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Steffen Wernard kocht: Vier „Frauen“ und ein Kandidat

Von Freienfels. Das muss man erst mal finden. Und dort bin ich beim Bürgermeister und Kandidaten Steffen Wernard in seinem Haus zum Essen geladen. Lustig war’s – und lecker.
Steffen Wernard liebt die „vierte Frau“ im Haus, den Thermo-Mix, der fast alleine kocht. Bilder > Steffen Wernard liebt die „vierte Frau“ im Haus, den Thermo-Mix, der fast alleine kocht.
Freienfels. 

Fasten und zum Essen eingeladen werden, das ist kaum kompatibel. Aber der Termin für die Homestory bei Wernards Zuhause steht schon lange, und kleine Sünden verzeiht der liebe Gott sofort (oder wie heißt das?). Das Navi findet auch Freienfels, wo Bürgermeister und Kandidat Steffen Wernard mit seiner Frau Tanja und den beiden Töchtern Carlotta (2005 geboren) und Martha (2008) sein Häuschen 1996 gebaut hat. Bis auf den Rohbau in Eigenleistung.

Wenn jetzt die Küche noch etwas größer wäre, könnte man auch problemlos fotografieren. Aber so ist’s familiärer, wenn sich vier Menschen im Raum drängen.

Er hat nie gesagt, dass er kochen kann. Nach dem Motto „Man muss nicht alles wissen, nur wissen, wo es steht“ gilt bei ihm: Kochen macht der Thermo-Mix. Rezept eingeben, Anweisungen befolgen, servieren. Beim Limettensaft hilft Frau Tanja. Fast wäre man gewillt zu frotzeln: Eine Stadt mit 14 000 Einwohner führen, aber am Limettensaft scheitern. Nein, hat ja geklappt.

Auch wenn Freienfels jetzt sein Domizil ist, kann sich Steffen Wernard als Usinger Bub bezeichnen. Hier geboren, zur Schule gegangen, aufgewachsen, gekickt, gelernt. Aber nicht gebaut. Denn in der Ausbildungszeit streckt man sich finanziell zur Decke, und das Bauland unter der Burgruine war damals günstig. Wer will’s verdenken.

Rezepte

Kartoffelsalat: Kleine Kartoffeln mit Schale kochen, pellen und mit einer Marinade nach Geschmack gut durchziehen lassen.

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Inzwischen hat sich Tochter Martha Messer und Brett geschnappt und springt dem Papa zur Seite, um Gemüse zu schnippeln. Und sie schaut immer wieder kritisch aufs Tun des Vaters. „Wird das auch was?“, kommentiert sie.

Wernard konzentriert sich auf Zutaten und antwortet gleichzeitig auf Fragen. Eine tolle Kindheit habe er gehabt, liebevolle Eltern und gerade als Kind und Jugendlicher viel Spaß in Usingen. 1993 hat er dann Frau Tanja geheiratet, die ihm bei einer HR-3-Disco sozusagen in die Arme lief. Sympathie auf beiden Seiten, die in der Ehe mündete. Bis 1996 haben sie in der Weilburger Straße gewohnt. „Eigentlich hatte ich an dem Abend super schlechte Laune, weil die Eintracht gerade gegen die Bayern verloren hatte“, schmunzelt er. Tanja hat ihn wieder aufgerichtet, den Eintracht-Fan. Bei der derzeitigen Spielweise seines Klubs sollte er vielleicht seine Liebe einem anderen Verein zuwenden, der schlechten Laune wegen? Den Bayern? „Niemals!“

1993 geheiratet, dann kamen die Kinder aber spät, oder? „Wir waren damals mit Aus- und Weiterbildung beide stark eingebunden, und für Kinder braucht man Zeit. Aber dass wir Kinder wollten, das war klar.“

Was Weiterbildung angeht, ist die Liste lang. Nach der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten in Usingen legte er die Fachhochschulreife an der Feldbergschule in Oberursel ab (Wirtschaft und Verwaltung), absolvierte die Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) beim Hochtaunuskreis, war Sachbearbeiter im Personal, danach im Sozialamt, kümmerte sich um Kreisplanung und Kreisentwicklung und übernahm 1997 die Leitung des Fachbereichs Immobilienmanagement des Kreises, wurde Geschäftsführer Gemeinnützige Wohnungsbau Hochtaunus und Geschäftsführer des Eigenbetriebes Taunus-Gebäudeservice.

2006 rief ihn Landrat Ulrich Krebs als Büroleiter, seit 2010 ist er Bürgermeister. Es war übrigens der Parteikollege Dieter Fritz, der ihn bearbeitete, nach dem Weggang des Vorgängers Matthias Drexelius sich ums Amt zu bewerben. „Woanders als in Usingen hätte ich mich nie beworben“, betont Wernard.

