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Darf so ein Haus abgerissen werden?: Abbruchgenehmigung für ehemaliges Honorarkonsulat der Malediven liegt vor

Von Ein Haus im Hardtwald nach dem anderen weicht nach Verkauf einem Neubau. Auch die Tage der ungewöhnlichen Villa in der Immanuel-Kant-Straße 16 sind gezählt. Doch nicht alle wollen sich damit abfinden.
Das Burgähnliche trägt viel dazu bei, dass die Homburger diese Villa so ins Herz geschlossen haben. Liebe steckt auch in der Dachdeckung. Foto: Jochen Reichwein Das Burgähnliche trägt viel dazu bei, dass die Homburger diese Villa so ins Herz geschlossen haben. Liebe steckt auch in der Dachdeckung.
Bad Homburg. 

Zuerst verschwanden Büsche und Bäume, in deren Schatten die weiß-blaue Villa gegenüber dem Bahn-Schulungszentrum im Hardtwald stand. Der hölzerne Zaun wurde teilweise niedergedrückt. Und auch für die verspielte weiße Villa mit dem Aussichtsturm und der schwedisch anmutenden Veranda sind die Tage gezählt. Noch steht sie da, als könnten sich die Verantwortlichen nicht entscheiden. Doch laut Landesamt für Denkmalschutz hat die Bauaufsicht der Stadt bereits eine Abbruchgenehmigung erteilt. Aller Voraussicht nach werde das Gebäude noch in diesem Jahr abgebrochen.

Die Nachbarn aus der Immanuel-Kant-Straße, der Herderstraße, Spaziergänger und viele Homburger, die ihre Stadt nicht ohne das Gebäude kennen, können es nicht fassen. Wie kann es sein, dass diese sicherlich 100 Jahre alte und alles andere als gewöhnliche Villa abgerissen werden darf?

Ein skurriles Detail im Keller ist ein Skelett im Brunnen. Archivfotos: jp Bild-Zoom
Ein skurriles Detail im Keller ist ein Skelett im Brunnen. Archivfotos: jp

Nachdem vor zwei Jahren der letzte Eigentümer des Hauses im Alter von 82 Jahren verstorben war, steht das Anwesen leer und verfällt, von außen betrachtet, zusehends. Das Gelände ist gerodet und sich selbst überlassen. Und immer wieder verschwinden Dinge vom Grundstück. Ein Architektenschild kündet davon, dass hier bald etwas Neues entsteht. Was für eine Art von Neubau und wann die Bagger rollen werden, gibt der Architekt nicht preis, und auch den Kontakt zum neuen Eigentümer will er nicht herstellen. In der Nachbarschaft ist man sich sicher, dass dieser aus China kommt.

„Starke Überformung“

Es ist nicht so, dass der Denkmalbeirat der Stadt das Haus nicht auf dem Schirm gehabt hätte. „Ich bedaure sehr, dass das Haus abgerissen wird“, sagt Ulrich Cannawurf, der Mitglied in dem Gremium ist und selbst lange in der Straße gewohnt hat.

Doch die Entscheidung, ob ein Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird und somit stehen bleibt oder nicht, fällt das Landesdenkmalamt in Wiesbaden. Das schickte Mitarbeiter in die Immanuel-Kant-Straße, doch sie fanden nichts Schützenswertes, wie Sprecherin Dr. Katrin Bek erläutert: „Vertreter unseres Hauses haben das Gebäude einer Prüfung unterzogen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Denkmaleigenschaft aufgrund der starken Überformung nicht gegeben ist.“

Zu den Zeiten, in denen noch der mit 82 Jahren verstorbene Honorargeneralkonsul der Republik Malediven, Gottfried Mücke, hier wohnte, gab es auch im Innern Erhaltenswertes. Zuweilen sah man ihn mit einer Flasche Champagner auf besagter Veranda sitzen; über ihm und seinen Besuchern drehte sich eine Discokugel. Oft aber saßen die Gäste, die aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet nach Bad Homburg kamen, um bei ihm Prickelndes zu verkosten, im Keller. Diesen hatte der frankophile Konsul zu einer Pariser Metro umgebaut. „Ein wenig erinnert das Ambiente an den Orient-Express“, schrieb eine TZ-Mitarbeiterin, die Mücke in sein verspieltes Reich gelassen hatte. Originalgeräusche aus Pariser Bahnhöfen erklangen aus Lautsprechern, während der Schampus in den Gläsern perlte. Schaufensterpuppen und ein tiefer runder Brunnen sorgten zusätzlich für Ambiente.

Der letzte Bewohner Gottfried Mücke hatte im Keller eine Metro eingebaut. Bild-Zoom
Der letzte Bewohner Gottfried Mücke hatte im Keller eine Metro eingebaut.

Cannawurf hofft, dass trotzdem noch nicht das letzte Wort gesprochen, dass das burgähnliche Fachwerkhaus noch zu retten ist. Errichtet wurde es vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts als Pferdestall – deshalb vielleicht auch das Türmchen, das als Ausguck diente und auf dem noch immer eine Fahne im Sommerwind weht.

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