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Projekt o.camp: Ganz nebenbei schlauer werden

Von Beim Nähen von Turnbeuteln Mathe lernen und in einer neu gegründeten Band Deutschkenntnisse verbessern. Was sich zunächst paradox anhört, ist es nicht, wenn man sich im o.camp in der Jugendherberge umschaut.
Projektleiterin Sophia Zimmermann, Teamer Jannik und die beiden Teilnehmer Taner und Halil beim Zuschneiden eines Stoffes für ein selbst kreiertes Mode-Label. Projektleiterin Sophia Zimmermann, Teamer Jannik und die beiden Teilnehmer Taner und Halil beim Zuschneiden eines Stoffes für ein selbst kreiertes Mode-Label.
Oberreifenberg. 

Ronny nimmt Maß, überträgt es auf den Stoff, näht das Ganze zu einem Turnbeutel zusammen und lernt dabei Mathe. Eileen gehört zu der Kleingruppe, die eine Band gegründet hat und bringt beim Texten des Songs ihre Deutschkenntnisse auf Vordermann.

Die beiden sind zwei von 20 Mädchen und 33 Jungen aus Frankfurter Schulen, die im o.camp in der Jugendherberge in Oberreifenberg Mathe, Deutsch oder Englisch lernen. In ungewöhnlichen Projekten, aber nachhaltig wie die Erfahrungen aus vergangenen o.camps gezeigt haben.

Kein Schwimmbadfest am 1. Mai

Auch der Schwimmbadförderverein Naps rüstet zur Badesaison 2016, kann aber nicht, wie in der Vergangenheit, die Eröffnung am 1. Mai mit einem Schwimmbadfest feiern.

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Über 80 Prozent der Teilnehmer schaffen ihre Versetzung, sagt Sophia Zimmermann. Die 28-Jährige Sozialarbeiterin aus Berlin leitet das Projekt o.camp, das von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung konzipiert ist und vom Hessischen Kultusministerium finanziert wird.

Das Programm richtet sich an Achtklässler, die in Deutsch, Mathematik oder Englisch auf der Kippe stehen und deren Versetzung gefährdet ist. Teilweise würden die Jugendlichen auch ein herausforderndes Verhalten zeigen, ergänzte Jens Volcksdorff vom Hessischen Kultusministerium. Aber: „In den Camps erkennen sie, dass sie auch Stärken haben.“ Und gerade diese Erkenntnisse brauchen die Schüler, um einen Kreislauf aus negativen Erfahrungen, sei es beim Lernen oder im sozialen Miteinander, zu durchbrechen, in dem sie meist jahrelang gefangen sind.

Um die Talente bei den jungen Leuten heraus zu kitzeln, gibt es keine Tafeln oder sonst irgendetwas, das an Schule erinnert. Dafür findet man Plakate mit Infos an den Wänden, geometrische Figuren an den Fenstern, Sofas, auf denen es sich bequem sitzen lässt, Gitarren und sonstige Musikinstrumente. Und ein eigens eingerichteter Jugendclub.

In kleinen Gruppen mit bis zu zehn Schülern und je zwei Teamern – Sozialarbeiter -pädagogen oder Lehramtsanwärter – werden die Projekte entwickelt und umgesetzt. Eines davon ist „Fashion’n’mathics – Mathe nach Strich und Faden.“ Unter der Leitung von Jannik und Kristina werden die Schüler zu Designern einer neuen Textilmarke und entwickeln, gestalten und nähen. Betrachtet man sich die Kompetenzen, die hier gebraucht werden, wird klar: Bei der Flächen-, Stoff- und Verhältnisberechnung sind Mathe-Kenntnisse klar von Vorteil. Und die Schüler lernen sie nicht nur spielerisch mit viel Spaß, sondern auch im realen Bezug statt in abstrakter Logik.

Während der großen Präsentation am kommenden Samstag, stellen sie dann ihre Produkte vor und können sie im Anschluss mit nach Hause nehmen.

Lernen als Nebeneffekt

Die Projekte, die zu besseren Noten führen sollen, haben vordergründig nichts mit Schule und lernen zu tun. Die Teilnehmer sollen mit Spaß bei der Sache sein und quasi in einem Nebeneffekt ihre Wissenslücken füllen.

Jeweils zwei Projekte stehen für Deutsch, Englisch und Mathe zur Verfügung. In „Frankfurt Citys Lieblingsband – Spiel den Song Deines Lebens“ texten Schüler, die sich zum Ziel gesetzt haben, ihr Deutsch zu verbessern texten einen Rap-Song, komponieren, arrangieren und präsentieren ihn am Samstag. Wer welchen Teil bei der Produktion des Songs übernehmen will, haben die Jugendlichen selbst bestimmt. Der 14-jährige Benjamin beispielsweise hat sich entschieden, die Bass-Gitarre zu spielen und dadurch neue Impulse bekommen. In seinem Teamer Gregor, Lehramtsstudent für Politik und Deutsch und Hobby-Musiker, hat er hervorragende Unterstützung. Nebenbei kommt er seinem Ziel - die richtige Zeichensetzung - näher. Und Bilal, der die E-Gitarre zupft hat in der Freizeit ein Tischtennisturnier organisiert. Beispiele, wie Stärken auch auf anderen Gebieten, gefördert werden. Die zweite Mathe-Gruppe plant in der Projekt-Gruppe „Geht ab! Abfah’n auf Mathe“ eine Seifenkiste - inklusive Rennen.

Auch in den beiden Englisch-Projekten geht es um den Umgang mit Medien. In „Tutorial Pros - o.campers, let’s show what you can do!“ entwickeln, schreiben und produzieren die jungen Leute Video-Clips für Youtube. Und unter dem Titel „#news4u“ bilden sie eine Nachrichtenredaktion für ein Camp-Magazin, in dem das Geschehen innerhalb der Projekte dokumentiert wird.

Während des o.camps gibt es für die Teilnehmer weder Fernsehen noch PC-Spiele, weder Fast-Food noch sonstige der üblichen Ablenkungen, die eine Großstadt zu bieten hat. Dafür neue soziale Kontakte, Austausch und Strategien für erfolgreiches Lernen.

Und nach dem Osterprogramm werden die Schüler auch nicht alleine gelassen. „Das hier ist der Anschub“, erklärt Projektleiterin Sophia Zimmermann, „es geht um Lernen mit Emotion und Motivation und dann gibt es die Nachbegleitung.“ Dabei werde geschaut, wie es mit den Zielen aussieht und ob die Motivation aufrecht erhalten werden kann.

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