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Größter Feind ist das Wasser: Waldwege müssen gut in Schuss sein

Von 33 000 Euro steckt Hessen Forst im nächsten Jahr in die Sanierung der Waldwege der Kleeblattstadt. Wo Prioritäten gesetzt werden müssen, zeigt Förster Hans-Peter Groos.
„Hier ist eine Lärche gewachsen“, sagt Förster Hans-Peter Groos und zeigt, wie hoch das Bäumchen schon ist. Wasser kann in dem Bankett nicht mehr abfließen. Bilder > „Hier ist eine Lärche gewachsen“, sagt Förster Hans-Peter Groos und zeigt, wie hoch das Bäumchen schon ist. Wasser kann in dem Bankett nicht mehr abfließen.
Neu-Anspach. 

Eine Beschwerde beim Förster ist schnell mal gemacht, und Hans-Peter Groos, seit 32 Jahren Revierleiter in Neu-Anspach, hat da schon viel erlebt. Bürger, die ihre Hunde im Wald ausführen, dort joggen oder Rad fahren, stören sich gerne daran, wenn ein Pfad zu matschig ist. Es kommt aber auch vor, dass sie sich darüber wundern, wenn der Weg, auf dem sie schon häufiger unterwegs waren, plötzlich ein paar Meter breiter ist.

„Dann heißt es gleich wieder, wir haben eine Autobahn im Wald gebaut“, erzählt Groos und zeigt bei einer Rundfahrt, welche Wege kürzlich instand gesetzt wurden und welche demnächst an der Reihe sind. 33 000 Euro werden im kommenden Jahr investiert. „Bescheidene Mittel“, findet Groos, der dafür Sorge tragen muss, dass die Waldwege, die für die Holzabfuhr nötig sind, und das sind immerhin 48 Kilometer, ganzjährig befahrbar sind. „Sonst wäre kein Holzverkauf möglich, und das steht auch in den Verträgen mit unseren Partnern drin.“

Doch zunächst ein kleiner geschichtlicher Exkurs: Bis Ende der 50er Jahre, so berichtet Groos, wurden die Waldwege nur für die Holzabfuhr genutzt. Pferdefuhrwerke mit Eisenreifen, fünf Tonnen schwer, hinterließen tiefe Spurrillen. Ab Mitte der 60er Jahre hatten die Fahrzeuge Gummibereifung, ein „Quantensprung“ für die Wege, die damals bereits breiter und besser waren. Anfang der 70er Jahre waren dann die ersten 30 Tonnen schweren Laster unterwegs, die das Holz nicht mehr mit einer Seilwinde, sondern mit einem Kran vom Wegesrand aufgeladen haben. Heute wiegen die Lkw 40 Tonnen. „Die Wege müssen deshalb die entsprechende Tragfähigkeit haben.“

Im kommenden Jahr will Hessen Forst mit dem ...

Die Politiker in allen Kommunen beschäftigen sich derzeit mit dem Waldwirtschaftsplan, und da macht auch Neu-Anspach keine Ausnahme. Jüngst gab sich Forstamtsleiter Bernd Müller viel Mühe, den Baupolitikern,

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Doch was ist ein – natürlich auch für Feuerwehr, Rettungsfahrzeuge und Jagdpächter – gut befahrbarer Weg? Das ist einer, der nicht von beiden Seiten so zugewachsen ist, dass die Abfuhrfahrzeuge ihre Seitenspiegel verlieren, und es ist einer, der genug Licht und Luft an die Wege lässt. Wird ein Weg freigeschnitten, spricht der Fachmann davon, dass das „Lichtraumprofil“ wiederhergestellt wird.

Schlecht befahrbar

Weiterer wichtiger Punkt ist die Wasserführung – vor allem bei Steigungen. Wege, auf deren Bankett Sträucher und kleine Bäumchen gewachsen sind, müssen mit einem sogenannten Grader, auch Erdhobel genannt, freigeschnitten werden. Dieser holt das Material auf der Berg-Seite heraus und zieht es auf die Tal-Seite. Nur dann kann das Wasser weiter am Rand ablaufen. Geschieht das nicht, wird der Weg im Laufe der Zeit ausgespült. Er hat dann tiefe Furchen und ist nur noch schlecht befahrbar. Deshalb gilt: „Die Bankett-Pflege verlängert die Lebensdauer eines Weges“, erklärt der 63-Jährige.

Das ist dann aber auch meist der Moment, an dem die Bürger von den eingangs erwähnten „Autobahnen“ sprechen. Dann ist ein 3,50 Meter breiter Weg plötzlich auf der Berg-Seite 1,50 Meter und auf der Tal-Seite 1 Meter breiter. Groos: „Dann sieht man erst einmal, wie breit er ursprünglich war.“

Prioritäten setzen

Dazu kommt, dass immer mehr Menschen ihre Freizeit im Wald verbringen. Von einer „Luxusausführung für die Naherholung“ spricht Groos, wenn auf den Schotter noch eine Sandschicht aufgebracht wird. Ist ein Weg weiter entfernt vom Ort, reicht auch „eine Ausbaustufe weniger“, wie an der Verbindung von Wildschweinroute und Mühlweg zu sehen ist. „Wir müssen Prioritäten setzen“, sagt Groos deshalb und lässt keinen Zweifel daran, dass die Hauptabfuhrwege erste Priorität genießen.

Der Förster stoppt in Hausen. An dem in den Mühlwald führenden Weg wurde vor sieben Jahren das Bankett gemacht. „Er könnte eigentlich schon wieder saniert werden“, sagt er und zeigt auf die Erosion am Rand. Ist aber noch nicht dramatisch, und so geht es weiter zum 2,4 Kilometer langen Feldbergweg – Haupterschließungsweg und Schwerpunkt der Sanierungsarbeiten 2018.

Im 1200 Hektar großen Stadtwald wird blockweise gepflegt, und weil in diesem Jahr am meisten im 700 Hektar großen Anspacher Wald gefällt wurde, hat der Feldbergweg entsprechend gelitten. 21 000 Euro wird es kosten, den Randstreifen freizuschneiden, Schotter aufzufüllen und obendrauf noch eine Sandschicht zu geben, wobei die Europäische Union die Arbeiten mit 8200 Euro fördern wird.

Lärchen im Bankett

In der Tat: Im nicht mehr sichtbaren Bankett wachsen Lärchen, alles ist voller Laub, und das Wasser, das nicht abfließen kann, hat den Weg zusammengeschrumpft und so ausgespült, dass die Fahrspuren richtig tief sind. „Das Wasser ist der Hauptfeind, Starkregen verursacht die größten Schäden“, sagt Groos.

Dass es sogar „elegante Wege“ gibt, zeigt der in diesem Jahr grunderneuerte Hangweg im Staatswald – Hauptverbindung zwischen Feldberg und Saalburg. Er wurde gerade geschottert, zum Teil befindet sich auch eine Sandschicht drauf. Am Rand wird er noch eingesät, damit das Wild etwas zu äsen hat. „Der hält jetzt die nächsten 20 Jahre“, sagt Groos.

Überhaupt ist für ihn die Frage, wie viel Geld jährlich in die Wege-Sanierung gesteckt wird, eine politische Entscheidung. „Die Wege sind genauso Kapital wie ein Gebäude“, sagt er. „Sie müssen gepflegt werden, denn durch die Witterung ist Verschleiß da.“

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