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Unternehmer bieten Ausbildungsplätze an und machen gute Erfahrungen: Eine Chance für Flüchtlinge wie gemalt

Von Arbeitskräfte sind Mangelware im Handwerk des Hochtaunuskreises. Asylanten mit Ausbildungsplatz ebenso. Dabei könnte es sich für Arbeitgeber lohnen, sich Nachwuchs aus diesem Bereich zu holen, denn die Erfahrungen derer, die das gewagt haben, sind positiv.
Große Freude: Das erste Lehrjahr hat der junge Mann schon geschafft. Foto: Gerrit Mai Große Freude: Das erste Lehrjahr hat der junge Mann schon geschafft.
Usinger Land. 

Mikel kommt aus Eritrea, und wenn man seine Arbeitgeberin Anja Schiefer von Reifen-Löhr in Neu-Anspach nach ihren Erfahrungen mit ihm als Mitarbeiter fragt, sagt sie nur eins: „Wir sind hochzufrieden.“ Er habe zunächst beim Busunternehmen Ohly und Weber gearbeitet, wo er jedoch nicht fest angestellt werden konnte. Dann habe der junge Mann in ihrem Betrieb ein Praktikum absolviert, mit einer Einstiegsphase von drei Tagen in der Woche begonnen, und seit 1. Juni sei er als Reifenmonteur fest angestellt.

„Er kommt jeden Tag mit dem Fahrrad von Usingen, ist neugierig, wissbegierig, packt mit an und erledigt viele Arbeiten selbstständig. Das kann ich nur jedem Betrieb empfehlen.“ So viel Engagement gebe es bei deutschen Mitarbeitern, die vom Arbeitsamt geschickt würden, nur selten.

Gute Erfahrungen

Für Anja Schiefer ist die Einstellung von Asylanten eine perfekte Lösung für das Problem fehlender Arbeitskräfte. „Klar klappt das nicht bei jedem, aber einen Versuch ist es allemal wert.“ Zumal es Zuschüsse dafür gebe. Ähnlich sieht das auch Werkstattleiter Alexander Michailoff von der Firma Senger, dem ehemaligen Autohaus Vogler in Bad Homburg. Über mangelnde Arbeitskräfte kann das Unternehmen wegen seiner Größe nicht klagen, aber auch Michailoff hat überwiegend gute Erfahrungen mit Praktikanten mit Asylstatus gemacht, einen hat er jetzt als Auszubildenden übernommen. „Ich kann leider nicht jedem eine Chance geben.“ Aber wie Isabell Walter wünscht auch er sich mehr Unterstützung vom Staat, damit die Auszubildenden nicht an den Prüfungen scheitern, aufgrund unzureichender Sprachkenntnisse beispielsweise. Das sei für seinen Betrieb einen wichtige Voraussetzung. „Wenn’s schnell gehen soll, muss manches auf Zuruf klappen.“

Die Sprachbarrieren müssen abgebaut werden

Medhane Beyin hat die zweite Etappe erreicht. Er hat das erste Ausbildungsjahr mit einem guten Zeugnis abgeschlossen. Sein Ausbilder, der Malermeister Roland Walter, und dessen Ehefrau Isabell sind stolz auf ihn.

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Wer geeignet sein könnte, sieht Ramona Ettling, die bei Senger fürs Personal zuständig ist, schon bei den Bewerbungen: „Ich schaue zuerst nach den Sprachkenntnissen.“ Ein A1- oder A2-Level reiche selbst für die Werkstatt kaum aus. Was nütze es, wenn jemand eine super Bewerbung vorlege, die der Betreuer geschrieben habe, er aber kaum Deutsch könne. Da sei ihr eine selbst geschriebene Vorstellung mit Aussagekraft lieber.

Wenig Interesse

Bisher gibt es nur wenige Handwerksbetriebe, die sich für Auszubildende mit Asyl-Hintergrund interessieren, hat Eberhard Haag, der Geschäftsführer der Handwerkskammer Hochtaunus festgestellt. Auf der Homepage des Verbandes sind Betriebe aufgelistet, die für 2017 und 2018 Ausbildungs- und Praktikumsplätze anbieten. Eine weitere Spalte informiert darüber, wer diese Plätze auch Flüchtlingen zur Verfügung stellt. Bei Dachdeckern, Malern und im Heizungs- und Sanitär-Bereich geben jeweils drei Betriebe Asylanten eine Chance, im Kfz-Handwerk zwei und bei den Elektrofachleuten kein Einziger.

„Der Elektrobereich ist dafür aber auch schwierig“, gibt Haag zu. Klar könnten durch Ausbildungs- und Arbeitsplätze im Handwerk nicht alle Flüchtlinge integriert und nicht alle offenen Stellen besetzt werden, aber er sieht in Zeiten von Fachkräftemangel eine Chance für Arbeitgeber.

Die Walters haben das erkannt, auch wenn klar ist, dass es Mehraufwand bedeutet, einen Asylanten einzustellen. Isabell Walter hilft dem Azubi auch, wenn es gilt, private Anträge auszufüllen. Oder wenn sonst ein Problem ansteht. Denn: „Man kriegt auch viel zurück.“ Und man muss sich zu helfen wissen, wenn es mit der Sprache nicht so gut funktioniert: Wenn der Azubi mal nicht so genau weiß, was gebraucht wird, gibt’s ein Foto davon, und beim nächsten Mal sitzt der Begriff. Medhane ist nicht der Einzige, der schnell begriffen hat, dass eine Ausbildung im Handwerk eine gute Voraussetzung dafür ist. Der Geschäftsführer der Handwerkskammer verspricht, dass sie nicht alleingelassen werden. „Bei Spezialfragen hilft auch die Handwerkskammer Frankfurt.“

Doch zunächst sei das Handwerk im Hochtaunuskreis Ansprechpartner. Informationen gibt es auch auf der Homepage www.kh-htk.de.

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