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Wohnungssuche für Asylbewerberist schwierig: Wie die Nadel im Heuhaufen

Von Sie sind rar gesät, und je mehr Flüchtlinge ins Usinger Land kommen, desto knapper werden sie: günstige Wohnungen. Der Usinger George Kalman plädiert dafür, dass alleinstehende Senioren Flüchtlinge bei sich einziehen lassen. Profitieren würden beide Seiten.
George Kalman hilft Flüchtlingen bei der Wohnungssuche. George Kalman hilft Flüchtlingen bei der Wohnungssuche.
Usinger Land. 

Für Flüchtlinge gilt die gleiche Mietobergrenze, die auch für einen Hartz-IV-Empfänger gelten würde: Einem asylberechtigten Flüchtling (Ein-Personen-Haushalt) im Usinger Land steht eine monatliche Bruttokaltmiete von 417 Euro zu, um in einer bis zu 50 Quadratmeter großen Wohnung zu leben. Das Problem ist nur, dass es diese Wohnungen kaum gibt.

Fakt ist allerdings auch, dass Flüchtlinge, die Asyl bekommen, eigentlich aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen müssen. „Ein Umzug in eine eigene Wohnung muss innerhalb von drei Monaten nach Abschluss des Asylverfahrens erfolgen (verzögert sich jedoch mangels verfügbarem, bezahlbarem Wohnraum). Für den Umzug wird eine Erstausstattung gewährt“, heißt es im Merkblatt der Caritas dazu.

Zum Thema: Welche Wohnung für wen?

Seit Juli 2015 gelten neue Mietobergrenzen im Usinger Land. Als Maßstab diente die Bruttokaltmiete, die sich aus der Grundmiete und den sogenannten kalten Nebenkosten (Wasser, Kanal, Müll und ähnliches) zusammensetzt.

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Es ist ein Dilemma, dass der Usinger George Kalman aus eigener Anschauung kennt. Denn er unterstützt die Bewohner der Unterkunft im ehemaligen Usinger Krankenhaus bei der Wohnungssuche. „Die Vermittlung ist nicht einfach, weil die Flüchtlinge keinen freien Zugang zu Computern und Internet haben.“ Dank gespendeter Computer sei in der Gemeinschaftsunterkunft mittlerweile jedoch ein kleiner Computerraum aufgebaut worden. Darin können die Flüchtlinge, unter Aufsicht der Ehrenamtlichen, an drei Nachmittagen die Woche arbeiten, etwa Deutsch lernen.

Die Sprache ist auch ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur eigenen Wohnung.

Das Problem ist, dass die meisten Flüchtlinge weder Deutsch noch Englisch können und die potenziellen, oft älteren Vermieter nur Deutsch sprechen. „Da fällt die Verständigung anfangs schwer“, hat Kalman erfahren.

Trotzdem stellt sich der 67-Jährige vor, dass gerade diese oft alleinstehenden Senioren enorm von der Vermietung profitieren würden: „Der Flüchtling könnte den Garten bewirtschaften, Einkaufen gehen, jüngere Frauen wären vielleicht sogar bereit, Pflegeleistungen zu übernehmen.“

Doch auch diese Wohnungen oder einzelnen Zimmer müssen zunächst mal gefunden werden. „Dass es viel mehr Bewerber als verfügbaren bezahlbaren Wohnraum für diese Menschen gibt, ist auf jeden Fall das Hauptproblem“, sagt Kalman.

Das Pestel-Institut aus Hannover hat vor gut zwei Monaten in einer Wohnungsmarkt-Analyse ermittelt, wie viele Wohnungen im Hochtaunuskreis benötigt werden, um die Asylbewerber unterzubringen (die TZ berichtete). Für 2015 waren es 1100 Domizile, die gebraucht werden würden. Im gesamten Kreisgebiet wurden rund 2060 Wohnungen als Bedarf errechnet. Fertiggestellt wurden im Durchschnitt allerdings nur rund 450 Wohnungen pro Jahr, heißt es in der Analyse.

Skepsis ist groß

„Im Regelfall können sich Flüchtlinge nur mit Hilfe eines ehrenamtlichen Helfers für eine Wohnung bewerben, meistens begleiten wir sie auch zur Wohnungsbesichtigung“, sagt Kalman. Beim Termin selbst würden sie nur wenige Fragen stellen, aber egal ob Makler oder Vermieter selbst beim Besichtigungstermin sind, die Bewerber, die Deutsch sprechen und ein festes Einkommen haben, werden bevorzugt.

Und: Ohne Genehmigung des Job-Centers oder Sozialamtes können die Flüchtlinge keinen Mietvertrag unterschreiben. „Leider dauert eine solche Genehmigung bis zu einer Woche und mehr“, sagt der 67-jährige Kalman. Das ist im schnelllebigen Vermietungsgeschäft oft ein Nachteil „Ich will ja nicht, dass Flüchtlinge bevorzugt werden, aber sie sollten eine Chance bekommen.“

Doch auch zwei Erfolgsgeschichten kann Kalman nach vielen Monaten im Einsatz erzählen: Er konnte dem syrischen Flüchtling Mohammed Abbas, Darsteller in dem von Flüchtlingen gedrehten Film „Bewusstlos“ („Unconscious“; TZ berichtete) eine Wohnung vermitteln. Er hat die Zusage für ein WG-Zimmer (11 Quadratmeter) in Oberursel ab 1. Februar 2016. Der Vermieter hat den Vertrag auch schon unterschrieben. „Jetzt warten wir nur noch auf die Antwort des Job-Centers“, sagt Kalman. Im 160 Quadratmeter großen Haus des 85-jährigen Vermieters aus Oberursel, der seinen Namen hier nicht lesen möchte, leben bereits mehrere Jahrzehnte einige anerkannte Flüchtlinge. Dort wird schon gelebt, was Kalman erträumt: Die Männer würden ihm helfen, wo es ginge, so der Rentner: beim Putzen des Wintergartens, beim Englisch lernen und auch mal beim Fensterputzen. „In unserer Siedlung wohnen nur alte Ehepaare. Ich denke, dass viele die eigene Bequemlichkeit davon abhält, Fremde aufzunehmen. Ich selbst habe aber fast nur positive Erfahrungen damit gemacht.“

Und auch Najd Aldiuoob, der zweite Darsteller im Film, dem auch Asyl gewährt wurde, hat ein WG-Zimmer gefunden – und zwar eigenständig über „WG-Gesucht“. „Ich hatte mit ausländischen Mietern noch keine Probleme, sie sind sogar umgänglicher als die deutschen Mieter“, sagt Abbas Vermieter Karl-Dietrich Gräff, der das Wohnhaus allerdings im Mai einem neuen Eigentümer überlässt.

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