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Wehrheim: Naturschutzbund schafft Biotop am Obernhainer Weg

Von Unweit des neuen Gewerbegebiets Süd soll in den kommenden Monaten ein Refugium für Amphibien, Insekten und Kleinsäuger entstehen. Der Naturschutzbund hat den ehemaligen Reitplatz am Obernhainer Weg ersteigert und will ihn zu einem Biotop umgestalten.
Der alte Reitplatz am Obernhainer Weg unterhalb der Bahnstrecke gehört jetzt dem Nabu Wehrheim. Er soll in diesem Jahr zu einem Biotop umgestaltet werden. Bilder > Der alte Reitplatz am Obernhainer Weg unterhalb der Bahnstrecke gehört jetzt dem Nabu Wehrheim. Er soll in diesem Jahr zu einem Biotop umgestaltet werden.
Wehrheim. 

Derzeit wird im Ort viel über Neubau-Pläne diskutiert, beziehungsweise darüber, wie viel Urbanisierung das Apfeldorf noch verträgt. Der Naturschutzbund Wehrheim hat dabei vorrangig die Natur im Blick – und sich für dieses Jahr einen ganz eigenen „Neubau“ vorgenommen. In den kommenden Monaten soll aus dem ehemaligen Reitplatz der damaligen Reithalle Lepper unterhalb der Bahnlinie westlich des Obernhainer Wegs ein Biotop werden. Auf dem 3600 Quadratmeter großen Grundstück in Erlenbach-Nähe, wo derzeit nur noch ein paar Überreste der einstigen Nutzung zu erahnen sind, sollen dann unter anderem zwei Laichteiche für Amphibien angelegt werden.

„Wir haben den Platz im vergangenen Jahr ersteigert“, erklärt Wolf-Dieter Herrmann, stellvertretender Nabu-Vorsitzender. Wie viel der Verein dafür berappen musste, will er nicht sagen, aber „er war nicht ganz billig“. Denn die Fläche liegt strategisch günstig. Direkt nördlich des Feldweges sieht der Flächennutzungsplan derzeit noch eine Nutzung als Schulstandort vor, im vergangenen Jahr hat sich die Gemeindevertretung dafür ausgesprochen, dort das Gewerbegebiet „Unter dem Mühlberg“ zu projektieren. „Uns gelingt es so, dieses Stück Natur dauerhaft zu erhalten. Und wir müssen uns keinem Nutzungskonzept eines Eigentümers unterwerfen“, freut sich Herrmann.

Ideales Grundstück

Für die Pläne des Vereins ist das dreieckig geschnittene Grundstück ideal, nicht nur weil es bereits sehr naturbelassen ist. Es liegt in der Erlenbach-Aue und ist von zwei Seiten von Gräben und Bäumen umgeben. Und die, Herrmann schätzt sie auf ein Alter von rund 30 Jahren, sollen schon in dieser Woche wieder in Form gebracht werden. „Es lässt sich noch gut sehen, dass die Weiden früher einmal zu Kopfweiden geschnitten wurden, sie beginnen sich schon in anderthalb Meter Höhe zu verzweigen. Den Charakter wollen wir wieder herstellen.“

Landwirt und Nachbar Thorsten Keller hat zugesagt, in dieser Woche anzurücken und den Schnitt mit zu übernehmen. Das anfallende Reisig soll auf dem Gelände aufgeschichtet werden. Das Totholz wird so zu einer ersten Zuflucht für Tiere.

Im hinteren Bereich lässt sich eine Sprunggrube mit Wasseranschluss für die Pferde ausmachen. Später sollen dort Bagger anrücken, um zwei Laichtümpel anzulegen, die der Amphibien-Population helfen. Hilfe, weiß Herrmann, können die Kröten im 150 Meter entfernten Pfarrmühlenteich gut gebrauchen. „Dort gibt es eine Population, um die wir uns seit Jahren kümmern – trotzdem geht sie zurück.“ Auch, weil der Teich nicht die ideale Qualität als Laichgewässer hat. Vielleicht hilft das neue Biotop, den Trend zu stoppen. Der Nabu hofft auf Grasfrosch, Bergmolch und Erdkröte als neue Bewohner. Für die Umsetzung hat der Hochtaunuskreis bereits Geld zugesagt. Wie lange es dauert, bis sich aus der Fläche ein echtes Biotop wird, kann Herrmann nicht abschätzen. „Normalerweise dauert es lange, bis es so weit ist. In dem Fall hilft uns aber, dass der Reitplatz naturbelassen war.“ Als Gegenbeispiel nennt Herrmann die Ernst-Reiter-Wiese am Bizzenbach, um die sich der Nabu seit 1989 kümmert. „Da hat es 20 bis 25 Jahre gedauert, bis sich die ersten Zeichen für einen Magerboden zeigten.“

Renaturierung der Bäche

Mager ist in diesem Fall positiv besetzt, bedeutet es doch, dass keine (Über-)Düngung mehr besteht und die Artenvielfalt größer wird. Auch wenn es sich paradox anhört: „Es gibt zwar mehr Pflanzenarten, die nicht so viele Nährstoffe brauchen. Die sind gegenüber den anderen aber nicht konkurrenzfähig. Auf nährstoffreichen Wiesen wuchern zum Beispiel Brennnesseln oder Disteln. Glockenblumen, Kuckucks-Lichtnelke oder Schlüsselblume haben kaum Chancen.

Ein weiteres Hauptstandbein des Nabu ist die Renaturierung der Fließgewässer. Und auch da war der Verein in jüngster Zeit aktiv. Im vergangenen Jahr haben die Naturschützer Dank einer Flur-Neuordnung einen 500 Meter langen Uferstreifen am Bizzenbach umgestalten können. „Auch hier kann uns kein Nutzungskonzept übergestülpt werden, wir konnten also frei handeln“, so Herrmann, der auch Vorteile für Gemeinde sieht: „Das Rathaus muss sich in diesem Abschnitt um nichts mehr kümmern.“ Ein weiteres Plus: „Seitdem wir angefangen haben, uns um den Bizzenbach zu kümmern, gab es seltener Überschwemmungen im Wohngebiet Stecker.“

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