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900 Abschüsse: Jägervereinigung erhöht Soll

Von Die Rotwildjagd im Taunus ist erfolgreich, die Jäger erfüllen ihr Soll weitgehend. Dennoch soll nicht nur noch mehr geschossen werden, sondern auch zu anderen Zeiten, aus Tierschutzgründen. Das jedenfalls fordert ein Wildbiologe.
Ralf Heitmann erläutert das Geweih des Hegeschau-Siegers, den Dr. Walter Kuna im Revier Wehrheim I zur Strecke gebracht hatte. Ralf Heitmann erläutert das Geweih des Hegeschau-Siegers, den Dr. Walter Kuna im Revier Wehrheim I zur Strecke gebracht hatte.
Neu-Anspach. 

Im Rotwildgebiet Taunus wurden im Jagdjahr 2017/18 194 Hirsche und 626 Stück Kahlwild erlegt. Damit wurde das Soll von 205 beziehungsweise 674 weitgehend zu 94 beziehungsweise 93 Prozent erfüllt. Dennoch und trotz der Steigerung zum Vorjahr hat die Rotwildjägervereinigung das Soll für 2018/19 auf rund 900 Stücke erhöht.

Ralf Heitmann, stellvertretender Rotwildsachverständiger für das Rotwildgebiet Taunus, sagte am Samstag bei der Gebietshegeschau im Neu-Anspacher Bürgerhaus, dass bei der Population und den damit verbundenen Schälschäden auch eine Quote von 1000 vertretbar gewesen wäre, man setze aber auf Freiwilligkeit und Verantwortung der Jäger.

Trophäenschau

Rund 150 Jäger hatten im Bürgerhaus ihre Trophäen aus dem vergangenen Jagdjahr ausgestellt. Ein Teil wurde von Heitmann besprochen, wobei er auch von Fehlabschüssen sprach. Dann nämlich, wenn das Wild falsch angesprochen und für jünger oder auch älter gehalten werde, was aber passieren könne. Wie alt ein Hirsch ist, lässt sich nicht am Geweih sicher ablesen, sondern am Zahnbild. Auch wirke sich das Nahrungsangebot auf den Geweihwuchs aus. In Höhenlagen lebende Hirsche hätten schwächere Geweihe als solche aus vegetationsreicheren Lagen. Heitmann sprach hier von den „Taunushungerleidern“.

Perfekter Schuss, gewaltiges Tier

Der stärkste Hirsch in der Ausstellung war ausweislich seines Geweihs ein „Ungerader Sechzehnender“ aus dem Revier Wehrheim I. Dr. Walter Kuna hatte das 175 Kilo schwere, zehnjährige Tier am 9. September 2017 erlegt.

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Fehleinschätzungen gibt es aber nicht nur bei der „Knochenjagd“, wie Jäger die ideellen Bedürfnisse, „den Lebenshirsch zu erlegen“, bezeichnen. Bei der Rotwildjagd ist zur Regulierung der Bestände eine intensive Bejagung des weiblichen Wildes als Zuwachsträger wichtiger als die der Hirsche. Das Problem liege im Tierschutz, betonte der Wildbiologe Olaf Simon in einem Fachreferat. Beim waid- und tierschutzgerechten Erlegen von weiblichem Wild, vor allem bei Bewegungsjagden, sei es nur schwer feststellbar, ob ein Stück Kahlwild ein Kalb führt oder nicht. Muttertiere seien oft alleine unterwegs, warnte Simon davor, „den Finger zu schnell krumm zu machen“. Sogenannte Dubletten, bei denen Alttier und Kalb in einem Zug erlegt werden, seien anzustreben.

Klarheit durch DNA-Abgleich

Die Zahlen geben Simon recht. Bei vielen Bewegungsjagden ergebe die Streckenüberprüfung anhand des Gesäuges erlegter Tiere hinterher eindeutig, dass sie führend waren. Das bedeute zwar nicht zwingend, dass in gleichem Maße „Waisen“ zurückgeblieben sind, da stets auch viele Kälber gestreckt werden. Klarheit könne hier nur ein DNA-Abgleich bringen. Rotwild habe eine lange Erziehungsphase, die Kälber blieben lange im Schutzbereich ihrer Mütter und würden oft weit über das erste Lebensjahr hinaus gesäugt. Der Blick auf das Gesäuge vor dem Schuss sei, auch wenn es schwierig sei, wichtig.

Simon attestierte der Rotwildjägervereinigung zwar grundsätzlich ein verantwortungsbewusstes Vorgehen, empfahl zugleich aber dringend, die Jagdstrategien zu überdenken. Er riet dazu, auf die Jagd im August zu verzichten, die Sommerjagd bringe erfahrungsgemäß nur 40 Prozent der Quote, und die Gefahr, einem vielleicht abliegenden Kalb die Mutter zu nehmen, könne so minimiert werden. Stattdessen schlug Simon gemeinsame, bis zu dreitägige Ansitzjagden von Oktober bis Ende Dezember und Bewegungsjagden ab Ende Oktober bis Dezember vor, danach wegen der stoffwechselphysiologischen Winterruhe nach Möglichkeit aber nicht mehr. Simon sprach sich auch für eine kürzere Jagdsaison aus. Nirgendwo in Europa sei die Jagd auf Rotwild so lange „offen“ wie in Deutschland. Kürzeres und intensiveres Bejagen des Rotwildes sollte also auch hierzulande möglich sein, sagte Simon. Jagd bringe zwangsläufig Unruhe in den Wald. Wenn das Rotwild seinen Stoffwechsel auf ein Minimum reduziert und durch Jagddruck aufgeschreckt wird, bedeute das körperliche Strapazen.

Der Vortrag, so exzellent er das Wechselspiel zwischen Wildbiologie und Jagd auch beleuchtet habe, mache sprachlos, „mir ging er richtig an die Nieren“, resümierte Roland Fetz, Vorsitzender der Rotwildjägervereinigung.

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