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Mitfahrbänke: Modernes Trampen, nur bequemer

Von Das Leben auf dem Lande mag ja idyllisch sein. Ältere sind ihm aber ausgeliefert. So schwer es oft ist, hinzukommen, so schwer ist es auch, wieder wegzukommen. Oft fahren gar keine Busse, oder sie fahren zu selten. In Weilrod naht Abhilfe. Denn bald werden die ersten Mitfahrbänke aufgestellt.
Bauhofleiter Dieter Veidt (rechts) und Gemeindeschreiner Herbert Wild (stehend) demonstrieren die Funktionsweise der neuen Mitfahrbänke. Bürgermeister Götz Esser (links) hofft, dass sie blauen Bänke künftig rege genutzt werden. Bilder > Bauhofleiter Dieter Veidt (rechts) und Gemeindeschreiner Herbert Wild (stehend) demonstrieren die Funktionsweise der neuen Mitfahrbänke. Bürgermeister Götz Esser (links) hofft, dass sie blauen Bänke künftig rege genutzt werden.
Weilrod. 

Ohne Mobilität geht heute auf dem Land gar nichts mehr, denn anders als in der Stadt gibt es eben nicht in jedem Dorf einen Arzt, eine Apotheke, einen Laden, eine Kneipe, Freunde. Zwar gibt es den Bus, doch der kann es auch nicht alleine richten, denn häufig passen die Fahrzeiten nicht zu den Passagieren, denn die freundliche Zahnarzthelferin kann bei der Terminvergabe kaum alle Busfahrpläne im Kopf haben, damit es für die Patienten auch passt.

„Gerade unsere Senioren, von denen viele kein Auto mehr haben, gehört Mobilität zu den wichtigen Dingen des Alltags“, sagt Bürgermeister Götz Esser (FWG). Er hat gerade in der Schreinerei des Bauhofs am Rathaus neben Bauhofchef Dieter Veidt auf einer Bank Platz genommen. „Probesitzen“, nennt er das. Vier der in sympathischem Blau gestrichenen Bänke sollen zu den ersten Weilroder Mitfahrbänken werden. „Solche Bänke gibt es bereits an vielen Orten, auch in Obernhain steht eine, unsere können aber mehr“, sagt er und verweist auf den ebenso blauen Pfosten, der zu jeder Bank gehört. Drei Meter hoch, enthält er in Griffhöhe sechs weiße Wegweiser mit Loch. In dieses Loch greift man hinein und zieht, je nach dem Ziel, einen von sechs Wegweisern heraus, richtet ihn waagerecht aus, nimmt Platz und wartet, bis ein Auto anhält. „Modernes Trampen, nur bequemer“, sagt Dieter Veidt. Zwei Bänke werden in Rod an der Weil – am Kreisel und in der hinteren Weilstraße – stehen, eine in Riedelbach an der Tankstelle Mohr und die vierte in Hasselbach im Eichelweg.

Die Idee, Mitfahrbänke in Weilrod aufzustellen, kam Esser vor einiger Zeit. „Leider sind von privater Seite gestartete Mitfahrprojekte nicht so recht in Gang gekommen. Auch kennen wir die Busfahrpläne. Da gibt es zwar immer mal Verbesserungen, wenn der Bus aber gerade weg ist oder überhaupt keiner kommt, haben die Weilroder ein Problem“, sagt Esser, der die Mitfahrbänke als Ergänzung für die „Öffis“ sieht, nicht als Konkurrenz.

Baum als Bausatz

In den Ferien habe er die Bänke mit den Klappschildern in der Nähe von Flensburg entdeckt. Ausprobieren und fotografieren war eins. Daheim im Bauhof besprach er die Idee. „Kein Problem“, sagte Bauhofschreiner Herbert Wild. Der Gedanke an einen Bausatz war für Wild fast schon eine Beleidigung: „Für uns ist ein Baum ein Bausatz, mache mer selbst, ferdisch..!“ Die vier Pfosten mit den Schildern sind bereits fertig, an den Bänken schreinert Wild noch. Die Teile sind aber schon gehobelt, die Löcher gebohrt und teilweise sind die Latten bereits blau gepinselt. Also doch ein Bausatz? „Klar, aber ein selbstgebauter“, freut sich auch der Bauhofleiter über das Engagement seines Mitarbeiters.

Richtungsweisend und rechtliche Hinweise

Vier Mitfahrbänke mit jeweils sechs Zielen sollen in Weilrod aufgestellt werden. Zwei werden in Rod an der Weil in Kreiselnähe, beziehungsweise in der hinteren Weilstraße stehen, eine in Hasselbach

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Esser hält Mitfahrbänke im ländlichen Raum für besonders sinnvoll: „Die Leute kennen sich oft, und die Bereitschaft, Mitbürger mitzunehmen, dürfte größer sein als in der Stadt“, sagt er. Mittelfristig soll es in allen 13 Ortsteilen Mitfahrbänke geben. Zwei der fast fertigen Bänke wurden bereits gespendet, von Rewe-Marktinhaber Christian Weiß und Tankstellenbetreiber Otfried Mohr. „Es gibt auch Spendenquittungen und kleine Schildchen mit dem Namen des Spenders“, wirbt Esser um Nachahmer.

Nachbarn machen mit

Mit seinen Nachbarkollegen hat der er bereits gesprochen: „Bad Camberg macht mit und Weilmünster auch, damit die Weilroder wieder heimfinden“, lacht er. Gespräche über Rückkehrbänke will er auch mit den Bürgermeistern von Schmitten, Marcus Kinkel (FWG), und Usingen, Steffen Wernard (CDU), führen.

Die Bänke sollen bald montiert werden. Und damit die Mitfahrbänke nicht zu Mitnahmebänken werden, werden sie im Boden verankert. Mittelfristig werden sie sogar ein Dach bekommen: „Bis 2022 müssen wir alle Bushaltestellen barrierefrei umbauen. Sie bekommen dann neue Wartehäuschen, und mit den alten können wir dann die Bänke überdachen“, so Esser.

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