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Rührmaschinen für Salben und Cremes

Fast 100 Jahre alt: Die Fliesen im Hausgang sind noch gut erhalten. Bilder > Foto: Frank Saltenberger Fast 100 Jahre alt: Die Fliesen im Hausgang sind noch gut erhalten.

Das Wohnhaus und Werkstattgebäude Bahnhofstraße 20 wird gerade aufwendigst saniert. Ein Flügel mit Garagen wurde bereits abgerissen und versetzt dazu mit dem Neubau neuer Garagen begonnen. Trotzdem macht das Gebäude noch immer einen verwinkelten Eindruck. Besonders imposant ist die Ansicht von der unteren Ecke an der Straße. Von dort sieht man einerseits die Schaufassade des Industriebaus und die des Wohnhauses, andererseits die von der Straße wegführende durchgehende hohe Außenseite des Werkstatt-Teils. Dort ist in großen Lettern auch noch schemenhaft der Name der Erbauer zu lesen: „Pittroff & Haag“.

Der alte ockerfarbene Anstrich ist noch original und lässt das Gebäude als sehr einheitlich erscheinen, aber der Schein trügt. 1895 wurde die Eisenbahn Bad-Homburg-Usingen eröffnet, was nicht nur mit der Anlage der Bahnhofstraße einherging, sondern auch mit der Bebauung rechts und links der schnurgeraden Straße. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden aber nur wenige Häuser gebaut.

Der Waffenstillstand war noch nicht unter Dach und Fach, da bemühte sich der Usinger Architekt Karl Schweighöfer im Juni 1918 um eine Baugenehmigung für einen Anbau an ein bestehendes Werkstattgebäude der Firma Pittroff & Haag. Dieser ältere Bau hat sich im hinteren Teil des bestehenden Baukörpers erhalten, war aber ursprünglich nur eingeschossig.

Schweighöfer entwarf fast zeitgleich den Neubau des vorderen Werkstattgebäudes mit Wohnhaus. An beiden wurde schon gearbeitet, als noch vor der Rohbauabnahme die Pläne weitreichend geändert wurden: Erst wurde der Altbau aufgestockt, dann auch der angefangene Neubau. Schon ein Jahr später muss produziert worden sein, denn in einer Apotheker-Zeitschrift wird 1921 für Rührmaschinen zur Herstellung von Salben und Cremes geworben, die in der „Usinger Metall-Industrie Pittroff & Haag“ hergestellt wurden. Offensichtlich liefen die Geschäfte gut, und die Unternehmer steckten sich hohe Ziele, denn 1920 wurden noch zwei Lagerhallen für Material und fertige Produkte geplant und vermutlich auch gebaut. Für die größere hintere Halle scheint dies festzustehen, sie ging später in der Landproduktefirma Maurer auf. Der erhaltene Bestand wird nun denkmalgerecht und mit Liebe zum Detail saniert und restauriert.

(fms)
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