo abgelaufenes Pfefferspray entsorgt werden kann.“ Die Mitarbeiter bleiben sachlich, egal bei welcher Frage.

Auch bei solchen Anrufen, als sich ein Bürger meldete und wissen wollte, wohin er sich wenden soll, nachdem er nun eine Straßenlaterne angefahren habe. Schließlich sei sein Auto zu Schaden gekommen. Die Firma Susemihl, die einst Betonmischer herstellte, gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr. Dennoch erreichen die Mitarbeiter immer noch Anrufe, wo denn Ersatzteile bestellt werden können. Ein Blick ins Internet hat geholfen.

Feuerwehr soll kommen

Ein anderer Fall, der durchaus ein wenig sprachlos machte, war der Anruf einer Frau, ob mit dem Wasser alles in Ordnung sei. Der Hund habe Durchfall, sie zwar nicht, dennoch vermutete sie als Grund dafür das Wasser. Dass es nach einem Brand ein paar Stunden nach Rauch riechen kann, ist nicht ungewöhnlich. Wohl aber der Anruf eines Anwohners, der sich darüber beschwerte, dass es in seiner Wohnung nach Rauch rieche. Er forderte, dass die Feuerwehr kommen und den Rauch aus der Wohnung blasen soll. Solchen Fragestellern kann selbst der Bürgerservice nicht helfen.

Ein eher ungewöhnlicher Fall war der eines Eindringlings, der sich nachts um drei im Wohnzimmer einer Dame aufhielt. Ob Mensch oder Tier war unklar. Die Bewohnerin hatte vier Stunden große Angst und griff am Morgen sofort zum Telefon, um beim Bürgerbüro anzurufen. Wie sich später herausstellte, war der Eindringling kein Schwerverbrecher, sondern eine Fledermaus, die sich verirrt hatte. „Das mussten wir dann aber doch ans Ordnungsamt weitergeben“, sagte Schnorr.

Ein ähnlicher Fall landete auch beim Bürgerservice, als sich ein Anrufer über eine Ratte in seinem Garten beschwerte. Da sollte man aktiv werden – egal wie. „In solchen Fällen können wir allerdings nichts machen“, sagte Schnorr. Quasi einfach unerlaubt vor dem Haus verstorben ist auch ein Vogel, worüber sich der Hausbesitzer beschwerte und den Vogel sofort entfernt haben wollte.

Der Bürgerservice ist neben der Anlaufstelle für Formulare und Beschwerden auch die erste Adresse für Fundsachen aller Art. „Und damit meinen wir wirklich aller Art.“

Verlorenes Gebiss

Wie ein Rollator, den ein Bürger in einer Hecke fand. Der wurde in der Tat gestohlen und weggeworfen. Mit viel Geschick haben die Mitarbeiter des Bürgerservice den Besitzer sogar gefunden und konnten das gute Stück zurückgeben. Auch ein Gebiss haben die Mitarbeiter schon überreicht bekommen, allerdings konnte da der „Halter“ nicht gefunden werden.

Besonders verärgert war ein Friedhofsgänger. Neben dem besuchten Grab landete eine Drohne, die er kurzerhand einsammelte und im Bürgerservice abgab. Verärgerte Bürger, die die Mitarbeiter beschimpfen und bedrohen gibt es übrigens auch.

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