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Unterwegs mit dem Schallmessgerät: Luft im Schnee dämpft Geräusche

Um der Hektik und dem Stress des Alltags zu entgehen, muss man die Stille nicht gleich im Kloster suchen. Unser Reporter Matthias Pieren hat auf seiner Suche nach Ruhe mit seinem Schallmessgerät die Feldbergregion erkundet. Bei Schneefall und auch bei Tauwetter ein ganz besonderes Erlebnis.
Die Mischlingshündin Lilly von Sascha Wieschnat ist von der Winterwanderung hellauf begeistert. Foto: Pieren Die Mischlingshündin Lilly von Sascha Wieschnat ist von der Winterwanderung hellauf begeistert.
Usinger Land. 

Feine Eiskristalle schweben bei Minusgraden der Feldberg-Region entgegen. Der Eindruck, dass bei Schneefall ringsum alles langsamer und stiller wird, trügt nicht. Das liegt aber nicht nur daran, dass Autofahrer die Geschwindigkeit drosseln.

Schneeflocken fallen tatsächlich langsamer als Regentropfen vom Himmel, aufgrund der kristallinen Struktur der Flocken ist der Luftwiderstand einfach größer als der von Regentropfen. Stimmt der persönliche Eindruck, dass unter Schnee alles leiser wird?

Mit der Schallmesser-App („Sound Meter“) auf meinem Smartphone mache ich mich auf dem Großen Feldberg auf den Weg. Eigentlich hätte ich mir denken können, dass hier oben auf 881 m Höhe das Lachen und Jauchzen rodelnder Kinder die Szenerie bestimmen. Am östlichen Rand des Plateaus, dort, wo der Familien-Rodelhang von vielen Winter-Ausflüglern bevölkert ist, zeigt der Schallmesser einen permanenten Pegelausschlag zwischen 45 und 55 Dezibel. „Aus der Bahn“, ruft direkt neben mir ein Jugendlicher, wonach der Zeiger auf über 75 bis 80 dB ausschlägt.

Frisch gefallene Flocken

Trotz allen Trubels entsteht der Eindruck, dass der Nebel die Geräusche in Watte packt, den Schall schluckt. Hinzu kommt erneut einsetzender Schneefall. Tatsächlich ist es so, dass der Schnee den Schall dämpft, bestätigt das Fraunhofer-Institut für Bauphysik. Grund dafür ist die Luft im Schnee. „Der Schnee besteht bis zu 90 Prozent aus Luft, der Rest aus Eiskristallen. Frisch gefallener Schnee kann wegen der filigranen Struktur von Schneeflocken den Schall gut absorbieren.“

Je weiter ich mich nun vom Winterspass auf dem Plateau hinein in den Taunuswald begebe, desto stiller wird es tatsächlich auf den Waldwegen. Hier höre ich nur noch den Schnee unter den Sohlen knirschen. Das Schallmessgerät zeichnet dieses Geräusch mit einem Pegel von bis zu 40 dB auf.

Zwar wird es um mich herum stiller. Doch mein permanentes Schnaufen nach steilem Anstieg im schweren Pappschnee wird unerbittlich mit aufgezeichnet 35 dB – meine Kondition war schon einmal besser. Doch der Schneespaziergang wirkt wie Balsam für meine Seele. Alles um mich herum wirkt friedlich und beschaulich.

Nach der Rückkehr vom Rundweg geht’s ein paar hundert Höhenmeter tiefer zum Naturpark-Wanderparkplatz Weilsberg zwischen der Passhöhe am Roten Kreuz (688 m) und Niederreifenberg an der L 3025.

Lautes Bellen

Sascha Wieschnat aus Glashütten kommt mir mit seiner Mischlingshündin Lilly auf dem Wanderweg entgegen. Sie springt vergnügt durch den Pappschnee und bellt dabei vor Freude (knapp 80 dB). Auf dem 2,5 km langen Weilsberg-Rundweg kommt mir niemand entgegen.

Doch auch hier bleibt die gesuchte Stille relativ. Bei leichten Plusgraden fallen unentwegt Schneebatzen von den Bäumen und schlagen dumpf auf dem Pappschnee auf (40 dB Spitzen). Auf dem Rundweg begleitet mich das Platschen meiner Wanderschuhe auf dem dahinschmelzenden Schneematsch (35 bis 40 dB).

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