Familienmensch

Inzwischen sind wir dick vermummt auf der Terrasse gelandet, wo die Steaks auf den Grill kommen. Handgemacht. Das hat er drauf, das Fleisch kommt punktgenau auf den Teller, mehr durch für die Frau, etwas kürzer gebraten für die Männer, die Kinder wollen lieber Hähnchen.

Nach dem Hauptgericht geht’s wieder zum Kochen nach Zahlen. Beeren-Mus und Himbeer-Sorbé kocht der Mann (produziert der Thermomix). Was steht denn oben, Beruf oder Familie? „Familie“, kommt sofort zurück. Wenngleich das bei einer lockeren 70-Stunden-Woche schwer vorstellbar ist. Und so ist die Frau – derzeit besonders – auch hauptsächlich Erziehungsbeauftragte.

Wie hält es die Familie mit dem Glauben. „Ich bin katholisch, die Frau evangelisch und auch die Kinder. Na ja, regelmäßig in den Sonntagsgottesdienst schaffen wir es nicht, aber wir versuchen es“, schmunzelt Wernard.

Es ist nicht einfach, zwei Lebensmittelpunkte zu vereinen. Freienfels, wo die Familie viele freundschaftliche Kontakte hat und Usingen, wo die alte Heimat, die alten Freunde leben. Es ist eine Art Leben in Usingen, Ortsteil Freienfels. Im Wohnort ist die Frau im Karneval aktiv – die Kinder auch schon, er spielt Fußball bei den alten Herren in Usingen.

Wie halten es die Wernards mit der Kindererziehung? „Wir sind da auf einer Linie. Ein Mobiltelefon etwa gab’s jetzt nur für die ältere Tochter, weil sie außerhalb auf die Schule geht.“ „Nächste Jahr bekomme ich auch ein“, wirft Martha ein. „In zwei Jahren“, korrigiert die Mutter.

Der Thermo-Mix rattert vor sich hin, piept, schreddert und kühlt, während der Hausherr mit dem Teigschaber davor stehenden sinniert: „Eigentlich war ich in jungen Jahren sehr schüchtern.“ „Ach?“, kommt die Stimme der Frau aus dem Off. Wir vertiefen das Thema nicht weiter.

Kostner-Fan

„Die Früchte sind noch zu grob“, wirft die Gattin einen prüfenden Blick in die Schüssel. „Wird nix“, so Martha. Wird doch, so der Test-Esser, war nämlich lecker.

Schauen wir mal, wie gut sich die beiden kennen: Lieblingsfilm? „Wüsste ich nicht“, meint die Frau, während er von Robin Hood mit Kevin Kostner schwärmt. Einig sind sie sich beim Lieblingspolitiker: keinen. Die Lieblingsfarbe ist nicht schwer: schwarz-rot. Eintracht eben. Beim Lieblingsbuch gibt’s wieder eine Übereinstimmung bei den Antworten, weil er es gerade fertig hat: Blackout.

Vorbilder hat er keine, bei der Musik ist Tanja Wernard sicher, dass es irische Töne sind, er mag Santiano. Urlaubsort? „Österreich und die See“, sagt die Frau. Mag er auch, aber Mallorca steht zusätzlich auf dem Plan. Beim Lieblingsschauspieler mutmaßt sie Til Schweiger, den Nuschler. Er mag Kostner und Richard Gere.

Den Haushalt managt die Gattin, dazu kommt er kaum. Immerhin weiß er, dass eine Butter 1,59 Euro kosten kann. Zuständig ist der Hausherr für Getränke und die morgendlichen Brötchen, fürs renovieren („Inzwischen kann ich alles.“) und den Grill. Dass das Innere des Hauses gemütlich wirkt, dezente Akzente durch Dekoration gesetzt sind, daran hat er keinen Anteil. Macht die Frau. Was wird eigentlich, wenn die Wahl schief geht? „Dann mache ich auf Rentner“, meint er grinsend. „Neeeee!“: Die Reaktion der besseren Hälfte ist klar. Papa ante Portas.

Wenn er schon sein Herz in Usingen und seiner Kindheit hat, gibt’s noch Andenken? „Klar. Ich habe eine Hose, die hatte ich bei allen wichtigen Eintrachtspielen und der Geburt der Kinder an.“ Die Frau schaut ihn lächelnd an: „Man beachte die Reihenfolge.“ Und im Keller liegt noch ein Fisher-Price-Set aus der Kindheit.

Er ist ein Familienmensch, der Kandidat. Und er freut sich schon auf den 25. Dezember, denn dann werden die Oma 90 und die Mutter 70. Auch wenn mal die Rente ansteht, wird die Familie in den Mittelpunkt gestellt. „Ganz viel reisen und vielleicht ein paar Monate ins Ausland“, schwärmen beide. Und: „Öfter ins Stadion zur Eintracht.“

Ein netter Abend, der trotz elektrischer Haushaltshilfe (oder vielleicht gerade deswegen) auch kulinarisch zu empfehlen ist. Spaß hat’s gemacht!

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