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Zusammenstöße mit Tieren: Wildunfall-Schutz: Wie sich Fahrer jetzt richtig verhalten

Von Rehe kennen keine Winterzeit und kollidieren nun noch mehr mit den Pendlerzeiten. Die Polizei warnt regelmäßig davor, doch bei vielen Autofahrern gilt: Gehört habe ich’s wohl, allerdings . . . Wie aber kann ein Autofahrer diese Unfälle wirklich verhindern? Vor allem jetzt, nachdem durch die Zeitumstellung alles verrutscht ist.
Wie dieses Wildschwein sind im vergangenen Jahr auf Deutschlands Straßen rund 250 000 Tiere ums Leben gekommen. Es war auf der L 3205 zwischen Ober-Erlenbach und Nieder-Erlenbach mit einem Audi zusammengeprallt. Foto: Sven-Sebastian Sajak Wie dieses Wildschwein sind im vergangenen Jahr auf Deutschlands Straßen rund 250 000 Tiere ums Leben gekommen. Es war auf der L 3205 zwischen Ober-Erlenbach und Nieder-Erlenbach mit einem Audi zusammengeprallt.
Usinger Land. 

Die Zahl der Wildunfälle im Usinger Land steigt. Fast täglich meldet die Polizei seit einigen Wochen Zusammenstöße von Autos mit Rehen, Hirschen und Wildschweinen. Diese Entwicklung ist typisch für die Jahreszeit, aber ignorieren sollte man sie trotzdem nicht. Denn die Statistik sagt: Fast jeder zweite Autofahrer hat schon Kontakt mit Wild gehabt. Und: Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland 2824 verletze Menschen und 18 Tote bei Wildunfällen.

Nicht nur die Polizeimeldungen spiegeln das wider, es tauchen auch immer wieder Videos im Internet auf, die Rehe und Wildschweine beim Überqueren von Landstraßen zeigen. Vor zwei Wochen zeigte eines, wie 18 Wildschweine in Ehringshausen (Lahn-Dill-Kreis) über ein angrenzendes Feld jagten, über die Straße sprinteten und weiter in Richtung Waldrand rannten. Gefilmt hatte das die Beifahrerin vom Autositz aus.

Halbe Tonne beim Aufschlag

Wer glaubt, dass sein Auto ihn vor dem Aufprall mit einem Reh schützt, irrt. Ein 20 Kilogramm schweres Reh besitzt bei einer Kollision mit Tempo 100 ein Aufschlaggewicht von fast einer halben Tonne. Zwischen fünf und sieben Uhr sowie von 17 bis 22 Uhr besteht gerade in den ländlichen Gebieten das größte Risiko, ein Wildtier auf der Straße zu entdecken. Und mit dem Einsetzen der frühen Dunkelheit wird’s dann gerade im Herbst brandgefährlich.

Sind Wildunfälle überhaupt vermeidbar? In den meisten Fällen: Ja! Denn Rehe etwa erkennen Fahrzeuge nur bis zu einer Geschwindigkeit bis zu 80 Kilometern pro Stunde. Alles darüber entwischt ihrer Wahrnehmung. Also: Runter vom Gas. Es ist keine fahrerische Schwäche, abends und morgens im Wald nur 60 zu fahren.

Auf keinen Fall ausweichen

Was aber tun, wenn plötzlich ein Reh auf der Straße auftaucht? Auf keinen Fall ausweichen. Wer wegen eines Rehs oder Wildschweins gegen einen Baum fährt, wird sich beim Streit mit der Versicherung nicht auf die geflüchteten Zeugen berufen können – es gibt also kein Geld.

Zudem ist nicht ausreichend Zeit, sich zu vergewissern, ob beim Ausweichen ein anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet wird. Wer bei kleinen Tieren bremst und einen Auffahrunfall verursacht oder ins Schleudern kommt, dem kann sogar ein grob fahrlässiges Verhalten vorgeworfen werden.

Wer mit Aufblendlicht fährt, sieht Tiere auf der Straße durch im Scheinwerferlicht leuchtenden Augen meist früher. Aber Autofahrer sollten abblenden, wenn ein Reh zu sehen ist, denn auch Tiere werden bei starkem Licht „blind“ und bleiben stehen.

Der Autofahrer muss sofort bremsen, aber keine Vollbremsung. Denn diese kann auf den herbstlichen Straßen mit Laub und Nässe schnell ins Feld führen. Auch Hupen hilft, denn die Tiere werden verschreckt.

Besonders wichtig ist: Sind Reh und Wildschwein wieder von der Fahrbahn verschwunden, nicht gleich wieder Gas geben. Denn die vierbeinige Verwandtschaft folgt meist auf dem Fuß.

Wenn sich der Zusammenstoß nicht verhindern lies und Bambi auf der Straße liegt, gibt’s eine klare Reihenfolge für Autofahrer:

  Die Unfallstelle muss zuerst abgesichert werden. Warndreieck aufstellen, Warnblinker an, Warnweste anziehen.

  Polizei verständigen, die den Jagdpächter informiert. Fast jeder hat ein Handy – also Spuren wie Haare am Blech fotografieren (hilft bei der Versicherung).

  Nur verletzte Tiere in Ruhe lassen. Ein angefahrener Keiler ist kein Streicheltier. Tote Tiere von der Straße ziehen, wenn möglich. Aber das Reh in den Kofferraum legen fürs Weihnachtsmahl wäre Wilderei.

Schäden am eigenen Fahrzeug bei einem Unfall mit Wild sind in der Regel durch eine Teilkaskoversicherung gedeckt. Vorausgesetzt, es handelt sich um sogenanntes Haarwild. Dahinter verbergen sich wiederum Rehe, Hirsche, Hasen, Steinmarder, Füchse und die meisten anderen Tierarten. Mancher Versicherungen nehmen auch Pferde, Rinder oder Schafe in die Police auf – also vorher informieren. Und: Große Automobilclubs bieten meist die „Wildschadensbeihilfe“ an, die den Selbstbehalt bei der Kaskoversicherung übernimmt.

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