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Ortsteile: Zwischen Ober- und Niederreifenberg gibt es seit Jahrhunderten Rivalitäten

Von Kaum eine Büttenrede in der Feldberggemeinde kam ohne eine Spitze zur Rivalität zwischen Reifenberg und den anderen Ortsteilen der Kommune aus. Doch auch zwischen Ober- und Niederreifenberg herrschte nicht immer dicke Freundschaft.
Wer im Haidgesweg in Niederreifenberg wohnt, hat einen herrlichen Blick auf Oberreifenberg mit der mittelalterlichen Burg und der Kirche. Foto: Evelyn Kreutz Wer im Haidgesweg in Niederreifenberg wohnt, hat einen herrlichen Blick auf Oberreifenberg mit der mittelalterlichen Burg und der Kirche.
Schmitten. 

Die von „da owwe“ und von „da unne“ sind sich in der Gemeinde Schmitten nicht immer grün. Bei der Fassenacht, wie zum Beispiel in diesem Jahr wieder beim Ritter Kuno von Reifenberg, ist alles nur Geplänkel. Aber auch im Humor ist immer ein Körnchen Wahrheit.

Die streitbaren Reifenberger „owwe“ haben vorher hartnäckig versucht, ihre Pfründe gegen den Rest der Gemeinde Schmitten „unne“ im unteren Weiltal zu sichern. Der Zusammenschluss von Ober- und Niederreifenberg zur selbstständigen Gemeinde Reifenberg am 31. Dezember 1971 hielt aber nicht lange. Schon am 1. August 1972 wurden die beiden Ortsteile der Gemeinde Schmitten einverleibt. Dagegen konnten die Reifenberger auch mit einer Klage beim Bundesverwaltungsgericht nichts ausrichten. Heute halten die Reifenberger zusammen, als ob das schon immer so gewesen sei.

Eine Eisenbahnlinie

Das Leben in den Dörfern wurde seit dem Mittelalter viele Jahrhunderte von den Herren oben auf der Burg bestimmt. Der Ort Reifenberg teilte sich erstmals 1849 in Ober- und Niederreifenberg. Ehe um 1900 Oberreifenberg Höhenluftkurort wurde, hatten die Grafen von Bassenheim die Nagelschmiederei und Heimarbeit in den Orten im Hohen Taunus eingeführt. Diese Schmieden entwickelten sich zu den heutigen Metall- und Kunststoffwarenfabriken.

Dass sich Ober- und Niederreifenberger schon immer schwer miteinander taten, bestätigt auch Wolfgang Breese, der stellvertretende Vorsitzende des Geschichtsvereins Hochtaunus. So konnten die beiden Orte bei der Planung der Eisenbahnlinie, die dann unter anderem aus Geldmangel nach dem ersten Weltkrieg nie gebaut wurde, keine Einigung erzielen, wo denn ein gemeinsamer Bahnhof errichtet werden sollte.

Wie in der Schulchronik von Niederreifenberg nachzulesen ist, gab es ab 1938 schon einmal einen gemeinsamen Gemeindeverband, der aber Ende 1948 wieder aufgelöst wurde. „Die Trennung sei angeblich von Oberreifenberg herbeigeführt worden, entsprach aber letztlich dem Wunsch beider Gemeinden“, schrieb der Chronist. Er skizzierte das „Reifenberger Völkchen“ wie folgt: „Die Mentalität der Reifenberger ist nicht leicht zu ergründen. Spötter begnügen sich mit dem Wort: Es gibt Gute und Böse und Reifenberger!“ Immerhin besage dies, dass die Reifenberger ein besonderer Menschenschlag seien. „Sie führen ihr Eigenleben bis zur Eigensinnigkeit, sind stark traditionsgebunden, und das in einem Ausmaß, dass alle Neuerungen, ob gut oder nicht, abgelehnt werden, nur weil sie Neues bringen.“

Früher Industriestandort

Doch seien die Reifenberger Veränderungen gegenüber nicht generell abgeneigt“, heißt es 1951 in der Chronik. Aus Sicht des Chronisten hat der rasche Strukturwandel nach 1945, als Niederreifenberg immer mehr zum Industriestandort wurde, während Oberreifenberg sich dem Tourismus öffnete, zur Auflösung des Gemeindeverbundes geführt.

„Mir, der ich Außenstehender im Streite der feindlichen Brüder bin, will es nicht in den Kopf, daß beide Gemeinden sich nicht vertragen wollen.“ Mit der Antwort, das sei schon immer so gewesen, wollte der Chronist sich nicht zufrieden geben. Den Grund der Zerstrittenheit, sah er, „wie meistens überall im Finanziellen.“ Niederreifenberg als Industriestandort habe damals zu 82 Prozent zum Steueraufkommen beigetragen, Oberreifenberg nur zu 18 Prozent. Aber Oberreifenberg hatte mehr Einwohner und die Mehrheit in der Gemeindevertretung. Da wundert es nicht, dass es 36 Jahre brauchte um eine gemeinsame Schule zu bauen.

Nächster Teil

Wie neue und alte Ober- und Niederreifenberger die Rivalität beurteilen, lesen Sie in der Fortsetzung.

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