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Alkohol weckt den Teufel

Von Ein 22 Jahre alter Angeklagter argumentiert gerne mit Knüppeln, Messern und Schnapsflaschen. Das brachte ihn vor Gericht.
Bad Homburg. 

Eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung ist bei Gericht nichts Ungewöhnliches. Doch in diesem Fall war es keine alltägliche Verhandlung. Angeklagt war ein 22 Jahre alter Bad Homburger. Nach dem Tod seines Vaters, der in Somalia mit vier Frauen verheiratet war (der 22-Jährige wurde von der dritten Frau zur Welt gebracht), war der Angeklagte mit 15 Jahren in die Schweiz geflüchtet. Dort habe er mit 16 Jahren in einer Moschee geheiratet. Später sei er auch Vater geworden. Aber von Frau und Kind hatte er sich einige Jahre danach getrennt. Als sein Asylantrag abgelehnt wurde und die Schweiz ihn ausweisen wollte, flüchtete er 2013 nach Deutschland. Auch hier hat der junge Mann kein Asyl erhalten – allerdings wird er zurzeit aus politischen Gründen nicht ausgewiesen. Seit 2014 wohnt er in einer Bad Homburger Asylanten-Unterkunft.

Seine Verfehlungen, die ihn auf die Anklagebank brachten, hatte er in Gießen begangen, aber da er damals noch nicht das 21. Lebensjahr vollendet hatte, wurde nun an seinem jetzigen Wohnsitz verhandelt.

Zwei Mal hatte er sich im Sommer 2013 stark alkoholisiert strafbar gemacht. Im August 2013 soll er mit einem Knüppel vor einem Lokal auf eine ältere Person eingeschlagen haben. Als Passanten dies verhindern wollten, wurden sie zur Zielscheibe des damals 19-Jährigen. Nach einem Mann zielte der Angeklagte mit einer Bierflasche, die das Opfer aber mit dem Arm abwehren konnte. Die herbeigerufene Polizei konnte den Streit beenden.

Doch nur 20 Minuten später kehrte der Somali zurück. Zu dieser Zeit hatte sich der Helfer mit Freunden zu einer nahe gelegenen Tankstelle begeben, wo er erneut vom Angeklagten attackiert wurde, der plötzlich ein Küchenmesser mit einer 13,5 Zentimeter langen Klinge in der Hand hielt. „Ich mache dich tot, I kill you“ soll er dabei gerufen haben. Da einige Personen die Tür zur Tankstelle zuhielten, konnte der junge Mann nicht tätlich werden. Wieder kam die Polizei und nahm ihn mit.

Ménage-à-trois

Drei Tage später gab es erneut Ärger mit dem wieder angetrunkenen Angeklagten. Diesmal war er mit einem Eritreer aneinandergeraten. Dabei sei es um eine Frau gegangen, für die sich offenbar beide interessierten. Der Angeklagte wollte seinem Rivalen eine Schnapsflasche auf den Kopf schlagen.

Die Anhörung des Angeklagten bei Gericht war nicht einfach. Die Richterin brauchte viel Geduld. Übersetzt wurde das Gespräch von einem Dolmetscher, der dieser Aufgabe jedoch nicht gewachsen war. Immer wieder gab es Rüffel der Richterin, weil der Dolmetscher wohl nur Teile des Gesprächs übersetzte. Für die zweite Anklage wäre ein eritreischer Dolmetscher erforderlich gewesen – doch den gab es nicht. Also wurde versucht, sich in Deutsch und Englisch zu verständigen. Letztlich wurde dieses zweite Verfahren im Hinblick auf die schwerere erste Anklage eingestellt.

Dann folgte das Urteil: Wegen gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall und Bedrohung gab es eine Geldstrafe von 960 Euro, gebildet aus 120 Tagessätzen zu je 8 Euro. Viel Geld für jemanden, der monatlich 200 Euro Sozialhilfe erhält. Der Verurteilte kündigte an, die Geldstrafe mit gemeinnützigen Stunden abzuarbeiten. Sollte er dies tun, müsste er 120 Tage je 6 Stunden arbeiten. Dann bleiben noch die ihm auferlegten Gerichtskosten, die durch Dolmetscher- und Zeugengebühren nicht unbeträchtlich sind.

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