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Kirchenaustritte: Immer mehr Bürger treten aus der Kirche aus

Von Der Mitgliederschwund in den beiden großen Kirchen hat sich 2017 auch im Usinger Land fortgesetzt. Die Kirchenaustritte sind zwar rückläufig, aber deutlich zu hoch. Denn zusammen mit den Bestattungen lässt sich das nicht durch Konfirmation und Firmung oder Erwachsenentaufe und Wiedereintritte kompensieren.
In Merzhausen steht eine typische Dorfkirche, die für das 250-jährige Jubiläum im vergangenen Jahr von außen renoviert wurde. Hier finden in der Regel nur noch alle 14 Tage Gottesdienste statt. Foto: Evelyn Kreutz In Merzhausen steht eine typische Dorfkirche, die für das 250-jährige Jubiläum im vergangenen Jahr von außen renoviert wurde. Hier finden in der Regel nur noch alle 14 Tage Gottesdienste statt.
Usinger Land. 

Längst nicht mehr jedes Neugeborene wird getauft, nicht jeder Täufling konfirmiert oder gefirmt. Die Zahl derer, die sich erst als Erwachsene zum christlichen Glauben bekennen, ist relativ niedrig. Neu- und Wiedereintritte sowie Konvertierungen können schon lange nicht mehr die Zahl der Bestattungen und Kirchenaustritte kompensieren.

Im evangelischen Dekanat Hochtaunus, dem außer Kronberg und Königstein alle evangelischen Gemeinden des Kreises angehören, waren Ende 2016 nur noch 55 550 Protestanten registriert, davon etwa ein Drittel im Usinger Land. Zahlen aus 2017 gibt es erst Mitte des Jahres. Aber die Tendenz der Austritte könnte sich fortsetzen. Hatten im 2014 besonders viele Protestanten, nämlich 780, ihrer Kirche den Rücken gekehrt, waren es 2015 noch 634 und 2016 nur 532.

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GEGANGEN Zwangsehe mit festen Dogmen

Redakteur Andreas Burger erklärt, weshalb er aus der Kirche ausgetreten ist.

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Demografische Entwicklung

Michael Tönges-Braungart, Dekan des Evangelischen Dekanats Hochtaunus, begründet den Rückgang der Mitgliederzahlen vor allem mit der demographischen Entwicklung. So standen im Jahr 2016 den 714 Bestattungen evangelischer Gemeindeglieder 456 Taufen von Kindern und 39 Taufen von Erwachsenen gegenüber. Die Zahl der Austritte habe sich im Jahr 2016 auf das Niveau vor der Reform der Abgeltungssteuer eingependelt. Die Zahl der Wiederaufnahmen ist in den letzten Jahren in etwa konstant, aber mit rund 100 vergleichsweise niedrig. „Leider erfahren wir in den allermeisten Fällen nicht die Gründe für einen Kirchenaustritt, da wir erst dann davon erfahren, wenn die Entscheidung längst gefallen ist. Oft sind veränderte Lebenssituationen wie Geburt oder die anstehende Hochzeit für Ausgetretene ein Anlass, über ihr Verhältnis zur Kirche neu nachzudenken“, so der Dekan.

In einzelnen Gemeinden kann das anders aussehen. So steigen die Austritte in der Waldensergemeinde in Dornholzhausen an. Pfarrer Stefan Schrick hat die Zahlen aus 2017 für diese Zeitung ausgewertet, und da haben sich besonders viele Protestanten abgewendet, zumindest auf dem Papier.

Manche ehemaligen Gemeindemitglieder sind nämlich dem Förderverein der Kirchengemeinde beigetreten. „Mit Spenden, die zum Teil höher sind als die Kirchensteuer, die sie vorher gezahlt haben, unterstützen sie weiter die kirchliche Arbeit und sie besuchen auch die Gottesdienste“, berichtet er. Im Gegensatz zu den Dekanatszahlen, wonach die Gottesdienste auch an hohen Feiertagen immer schlechter besucht werden, freut sich Schrick über gleichbleibende Resonanz.

Komplett anders ist die Entwicklung in der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Brombach. Hier wird Gemeindearbeit und die ganze Kirche durch freiwillige Beiträge und Spenden finanziert und die Gemeinde hat einen großen Zulauf. Im Vorjahr gab es keine Austritte, aber acht Neuaufnahmen. Die Gemeinde zählt 154 getaufte Glieder, dazu kommen weitere 154 Angehörige. „Viele kommen zu uns, weil wir so eine lebendige Gemeinde sind“, so Pfarrerin Cornelia Trick, die versichert: „Wir fischen aber nicht in anderen Gemeinden.“

Matthias Pieren
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Matthias Pieren, freier Mitarbeiter dieser Zeitung, erzählt, weshalb er in der Kirche geblieben ist.

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98 Aus- und 4 Eintritte

Ganz andere Probleme hat die Großpfarrei St. Franziskus und Klara Usinger Land, der bis auf Hasselbach elf ehemals eigenständige Kirchorte angehören. Nach 143 Austritten im Skandaljahr 2015, als die Machenschaften des ehemaligen Bischof viele Katholiken vergraulten, waren es 2016 noch 99 Austritte und im Vorjahr blieb die Zahl der Abkehrer mit 98 konstant. Demgegenüber gab es nur vier Neueintritte von Erwachsenen. Über die Gründe für die Austritte gibt es kaum Informationen. „Es sind meistens Mitglieder zwischen 20 und 40 Jahren, die sich von uns abwenden. Die könnten finanzielle Gründe haben, aber ihnen könnten auch traditionelle Bindungen fehlen“, so Pfarrer Paul Lawatsch. Die rückläufige Zahl der Gemeindemitglieder ist aber nicht der Grund für die Stellenreduzierung in der Großpfarrei. „Indirekt brauchen wir für weniger Mitglieder auch weniger Mitarbeiter“, sagt Lawatsch auf Anfrage. Er macht aber deutlich, dass es vor allem an Nachwuchs fehlt. Durch Wegzug und Altersrente seien 2,25 Stellen frei geworden, die nur zum Teil wieder besetzt werden konnten. Ein neuer Personalverteilungsplan soll 2018 im Bistum für eine gerechte Verteilung sorgen. Doch abgeleitet von der Altersstruktur der Mitarbeiter und den in Ausbildung befindlichen Anwärtern werde die Zahl der pastoralen Mitarbeiter von aktuell rund 450 auf 275 im Jahr 2030 weiter zurückgehen, prognostiziert Lawatsch.

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